
Erst verkantet sich eine bewegliche Fußgängerbrücke bei einem Funktionstest. Elf Wochen später rutscht ihr Mittelteil weiter ab und landet teilweise im Wasser. Die Probleme an der Pero’s Bridge im englischen Bristol waren schon länger bekannt. Jetzt soll ein Schwerlastponton die beschädigte Konstruktion bergen.
Die Pero’s Bridge im Zentrum von Bristol war seit August 2026 gesperrt. Ihr beweglicher Mittelteil hatte sich bei einem Funktionstest verformt und verkeilt. Seitdem stand er schief über dem Hafenbecken. Zusätzliche Seile und Gurte sollten verhindern, dass sich die Konstruktion weiter bewegt.
Doch am 31. Oktober, kurz vor 23 Uhr, rutschte das Brückenteil erneut ab. Ein Teil der Konstruktion geriet ins Wasser. Dabei wurde ein Hydraulikzylinder beschädigt, aus dem Öl ins Hafenbecken gelangte. Verletzt wurde niemand. Andrew Brown, Vorsitzender des Hafenausschusses von Bristol, bestätigte den Vorfall am 1. November gegenüber dem Nachrichtenportal Bristol24/7:
„Wir können bestätigen, dass sich der Mittelteil der Pero’s Bridge am Samstagabend kurz vor 23 Uhr aus seiner bisherigen Position verschoben hat. Dabei wurde der Hydraulikzylinder beschädigt, und ein kleiner Teil der Konstruktion befindet sich jetzt unter Wasser.“
Die Stadt beauftragte Umweltspezialisten, das ausgetretene Hydrauliköl zu beseitigen. Gleichzeitig mussten Ingenieure prüfen, ob die geplante Bergung unter den veränderten Bedingungen weiterhin möglich war.
Inhaltsverzeichnis
Wie funktioniert die bewegliche Brücke?
Die Pero’s Bridge wurde 1999 eröffnet. Sie verbindet Narrow Quay mit Bordeaux Quay im historischen Hafen von Bristol. Entworfen wurde sie von der irischen Künstlerin Eilis O’Connell gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Ove Arup & Partners. Die Fußgängerbrücke besteht aus drei Abschnitten. Die beiden äußeren Teile sind fest installiert, während sich das Mittelteil anheben lässt. Dadurch können größere Schiffe die Brücke passieren.
Technisch handelt es sich um eine hydraulisch betriebene Klappbrücke. Zwei auffällige, hornförmige Stahlkonstruktionen dienen als Gegengewichte für den beweglichen Abschnitt. Sie unterstützen das Anheben, indem sie das dafür benötigte Drehmoment verringern.
Am 13. August 2026 wurde der Hubmechanismus bei einem routinemäßigen Test überprüft. Dabei versagte die Konstruktion. Nach Angaben der Stadt Bristol verformte sich der bewegliche Abschnitt und verklemmte sich in teilweise angehobener Stellung. Wie stabil die beschädigte Konstruktion noch war, ließ sich zunächst nicht sicher bestimmen. Die Stadt sperrte deshalb sowohl den Fußgängerweg als auch die Schifffahrtsroute darunter.
Bereits 2025 wurden erhebliche Schäden festgestellt
Die Schwierigkeiten kamen nicht völlig überraschend. Schon bei einer Inspektion im Juli 2025 waren erhebliche Mängel festgestellt worden. Ein technischer Bericht vom Dezember 2025 beschrieb nach Recherchen des britischen Fachmagazins Construction Management unter anderem Rost, beschädigte Abdichtungen und Feuchtigkeit, die bis zu den Stahlbauteilen vordringen konnte.
Auch der bewegliche Mechanismus war betroffen. Der Bericht nannte schwergängige beziehungsweise festsitzende Lager sowie Korrosion und Feuchtigkeit an mechanischen Komponenten. Die Fachleute warnten ausdrücklich vor dem Risiko, dass der bewegliche Brückenteil stecken bleiben könnte.
Die wichtigsten Ereignisse im Überblick:
| Datum | Ereignis |
| Juli 2025 | Brückenprüfung stellt erhebliche Mängel fest |
| 13. August 2026 | Mittelteil verformt sich beim Testhub und verkeilt |
| 2. Oktober 2026 | Zusätzliche Seile und Gurte werden angebracht |
| 31. Oktober 2026 | Mittelteil rutscht erneut ab und gerät teilweise ins Wasser |
| Ab 9. November 2026 | Geplante Bergung der drei Brückenabschnitte |
Dass Schäden an Bauwerken nicht immer einfach zu erkennen und zu bewerten sind, zeigte auch der Einsturz der Carolabrücke in Dresden. Dort war allerdings ein anderer Schadensmechanismus verantwortlich: wasserstoffinduzierte Spannungsrisskorrosion im Spannstahl.
Warum rutschte die Brücke trotz zusätzlicher Sicherung ab?
Nach dem Testversagen im August blieb der Mittelteil wochenlang in seiner Schräglage. Ingenieure überwachten das Bauwerk und bereiteten die Demontage vor.
Anfang Oktober hatten die Fachleute weitere Bewegungen der beschädigten Konstruktion festgestellt. Deshalb wurden am 2. Oktober zusätzliche Sicherungen angebracht. Seile und verstärkte Hebegurte verbanden eines der hornförmigen Gegengewichte mit einem Festmachpunkt am Ufer. Diese Sicherung sollte verhindern, dass sich der Brückenteil vor der geplanten Bergung weiter verschiebt. Dennoch rutschte er am Abend des 31. Oktober erneut ab.
