So lassen sich Gebäude besser gegen Wetterextreme schützen
Wo richten Wetterextreme die größten Schäden an, und was lässt sich bei Neubau, Baustelle und Bestand dagegen tun? Eine neue Studie zeigt, wo es besonders teuer wird und worauf es bei Planung und Nachrüstung ankommt.
Wetterextreme verursachen unterschiedlich hohe Schäden: Ein Sturmschaden kostet im Schnitt rund 1200 Euro, eine Überschwemmung rund 28.500 Euro.
Foto: smarterpix / Longo68
Sturm, Starkregen und andere Wetterextreme verursachen in Deutschland hohe Schäden an Gebäuden. Für eine Untersuchung hat das Institut für Bauforschung (IFB) im Auftrag der VHV Allgemeine Versicherung mehr als 110.000 Schadenfälle für die Jahre 2002 bis 2024 ausgewertet. Ergänzend flossen Daten des Gesamtverbands der Versicherer (GDV) und der Bauleistungsversicherung ein.
Die Daten zeigen, dass insbesondere die Gebäudehülle dem Extremwetter ausgesetzt ist. Bei Sturm und Hagel reichen die Schäden von beschädigten Dachziegeln und Dachabdichtungen über zerstörte Fenster und Fassadenelemente bis zu Folgeschäden durch eindringendes Wasser.
Inhaltsverzeichnis
Sturm ist häufig, Wasser ist teuer
Sturm verursacht die meisten Schäden. Rund 64 % der in den VHV-Daten erfassten Naturgefahrenschäden zwischen 2002 und 2024 gehen auf ihn zurück. Hagel kommt auf rund 16 %. Bei beiden Gefahren hängt viel davon ab, wie widerstandsfähig die Gebäudehülle ist.
Bei den Kosten sieht das Bild anders aus. Ein Sturmschaden kostet im Schnitt rund 1200 Euro, ein Hagelschaden rund 3500 Euro. Starkregen, Rückstau und Überschwemmung machen nur rund 6 % der Fälle aus, kommen im Schnitt aber auf rund 12.000 Euro. Bei einer Überschwemmung durch ein Gewässer sind es sogar rund 28.500 Euro.

Dass es mehr Schäden gibt, liegt auch daran, dass immer mehr Gebäude versichert sind und deshalb mehr Schäden gemeldet werden. Deutlich teurer geworden ist vor allem der einzelne Schaden. Das kann an schwereren Unwettern liegen, aber auch an höheren Preisen für Material, Bau und Handwerker.
Wasser wird für Gebäude zum Problem
Wasserschäden sind deutlich seltener als Sturmschäden, fallen aber im Einzelfall wesentlich teurer aus. Gefährdet sind Keller und Erdgeschosse. Doch Wasser findet auch über Gebäudeöffnungen, Lichtschächte, Tiefgaragenzufahrten oder nicht ausreichend geschützte Übergänge seinen Weg ins Haus.
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Deshalb gehört die Entwässerung früh in die Planung. Das IFB empfiehlt ausreichend dimensionierte Systeme, Rückstauschutz und einen Blick auf mögliche Überflutungswege am Standort. Auch das Grundstück spielt eine Rolle, wenn Regenwasser dort zurückgehalten, versickert oder kontrolliert abgeleitet wird. So lässt sich verhindern, dass es auf das Gebäude zuläuft.
Hagel verlangt robuste Fassaden und Dächer
Auch bei Hagel entscheidet die Konstruktion über die Höhe des Schadens. Dachflächen, Dachfenster, Rollläden, Fassaden und technische Anlagen müssen hohe mechanische Belastungen aushalten.
Veränderungen zeigen sich auch im Jahresverlauf. 2023 und 2024 verlagerten sich die Hagelschäden stärker in den August und lagen dort deutlich über dem langjährigen Mittel. Einen eindeutigen langfristigen Anstieg kann man daraus allerdings noch nicht ableiten.

Aus Sicht des IFB sollten Bauteile stärker an den tatsächlichen Bedingungen vor Ort ausgerichtet werden. Dazu zählen hagelresistente Materialien und eine ausreichende Befestigung von Dach- und Fassadenelementen.
Wetterextreme treffen Gebäude mehrfach
Schwierig wird es, wenn mehrere Gefahren zusammenkommen. Bei schweren Gewittern können Sturm, Hagel, Starkregen und Blitzschlag innerhalb kurzer Zeit auf dasselbe Gebäude einwirken. Das führt zu mehreren Einzelschäden und oft zu Folgeschäden.
Die Studie beschreibt etwa den Fall, dass Hagel oder Sturm zuerst die Hülle beschädigen und danach Regen ins Gebäude dringt. Dann leiden neben Dach und Fassade auch Dämmung, Innenausbau und Gebäudetechnik.
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Schutzmaßnahmen sollten deshalb nicht für jede Gefahr einzeln gedacht werden. Es kommt auf das Zusammenspiel der Bauteile und Schutzebenen an.
Auch Baustellen sind gefährdet
Auch während der Bauphase können Wetterereignisse erhebliche Schäden verursachen. Die Auswertung der Bauleistungsversicherung zeigt, dass Niederschlag, Hochwasser und Sturm auf Baustellen erhebliche Schäden verursachen. Bei privaten Bauherren entfielen zwischen 2014 und 2025 rund 59 % der gemeldeten Schäden auf Niederschlag und Hochwasser sowie 29 % auf Sturm.

Besonders empfindlich sind offene Gebäudehüllen, Baugruben, unfertige Dächer und ungeschützte Baustoffe. Das IFB empfiehlt deshalb organisatorische Maßnahmen. Dazu zählt, die Baustelle bei angekündigten Unwettern rechtzeitig zu sichern und bereits fertige Bauteile angemessen zu schützen.
Wetterextreme erfordern robustere Gebäude
Viele Gebäude wurden für Bedingungen geplant, die sich inzwischen verändern. Nach Ansicht des IFB reicht es deshalb nicht, nur für Neubauten neue Anforderungen zu formulieren. Auch der Bestand muss Schritt für Schritt angepasst werden.
In Frage kommen zusätzliche Befestigungen an Dach und Fassade, besserer Rückstauschutz, eine angepasste Entwässerung, hagelresistente Bauteile oder Maßnahmen gegen Überhitzung. Was davon sinnvoll ist, hängt stark von Standort, Konstruktion und Gefährdung ab.
Klimaanpassung lässt sich aus den Ergebnissen heraus nicht auf einzelne Nachrüstungen reduzieren. Schon in der Planung sollten Standort, Gebäudehülle, Entwässerung, Technik und Nutzung zusammen betrachtet werden. Bei bestehenden Gebäuden heißt das, zuerst die Risiken systematisch zu erfassen und die gefährdetsten Bauteile nachzurüsten.




