Zirkuläre Bauweise 23.09.2022, 11:06 Uhr

Ein Hangar mit außergewöhnlichen Dimensionen für Luftschiff Theo

Ein Luftschiffhangar ist für alle an Planung und Bau Beteiligten ohnehin bereits eine ungewöhnliche Baumaßnahme. Weil der Neubau in nachhaltiger Bauweise entstehen sollte, war die Aufgabe besonders herausfordernd.

Mit 400 Quadratmeter Fläche pro Torflügel weist der neue Luftschiffhangar außerordentliche Dimensionen auf. Foto: Archlab

Mit 400 Quadratmeter Fläche pro Torflügel weist der neue Luftschiffhangar außerordentliche Dimensionen auf.

Foto: Archlab

Ein Hangar für ein Luftschiff wird nicht alle Tage gebaut – schon das macht ihn zu einer anspruchsvollen Aufgabe. Der Neubau für das Luftschiff „Theo“ soll zusätzlich den Kriterien der Kreislaufwirtschaft entsprechen, nachwachsende und recyclingfähige Baustoffe nutzen und eine DGNB-Zertifizierung erhalten. Die zuvor genutzte Halle jedenfalls war in die Jahre gekommen und entsprach nicht mehr den technischen Anforderungen. Daher erfolgte Anfang Mai 2022 der Rückbau des Hangars, um an derselben Stelle den Neubau einer Multifunktionshalle zu errichten. In dieser findet künftig nicht nur das Luftschiff Theo seinen Platz, sondern im Rahmen von Veranstaltungen auch etwa 1.500 Personen.

Für das Tragwerk kommt eine Holz-Fachwerkkonstruktion zum Einsatz. Die Holzbauteile werden am Firmen-Stammsitz von Derix in Niederkrüchten produziert.

Foto: Virtua Ethic

Holz für das Tragwerk einschließlich der Verbindungen

Die „Grundholzlegung“ für den neuen Hangar erfolgte im Juni 2022. „Grundholz“ und nicht „Grundstein“, da die Trägerkonstruktion ausschließlich aus Holz bestehen wird. 557 Tonnen Holz aus deutschen Wäldern kommen in diesem Projekt zum Einsatz. Der nachwachsende und recyclingfähige Baustoff kommt für das Tragwerk als Holz-Fachwerkkonstruktion zum Einsatz.

Die Fachwerkträger aus Brettsperrholz-Bauteilen, Dübeln und Furnierschichtholz-Platten gebildet.

Foto: Virtua Ethic

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15 Zweigelenkbogen als Fachwerkkonstruktion aus Brettschichtholz überspannen eine beeindruckende Spannweite von 42 Meter. Diese Dachtragschale wird aus Brettsperrholz gefertigt.

Die Fachwerkträger messen 40 m in der Breite, 26 m in der Höhe.

Foto: Virtua Ethic

Das Besondere bei den Fachwerkträger ist unter anderem, dass sie auch an den insgesamt 592 Knotenpunkten als Holzverbindung realisiert werden. Seit Mitte September wird der Holzbau gerichtet, denn bereits im November soll Luftschiff „Theo“ wieder ein Dach über dem Kopf haben.

Auch an den 592 Knotenpunkten der Konstruktion werden die Fachwerkträger als Holzverbindung realisiert.

Foto: Virtua Ethic

Fundamente des alten Hangars recycelt

Der Aushub der Fläche und der Fundamente betrug knapp 8.000 Kubikmeter. Die alten Fundamente wurden vor Ort gebrochen und als Recyclingmaterial wieder verwendet. Direkt auf der Baustelle wurde das Material zerkleinert, sortiert und als Unterbau für den Hallenboden wieder verwendet. Dieser wird aus gebrauchten Beton-Großformatplatten ausgeführt, die an einer Logistikfläche in Mülheim ausgebaut und abgeholt werden.

Insgesamt werden durch gezielte Auswahl von Materialien wie auch durch die Wiederverwendung von Baustoffen 156 Tonnen CO2 eingespart. Nicht zuletzt stammen alle an diesem Projekt beteiligten Partner aus Mühlheim an der Ruhr oder Umgebung.

Die Holzkonstruktion ist im Innenraum sichtbar.

Foto: archlab

Aluminiumfassade auf der Holz-Tragkonstruktion

Die Kubatur des neuen Hangars orientiert sich an der bestehenden Halle und entsteht eins zu eins auf dem Fußabdruck des Bestandsgebäudes, es erfolgt also keine weitere Flächenversiegelung. Die runde Formgebung soll Assoziationen an das Luftschiff „Theo“ wecken, als ob es soeben auf dem Boden gelandet wäre. Dabei legt sich die Aluminiumfassade wie ein Tuch über die hölzerne Tragkonstruktion. Bisher wurde im Bestand stattdessen ein Plane genutzt, doch nun haben sich die Beteiligten bewusst für eine recyclingfähige Aluminiumfassade entschieden.

In Richtung Westen öffnet sich die imposante Halle über eine etwa zweigeschossige Ebene und lässt lediglich hier Ein- und Ausblicke zu. Diese Glasfuge verschafft dem sonst verschlossenen Baukörper eine gewisse Leichtigkeit, belichtet den Innenraum und gibt den Blick auf das großzügige Flugfeld frei.

Außergewöhnliche Maße und Gewichte

Die Abmessungen der neuen Halle belaufen sich auf 92 Meter x 42 Meter, das entspricht etwa einem Fußballfeld. Der höchste Punkt des Hangars misst 26 Meter, der Brutto-Rauminhalt beträgt 71.000 Kubikmeter.

Die neue Toröffnung an der kurzen Seite der Halle ist eine individuelle Maßanfertigung mit spektakulären Dimensionen: Jeder Torflügel erstreckt sich über eine Fläche von 400 Quadratmeter und kommt auf eine Masse von 72 Tonnen. Vier Elektromotoren mit einer Motorleistung von 60 kW (80 PS) entwickeln ein Gesamtantriebsdrehmoment von 88.000 Nm, um die Torflügel zu bewegen.

Der Hangar öffnet sich nach Westen durch eine etwa zweigeschossige Glasfuge.

Foto: archlab

Kultflieger Theo

„Theo“, das Luftschiff der WDL Luftschiffgesellschaft mbH, hat nach Angaben des Unternehmens als Botschafter der Metropole Ruhr nicht nur im Ruhrgebiet, sondern auch über dieses hinaus Kultstatus erreicht. Das Luftschiff ist eines von insgesamt sechs weltweit und fliegt zu Werbezwecken regelmäßig über das gesamte Ruhrgebiet. Die WDL zeichnet bereits seit Jahrzehnten für den Betrieb von Luftschiffen verantwortlich

Wenn „Theo“ sich nicht in luftiger Höhe bewegt, wird das Luftschiff in einem Hangar auf dem Areal der WDL Luftschiffgesellschaft untergebracht, um Wartungs- und Reparaturarbeiten durchzuführen oder es in den Wintermonaten vor Witterung zu schützen.

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Von Ripkens Wiesenkämper / Karlhorst Klotz