Drohnenabwehr: Warum neue Technik allein nicht reicht
Europa investiert in Drohnenabwehr, KI und neue Verteidigungssysteme. Auf der Security Essen zeigte sich, woran ihre Wirkung hängt: schnelle Entwicklung, industrielle Fertigung und klare Zuständigkeiten.
Der Drohnenfund nahe dem Bundeswehr-Fliegerhorst Wunstorf rückt Fragen der Drohnenabwehr in den Fokus. Auf der Euro Defence Expo (EUDEX) in Essen diskutieren Fachleute über Technik und Zuständigkeiten.
Foto: picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg
Wie dringend der Schutz sensibler Standorte ist, zeigt der jüngste Drohnenfund nahe dem Bundeswehr-Fliegerhorst Wunstorf. Wenige Meter von dem Fluggerät entfernt fanden Ermittler eine verdächtige Substanz. Ob es sich um Sprengstoff handelt und ob der Fund mit dem versuchten Drohnenanschlag am Flughafen Leipzig/Halle zusammenhängt, ist noch ungeklärt.
Auf der Verteidigungsmesse Euro Defence Expo (EUDEX) und der parallel stattfindenden Security Essen wurde deutlich, dass Drohnenabwehr nicht bei der Technik endet. Systeme müssen weiterentwickelt und in ausreichender Zahl hergestellt werden. Zudem muss feststehen, wer eine Bedrohung erkennt, bewertet und gegebenenfalls abwehrt. Die Aussagen von Industrie, Bundeswehr, Politik und privater Sicherheitswirtschaft zeigen, wo es dabei hakt.
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Technik muss sich im Einsatz bewähren
Sensorik, künstliche Intelligenz und Drohnenabwehr gehören zu den Technologiefeldern, auf die die Sicherheitsindustrie setzt. Dabei müssen sich neue Lösungen an veränderte Bedrohungen anpassen lassen.
Wie kurz diese Entwicklungszyklen geworden sind, schilderte Josef Kranawetvogl vom Verteidigungsunternehmen STARK. Das Unternehmen entwickelt seine Systeme in Deutschland und erprobt sie nach eigenen Angaben unter realen Einsatzbedingungen in der Ukraine. Rückmeldungen von dort sowie Erfahrungen von Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten flössen fortlaufend in die Entwicklung ein. Ein Produkt über längere Zeit unverändert zu bauen, sei deshalb nur eingeschränkt möglich.
STARK will nach Abschluss eines Qualifikationsprozesses erste Systeme aus dem Bereich Loitering Ammunition an die Bundeswehr liefern. Zugleich investiert das Unternehmen nach eigenen Angaben in Systeme gegen Bedrohungen aus der Luft. Die Geschwindigkeit der Entwicklung ist damit Teil der Verteidigungsfähigkeit: Was heute funktioniert, muss sich auch morgen an neue Anforderungen anpassen lassen.
Ein schnell entwickeltes System hilft nur begrenzt, wenn es nicht in der benötigten Zahl gefertigt werden kann. Kranawetvogl zufolge müssen Produkte so konstruiert sein, dass sie sich einfach montieren und bei steigendem Bedarf rasch produzieren lassen. Darin liegt eine andere Aufgabe als in der Entwicklung eines Prototyps.
Nordrhein-Westfalen will besondere Rolle einnehmen
Nordrhein-Westfalen will diesen Schritt unterstützen. Über das Förderprogramm Defence.Tech.NRW stellt die Europäischen Union zunächst 25 Millionen Euro dem Land für Dual-Use-Innovationen bereit. Zu den empfohlenen Projekten gehören Vorhaben zur Drohnenabwehr, KI, Satellitenkommunikation und mobilen Produktion. Im geplanten Production Launch Center Defence sollen Unternehmen und Forschungseinrichtungen Technologien schneller von der Entwicklung in die Serienproduktion bringen. Der seit Mai 2025 bestehende Runde Tisch Defence diene dem regelmäßigen Austausch zwischen Politik, Wirtschaft und Sicherheitsindustrie.
Wirtschaftsministerin Mona Neubaur verwies dafür auf die industrielle Basis des Landes, seinen Mittelstand und seine Forschungseinrichtungen. Ob daraus dauerhaft Produktionskapazitäten entstehen, hängt jedoch auch von Fachkräften ab. Neubaur betonte, dass die wachsende Sicherheits- und Verteidigungsindustrie Arbeitsplatzverluste in anderen Branchen nicht vollständig ausgleichen könne. Weiterbildung werde deshalb wichtig.
Auch Generalleutnant Thorsten Poschwatta, Kommandeur des Air Component Command und Executive Director des Joint Air Power Competence Centre (JAPCC), bezeichnete den Personalmangel als eine der größten Herausforderungen für Bundeswehr und Industrie.
Im Ernstfall braucht es klare Zuständigkeiten
Neben Entwicklung und Fertigung bleibt eine organisatorische Frage: Wer handelt, wenn eine Drohne an einem sensiblen Standort entdeckt wird? Cornelia Okpara vom Bundesverband der Sicherheitswirtschaft sieht bei der Erkennung und Abwehr von Drohnen teilweise unklare rechtliche Rahmenbedingungen. Das gelte auch für die Zusammenarbeit privater Sicherheitsunternehmen mit staatlichen Behörden. Auftraggeber verlangten zunehmend Schutzkonzepte, die Personal und Technik verbinden; Beschäftigte müssten dafür entsprechend qualifiziert werden.
Poschwatta forderte ebenfalls klare Zuständigkeiten zwischen Bundeswehr, Polizei, Bund, Ländern und privaten Sicherheitsdiensten. Cyberangriffe, Sabotage und Drohnenvorfälle machten die Zusammenarbeit dieser Stellen dringlicher. Schnellere Beschaffung und neue Systeme seien Fortschritte – für ihren Einsatz brauche es aber verbindliche Abläufe.
Positionierung der EUDEX
Die EUDEX will sich als deutsche und europäische Verteidigungsmesse mit starkem Mittelstandsbezug positionieren. Ihr besonderes Profil entstehe aus dem Zusammenspiel von EUDEX, JAPCC-Konferenz, Security Essen und CPM-Konferenz. Dadurch würden militärische, industrielle und zivile Sicherheitsthemen miteinander verbunden. Insgesamt nehmen rund 360 Aussteller teil.




