
Wie dringend der Schutz sensibler Standorte ist, zeigt die Drohnensichtung am BER: Der Flugverkehr wurde am Mittwoch kurzzeitig komplett eingestellt, Flüge wurden umgeleitet. Diese Woche wurde zudem ein Drohnenfund nahe dem Bundeswehr-Fliegerhorst Wunstorf bekannt. Ermittler fanden wenige Meter entfernt eine verdächtige Substanz. Ob es Sprengstoff ist und ein Zusammenhang mit dem versuchten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle besteht, ist unklar. Wie kann Deutschland sensible Standorte besser vor Drohnenangriffen schützen?
Auf der Verteidigungsmesse Euro Defence Expo (EUDEX) und der parallel stattfindenden Security Essen wurde deutlich, dass Drohnenabwehr nicht bei der Technik endet. Systeme müssen weiterentwickelt und in ausreichender Zahl hergestellt werden. Zudem muss feststehen, wer eine Bedrohung erkennt, bewertet und gegebenenfalls abwehrt. Die Aussagen von Industrie, Bundeswehr, Politik und privater Sicherheitswirtschaft zeigen, wo es dabei hakt.
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Technik muss sich im Einsatz bewähren
Sensorik, Künstliche Intelligenz und Drohnenabwehr gehören zu den Technologiefeldern, auf die die Sicherheitsindustrie setzt. Dabei müssen sich neue Lösungen an veränderte Bedrohungen anpassen lassen.
Wie kurz diese Entwicklungszyklen geworden sind, schilderte Josef Kranawetvogl vom Verteidigungsunternehmen STARK. Das Unternehmen entwickelt seine Systeme in Deutschland und erprobt sie nach eigenen Angaben unter realen Einsatzbedingungen in der Ukraine. „Wir haben Feedback einmal aus der Ukraine, wir haben Feedback aber auch von den Operatoren der Bundeswehr. Und das macht es dann natürlich zu einer ganz großen Herausforderung, wenn sich Systeme entwickeln und immer wieder neue Innovationen reinbringen in die Systeme“, so Kranawetvogl.
Die Rückmeldungen flössen fortlaufend in die Entwicklung ein. Ein Produkt über längere Zeit unverändert zu bauen, sei deshalb nur eingeschränkt möglich: „Die Zeit hat sich weiterentwickelt, weitergedreht. Wir haben angefangen mit Wirksystemen gegen Landziele, gegen Bodenziele. Nicht erst seit dem Leipziger Vorfall ist aber in der Dimension Luft umso mehr der Bedarf da, eben mit Systemen auch feindlichen Angriffen entgegenzuwirken.“
STARK will nach Abschluss eines Qualifikationsprozesses erste Systeme aus dem Bereich Loitering Ammunition an die Bundeswehr liefern. Zugleich investiert das Unternehmen nach eigenen Angaben in Systeme gegen Bedrohungen aus der Luft. Die Geschwindigkeit der Entwicklung ist damit Teil der Verteidigungsfähigkeit: Was heute funktioniert, muss sich auch morgen an neue Anforderungen anpassen lassen.
Ein schnell entwickeltes System hilft nur begrenzt, wenn es nicht in der benötigten Zahl gefertigt werden kann. Kranawetvogl zufolge müssen Produkte so konstruiert sein, dass sie sich einfach montieren und bei steigendem Bedarf rasch produzieren lassen.
Nordrhein-Westfalen will besondere Rolle einnehmen
Nordrhein-Westfalen will diesen Schritt unterstützen. Wirtschaftsministerin Mona Neubaur verwies dafür auf die industrielle Basis des Landes, seinen Mittelstand und seine Forschungseinrichtungen. „Die Zeitenwende im Bereich der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ist nicht nur eine sicherheitspolitische, sondern eben auch eine industriepolitische Aufgabe. NRW ist das wirtschaftliche, industrielle Herz Deutschlands, das wirtschaftliche Herz Europas“, so Neubaur.