War Korrosion die Ursache?
Das lässt sich bislang nicht beantworten. Die Untersuchungen vor dem ersten Defekt hatten erhebliche Korrosionsschäden und Probleme an der Mechanik dokumentiert. Dass der bewegliche Abschnitt beim Test im August verkantete, ist ebenfalls belegt. Offen ist jedoch, welches Bauteil das ursprüngliche Versagen auslöste. Auch warum die Konstruktion im Oktober trotz der zusätzlichen Sicherungen weiter abrutschte, ist nicht geklärt.
Im September berichtete Bristol24/7, dass sich die Untersuchungen auf das hydraulische Hubsystem konzentrierten. Hohe Außentemperaturen am Tag des ersten Schadens waren bereits als Ursache ausgeschlossen worden. Eine technische Untersuchung muss deshalb zwei Ereignisse auseinanderhalten: das mechanische Versagen beim Testhub und das spätere Abrutschen des bereits beschädigten Mittelteils.
Schwerlastponton soll die drei Brückenteile bergen
Die Reparatur soll nicht unmittelbar im Hafen erfolgen. Stattdessen will die Stadt alle drei Brückenabschnitte demontieren und zur Werft Albion Dry Dock bringen. Dort sollen die Schäden beseitigt und das Bauwerk umfassend instand gesetzt werden. Den Auftrag für die Bergung erhielt das Spezialunternehmen KML Limited.
Nach einer offiziellen Mitteilung der Bristol Harbour Authority soll am 6. November ein Schwerlastponton mit einem begleitenden Schlepper eintreffen. Die eigentlichen Hebearbeiten sind für die Woche ab dem 9. November vorgesehen.
Für die Arbeiten gelten besondere Vorgaben:
- Die Hebevorgänge und der Transport sollen ausschließlich bei Tageslicht stattfinden.
- Während der Bergung kann der Schiffsverkehr zeitweise eingeschränkt werden.
- Die Brückenabschnitte sollen auf einem Ponton zur Werft transportiert werden.
Das beschädigte Mittelteil stellt dabei eine besondere Herausforderung dar. Es befindet sich nicht mehr in seiner ursprünglichen Position. Vor dem Anheben müssen die Fachleute seinen Zustand berücksichtigen und die Bergung entsprechend vorbereiten.
1,51 Mio. £ bewilligt, doch die Kosten könnten steigen
Schon vor dem ersten Defekt hatte die Stadt Mittel für die Instandsetzung vorgesehen. Im März 2026 genehmigte der zuständige Hafenausschuss 1,35 Mio. £. Im Juli kamen weitere 160.000 £ hinzu. Damit stehen insgesamt 1,51 Mio. £ zur Verfügung. Allerdings muss auch die ungeplante Bergung aus diesem Budget bezahlt werden. Die Stadt weist in ihren Vergabeunterlagen ausdrücklich darauf hin, dass dadurch weniger Geld für die eigentliche Reparatur verbleibt.
Ob die bewilligten Mittel ausreichen, steht noch nicht fest. Falls zusätzliche Kosten entstehen, müsste die Finanzierung erneut geprüft werden. In der Werft sollen neben den unmittelbaren Schäden auch die technischen Komponenten der Brücke instand gesetzt werden. Nach aktuellem Planungsstand soll das Bauwerk im Sommer 2027 wieder in den Hafen zurückkehren.
Hafenausschuss will den Vorfall untersuchen
Der erneute Schaden hat inzwischen auch eine politische Debatte ausgelöst. Am 12. November soll sich der Hafenausschuss der Stadt Bristol mit den Ereignissen rund um die Pero’s Bridge befassen. Dabei geht es unter anderem um den Umgang mit den bereits bekannten Mängeln und die Frage, warum die zusätzlichen Sicherungen das Abrutschen nicht verhindern konnten.
Jenny Bartle, stellvertretende Vorsitzende des städtischen Ausschusses für Wirtschaft und Qualifikation, forderte am 5. November gegenüber Bristol24/7 eine Aufarbeitung: „Der gesamte zeitliche Ablauf und die Ursache für das weitere Abrutschen ins Hafenbecken müssen untersucht werden.“
Ob die Sicherung technisch unzureichend war oder andere Faktoren das weitere Abrutschen verursacht haben, ist bislang nicht nachgewiesen. Als Nächstes steht die Bergung an. Ab dem 9. November sollen die Spezialisten die drei Brückenabschnitte ausheben und zur Werft transportieren. Drei Tage später befasst sich der Hafenausschuss mit der Vorgeschichte des Schadens.
Quellen
- Bristol City Council: Vergabeentscheidung zur Notbergung – Technische Vorgeschichte, Reparaturbudget und Bergungsauftrag.
- Bristol Harbour Authority: Notice 51/26 – Offizieller Ablauf der ab 9. November geplanten Bergung.
- Bristol Harbour: Aktualisierung zur Brückenreparatur – Transport zur Werft und geplante Rückkehr im Sommer 2027.
- Bristol24/7: Ölverlust und weitere Schäden – Bericht vom 1. November 2026 mit der Originalstellungnahme von Andrew Brown.
- Construction Management: Warnungen vor Rost und Korrosion – Fachbericht zu den bereits bekannten Mängeln.
- Bristol24/7: Politische Aufarbeitung des Brückenschadens – Bericht vom 5. November 2026 mit der Stellungnahme von Jenny Bartle.




























