Boeing 737: Warum plötzlich Hunderte Flugzeuge umgerüstet werden müssen
26. Oktober 2026

Bei einer harten Landung lösten sich mehrere Bildschirme aus der Kabinendecke einer Boeing 737. Obwohl die Belastung innerhalb der vorgeschriebenen Grenzen für die betreffenden Kabinenmodule lag, hielten die Befestigungen nicht stand. Jetzt schreibt die US-Luftfahrtbehörde FAA eine Nachrüstung vor. Allein in den USA sind 459 Flugzeuge betroffen. Auch die europäische Luftfahrtbehörde EASA hat die Anweisung übernommen.
Mehrere Bildschirme, die sich bei einer harten Landung aus ihren Halterungen lösen: Ein solcher Vorfall hat die US-Luftfahrtbehörde FAA auf den Plan gerufen. Am 19. Oktober 2026 veröffentlichte sie eine neue Lufttüchtigkeitsanweisung für bestimmte Boeing-737-Modelle. Die Fluggesellschaften müssen Kabinenmonitore austauschen, wenn diese nicht über eine zusätzliche mechanische Sicherung verfügen.
Die FAA nennt zwei mögliche Gefahren: Herabfallende Bildschirme könnten Passagiere verletzen. Bleiben sie dagegen in einer ungünstigen Höhe hängen, könnten sie bei einer Evakuierung den Weg versperren.
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Warum lösten sich die Monitore bei der Landung?
Die betroffenen Bildschirme sind in sogenannten Passenger Service Units (PSU) untergebracht. Das sind Versorgungseinheiten oberhalb der Passagiersitze. Dort befinden sich unter anderem Leselampen, Belüftungsdüsen und je nach Kabinenausstattung auch Videomonitore.
Bei der gemeldeten harten Landung lösten sich mehrere dieser Monitore aus ihren Befestigungsschienen. Ungewöhnlich daran: Die Belastung überschritt nach Angaben der FAA nicht die geltenden Notlastanforderungen für die PSU. Wie kann sich trotzdem ein Bildschirm lösen?
Eine mögliche Erklärung lieferte der Monitorhersteller Panasonic im Anhörungsverfahren zur neuen Vorschrift. Demnach können sich die Schienen der Versorgungseinheiten unter Belastung gegeneinander bewegen. Dadurch können Kräfte auf die daran befestigten Monitore wirken, die über deren zugelassene Notlandebelastungen hinausgehen.
Panasonic formulierte es in seiner Stellungnahme so: „[…] aufgrund von Relativbewegungen zwischen den PSU-Schienen, die Kräfte erzeugen, welche die zugelassenen Notlandebelastungen der daran befestigten Monitore überschreiten.“
Panasonic betonte außerdem, dass die eigenen Monitore die bestehenden Anforderungen erfüllten. Die zusätzliche Sicherung sei eine Verbesserung des ausfallsicheren Designs und keine Korrektur eines nachgewiesenen Mangels an den Monitoren selbst. Die FAA bestätigte, dass ihr keine entsprechenden Vorfälle mit Panasonic-Monitoren bekannt seien. An der Nachrüstung hielt die Behörde dennoch fest.
Ein zusätzliches Sicherungsseil soll Abstürze verhindern
Die Lösung ist vergleichsweise einfach: Jeder betroffene Monitor soll eine zweite mechanische Sicherung erhalten. Dieses sogenannte Secondary Retention Lanyard ist ein Sicherungsseil, das den Bildschirm zurückhält, falls seine eigentliche Befestigung versagt.
Dafür genügt es nicht in jedem Fall, lediglich einen neuen Monitor einzusetzen. Die von Boeing überarbeiteten Serviceunterlagen sehen teilweise auch zusätzliche Halterungen an den PSU-Schienen vor. Bei bestimmten Einbauvarianten müssen bereits bearbeitete Befestigungspunkte nochmals überprüft werden.
