
Wenige Jahre nach ihrer Fertigstellung musste die Grünbrücke bei Thyrow gesichert werden. Fachfirmen haben die Risse mit Harz verfüllt. Die B101 ist laut Infrastrukturministerium seit dem 14. Oktober wieder freigegeben. Doch warum das Holztragwerk so früh Schäden zeigte, ist noch nicht abschließend geklärt.
Seit dem 31. Juli war die B101 unter der Grünbrücke bei Thyrow gesperrt. Bei einer Bauwerksprüfung entdeckte Risse gefährdeten die Standsicherheit. Nun ist die Sicherung abgeschlossen – rund einen Monat früher als zunächst vorgesehen. Eine unabhängige gutachterliche Prüfung bestätigte die Voraussetzungen für die Verkehrsfreigabe.
Für das Bauwerk bleiben dennoch Fragen offen. „Mit der Verkehrsfreigabe ist unsere Arbeit jedoch nicht abgeschlossen“, erklärt Mike Koehler, Vorstandsvorsitzender des Landesbetriebs Straßenwesen Brandenburg, in der Pressemitteilung des Infrastrukturministeriums vom 12. Oktober. „Die Ursachen der Rissbildung werden weiter untersucht.“
Inhaltsverzeichnis
Eine grüne Verbindung auf zwei Holzbögen
Die Brücke schafft einen Übergang für Wildtiere über die vierspurige B101 und die parallel verlaufende Gemeindestraße. Dafür überspannt ein größerer Bogen die Bundesstraße, ein kleinerer die benachbarte Straße. Die begrünte Querung ist etwa 50 m breit.
Unter der Erdauflage steckt ein Tragwerk aus Brettschichtholz. Dieser Baustoff besteht aus miteinander verklebten Holzlamellen, aus denen sich auch große, gekrümmte Träger herstellen lassen. Darüber liegen Brettsperrholzplatten: Hier sind die Holzlagen kreuzweise angeordnet.
Die Konstruktion entstand im Zuge der Ortsumgehung Thyrow, die im Dezember 2018 für den Verkehr freigegeben wurde. An der Grünbrücke folgten 2019 noch Restarbeiten. Bis zur Sperrung im Sommer 2026 waren damit rund sieben Jahre vergangen.
Harz schließt die Risse – einige bleiben bestehen
Spezialisierte Firmen verpressten nahezu alle relevanten Risse mit einem speziellen Harz. Einige Stellen waren nicht zugänglich; laut Ministerium sind diese Risse für die Standsicherheit der Gesamtbrücke nicht maßgeblich.
Die bisherigen Untersuchungen ergaben keine lastbedingten Ursachen. Eine unzureichende Verklebungsqualität bestätigte sich an den untersuchten Holzproben ebenfalls nicht. Weiter geprüft werden klimatische Einflüsse und ihre Folgen für die Dauerhaftigkeit. Ergänzende statische Untersuchungen stehen aus. Ein Dauermonitoring begleitet das Bauwerk; weitere zeitweise Verkehrseinschränkungen bleiben möglich.
Damit ist die Sicherung für die Verkehrsfreigabe abgeschlossen. Die langfristige Bewertung des Schadensfalls steht noch aus.
Das Holz liegt unter einem mehrschichtigen Schutzaufbau
Die Erdauflage liegt nicht unmittelbar auf dem Holz. Das beteiligte Ingenieurbüro Schwesig beschreibt eine mehrlagige bituminöse Abdichtung über den Brettsperrholzplatten. Hinzu kommen unter anderem Wurzelschutz, Schutzvliese und ein Nagetierschutzgitter. Die Holzbauteile erhielten außerdem eine Behandlung mit Holzschutzmitteln, Hirnholzversiegelung und Feuchteschutzlasur.
Diese Details sind für das Verständnis wichtig: Eine begrünte Holzbrücke ist ein Bauwerk mit mehreren aufeinander abgestimmten Schutzschichten. Welche davon im konkreten Betrieb wie funktioniert haben, lässt sich aus der bloßen Feststellung von Rissen nicht ablesen.
Wie unterschiedlich solche Schutzkonzepte aussehen können, zeigt der Fachbeitrag „Der perfekte konstruktive Schutz“. Er beschreibt unter anderem überstehende Beläge, gezielte Wasserableitung und die Überwachung der Holzfeuchte an anderen Brücken.
Was hat das frühere Feuchtemonitoring erfasst?
Eine Überwachung der Holzfeuchte taucht bereits in der ursprünglichen Projektbeschreibung von Schwesig auf. Das Büro nennt ausdrücklich ein externes Feuchtemonitoring während der Nutzung.
Daran schließen sich konkrete Fragen an: Welche Bereiche wurden überwacht? Liegen durchgehende Messreihen vor? Gab es auffällige Werte? Und welche zusätzlichen Größen erfasst das nun angekündigte Dauermonitoring?
Die Projektbeschreibung beantwortet diese Fragen nicht. Sie rechtfertigt aber auch nicht die Vermutung, die Brücke sei bislang ohne Feuchteüberwachung betrieben worden. Für die weitere Aufklärung wären die Messdaten und ihre fachliche Bewertung besonders aufschlussreich.
Was der Fall über Holzbrücken aussagt
Der frühe Schaden verlangt eine belastbare Erklärung. Ein allgemeines Urteil über die Eignung von Holz als Brückenbaustoff lässt sich daraus bisher nicht ableiten. Dafür müssen Schadensursache, Konstruktion und Betriebsbedingungen des konkreten Bauwerks zusammen betrachtet werden.
Einen Überblick über unterschiedliche Bauweisen und ihre Anforderungen bietet unser Beitrag „Holzbrücken galten als Auslaufmodell, jetzt erleben sie ein Comeback“.
Für Thyrow bleibt vor allem die Frage, ob die bisherigen Eingriffe langfristig ausreichen. Antworten darauf müssen die weiteren Untersuchungen und die Überwachung liefern.
Quellen
- Infrastrukturministerium Brandenburg, 12.10.2026: Verkehrsfreigabe, ausgeführte Sicherung, Untersuchungsstand und Monitoring.
- Infrastrukturministerium Brandenburg, 02.09.2026: ursprüngliches Sicherungskonzept und Zeitplan.
- DEGES: Verkehrsfreigabe der Ortsumgehung Thyrow: Baugeschichte und Restarbeiten an der Grünbrücke.
- Schwesig Ingenieur: Projektbeschreibungen zur Grünbrücke Thyrow: Tragwerk, Schutzaufbau und Feuchtemonitoring.






