Ob dauerhaft Produktionskapazitäten entstehen, hängt jedoch auch von Fachkräften ab. „Dahinter stehen keine abstrakten Konzepte, sondern Ingenieurinnen und Mittelständlerinnen und Mittelständler aus NRW, die an den Technologien arbeiten, auf die Europa angewiesen ist“, so die Ministerin. Sie betonte, dass die wachsende Sicherheits- und Verteidigungsindustrie Arbeitsplatzverluste in anderen Branchen nicht vollständig ausgleichen könne.
Über das Förderprogramm Defence.Tech.NRW stellt die Europäischen Union zunächst 25 Mio.€ dem Land für Dual-Use-Innovationen bereit. Zu den empfohlenen Projekten gehören Vorhaben zur Drohnenabwehr, KI, Satellitenkommunikation und mobilen Produktion. Im geplanten Production Launch Center Defence sollen Unternehmen und Forschungseinrichtungen Technologien schneller von der Entwicklung in die Serienproduktion bringen. Der seit Mai 2025 bestehende Runde Tisch Defence diene zudem dem regelmäßigen Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Sicherheitsindustrie.
Im Ernstfall braucht es klare Zuständigkeiten
Neben Entwicklung und Fertigung bleibt eine organisatorische Frage: Wer handelt, wenn eine Drohne an einem sensiblen Standort entdeckt wird? Cornelia Okpara vom Bundesverband der Sicherheitswirtschaft sieht bei der Erkennung und Abwehr von Drohnen teilweise unklare rechtliche Rahmenbedingungen. Das gelte auch für die Zusammenarbeit privater Sicherheitsunternehmen mit staatlichen Behörden. Auftraggeber verlangten zunehmend Schutzkonzepte, die Personal und Technik verbinden; Beschäftigte müssten dafür entsprechend qualifiziert werden.
Generalleutnant Thorsten Poschwatta, Kommandeur des Air Component Command und Executive Director des Joint Air Power Competence Centre (JAPCC) forderte ebenfalls klare Zuständigkeiten zwischen Bundeswehr, Polizei, Bund, Ländern und privaten Sicherheitsdiensten. „Wir müssen Zusammenarbeit neu denken, Innovation beschleunigen und bereit sind, den Herausforderungen unserer Zeit gemeinsam zu begegnen.“
Cyberangriffe, Sabotage und Drohnenvorfälle machten die Zusammenarbeit dieser Stellen dringlicher. Schnellere Beschaffung und neue Systeme seien Fortschritte – für ihren Einsatz brauche es aber verbindliche Abläufe. „Europa steht vor der Herausforderung, die eigenen Verteidigungsfähigkeiten zu stärken, industrielle Souveränität aufzubauen und, was mir ganz wichtig ist, gleichzeitig Interoperabilität im Bündnis zu erhalten“, so Poschwatta.
Positionierung der EUDEX
Die EUDEX will sich als deutsche und europäische Verteidigungsmesse mit starkem Mittelstandsbezug positionieren. Ihr besonderes Profil entstehe aus dem Zusammenspiel von EUDEX, JAPCC-Konferenz, Security Essen und CPM-Konferenz. Während die Security Essen Lösungen für Unternehmen, Behörden und KRITIS-Betreiber präsentiert, bringt die EUDEX Streitkräfte, Verteidigungsindustrie, Forschung und Politik zusammen. Drohnen, KI und die Vernetzung unterschiedlicher Systeme prägen beide Veranstaltungen. Die zentrale Erkenntnis lautet: Deutschland benötigt nicht nur einzelne technische Lösungen, sondern ein gemeinsames Lagebild, klare Zuständigkeiten und eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen Staat, Bundeswehr, Sicherheitsbehörden und privaten Betreibern. Dadurch werden militärische, industrielle und zivile Sicherheitsthemen miteinander verbunden. Insgesamt nehmen rund 360 Aussteller teil.
