Boeing hatte entsprechende Serviceinformationen bereits im Dezember 2023 veröffentlicht. Im Juli 2025 wurden sie überarbeitet. Die FAA-Anweisung macht die erforderlichen Änderungen nun für die betroffenen Maschinen verbindlich.
Welche Boeing 737 müssen umgerüstet werden?
Die Vorschrift gilt für bestimmte Flugzeuge der Baureihen 737-600, 737-700, 737-700C, 737-800, 737-900 und 737-900ER, sofern sie mit den betreffenden deckenmontierten Monitoren ausgestattet sind.
Die neuere Boeing 737 MAX gehört nicht dazu. Sie stand zuletzt wegen anderer Sicherheitsfragen im Mittelpunkt. So berichtete ingenieur.de kürzlich über die Zulassung der Boeing 737 MAX 10 und die damit verbundenen technischen Verbesserungen.
Nach Schätzungen der FAA fallen 459 in den USA registrierte Maschinen unter die neue Anweisung. Davon sind 342 Flugzeuge den Boeing-Serviceunterlagen für Panasonic-Monitore zugeordnet und 62 den Unterlagen für Burrana-Monitore. Bei weiteren 55 Maschinen müssen die Betreiber die erforderlichen Maßnahmen über ein gesondert genehmigtes Verfahren umsetzen. Wie viele Flugzeuge weltweit betroffen sind, nennt die Behörde nicht.
Auch europäische Airlines müssen die Vorschrift beachten
Die neue Regelung ist nicht auf die USA beschränkt. Die europäische Luftfahrtbehörde EASA hat die FAA-Anweisung unter der Kennung US-2026-20-13 in ihr Lufttüchtigkeitsverzeichnis aufgenommen. Sie gilt im Rahmen des europäischen Übernahmeverfahrens als angenommen.
Damit ist die Nachrüstung auch für entsprechend ausgestattete Boeing 737 relevant, die unter europäischer Aufsicht betrieben werden. Wie viele Maschinen europäischer Fluggesellschaften betroffen sind, geht aus den veröffentlichten Unterlagen nicht hervor.
Bis wann müssen die Monitore ausgetauscht werden?
Die neue Lufttüchtigkeitsanweisung tritt am 23. November 2026 in Kraft. Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche betroffenen Flugzeuge bis zu diesem Datum umgerüstet sein müssen.
Für Maschinen, die unter die beiden Boeing-Serviceanweisungen fallen, gelten die dort festgelegten Nachrüstfristen. Bei anderen betroffenen Flugzeugen räumt die FAA den Betreibern 60 Monate nach Inkrafttreten ein. Bereits ordnungsgemäß ausgeführte Maßnahmen können unter bestimmten Voraussetzungen angerechnet werden.
Der Umbau verursacht erhebliche Kosten. Die FAA kalkuliert je nach Monitortyp mit 524 bis 2.904 US-Dollar pro Austausch einschließlich Arbeitszeit. Da sich in einem Flugzeug bis zu 30 entsprechende Bildschirme befinden können, summieren sich die geschätzten maximalen Kosten für die US-Flotte auf rund 15,6 Mio. US-Dollar.
Ob jeder betroffene Monitor tatsächlich ersetzt werden muss, hängt von seiner Ausstattung ab. Entscheidend ist, ob bereits eine geeignete zusätzliche Sicherung vorhanden ist.
Quellen
- FAA / Federal Register (19.10.2026): Airworthiness Directives; The Boeing Company Airplanes – AD 2026-20-13 – Originalverfügung mit technischen Hintergründen, Herstellerstellungnahmen, Kosten und Fristen.
- EASA (21.10.2026): US-2026-20-13 – Passenger Service Unit-Mounted Video Monitors – europäischer Eintrag zur übernommenen FAA-Anweisung.
- FAA: Regelungsverfahren FAA-2025-0004 – Verfahrensunterlagen und Stellungnahmen




























