Bierbrauen ohne Erdgas: Wärmepumpe und Solarenergie liefern Prozesswärme
Wie lässt sich Prozessdampf ohne Erdgas erzeugen? RenewBrew kombiniert Hochtemperatur-Wärmepumpe, Solarthermie, Photovoltaik und Speicher. Erprobt wird das System zunächst für eine Brauerei auf Norderney.
Prost: Forschende wollen Energiesystem entwickeln, das den für das Bierbrauen benötigten Wasserdampf weitgehend mit erneuerbaren Energien bereitstellt.
Foto: Smarterpix/logoff
Was zum Wochenende zunächst nach einer besonders sympathischen Anwendung der Energiewende klingt, hat durchaus einen industriellen Hintergrund: Für viele Produktionsprozesse werden hohe Temperaturen und Wasserdampf benötigt. Bislang stammt die dafür notwendige Prozesswärme häufig aus Erdgas. Das Forschungszentrum Energie – Mobilität – Prozesse der Hochschule Hannover will deshalb ein Energiesystem entwickeln, das den für das Bierbrauen benötigten Wasserdampf weitgehend mit erneuerbaren Energien bereitstellt.
Inhaltsverzeichnis
Hochtemperatur-Wärmepumpe trifft Solarthermie
Kern des Projekts „RenewBrew“ ist die Kombination mehrerer Technologien. Vorgesehen sind Hochtemperatur-Wärmepumpen, thermische Speicher, Photovoltaik sowie konzentrierende Solarthermie. Letztere bündelt Sonnenstrahlung mithilfe von Spiegeln, um Wärme auf einem hohen Temperaturniveau bereitzustellen.
Gemeinsam sollen die Komponenten Wasserdampf mit Temperaturen von deutlich mehr als 100 °C erzeugen. Die Photovoltaikanlage kann dabei Strom für die Wärmepumpe liefern, während Solarthermie direkt Wärme in das System einbringt. Speicher sollen Erzeugung und Wärmebedarf zeitlich entkoppeln.
Projektleiter Lutz Meyer sieht insbesondere in der Kombination der Technologien Potenzial: „Die Kopplung von Solarthermie und Hochtemperaturwärmepumpe eröffnet neue Synergien und ermöglicht signifikante Effizienzsteigerungen.“
Demonstrator soll auf Norderney entstehen
Derzeit baut die Hochschule Hannover eine wissenschaftliche Testanlage auf. Auf deren Grundlage soll anschließend ein Demonstrator für das Norderneyer Brauhaus entwickelt und vor Ort installiert werden.
Das Projekt richtet sich nicht nur an Brauereien. Interessant könnte das Konzept auch für kleinere und mittlere Industriebetriebe sein, die Wasserdampf und Prozesswärme benötigen, für die eine Elektrifizierung bislang aber technisch oder wirtschaftlich schwierig ist. Gerade in niedrigeren Leistungsbereichen gebe es bei der Dekarbonisierung industrieller Prozesswärme bislang nur wenige praktikable Lösungen, erklärt Meyer.
Forschungsprojekt läuft bis Ende 2028
„RenewBrew“ läuft vom 1. Januar 2026 bis zum 31. Dezember 2028. Das Projekt wird mit rund 1,09 Mio. € gefördert. Beteiligt sind neben der Hochschule Hannover das Norderneyer Brauhaus und Jaske & Wolf Verfahrenstechnik. Neben der technischen Machbarkeit untersucht das Projekt auch die Wirtschaftlichkeit des Systems.




