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Jobwechsel nach 20 Jahren: Was LinkedIn erfahrenen Ingenieuren empfiehlt

26. Oktober 2026

Barbara Wittmann
Barbara Wittmann, Country Manager DACH bei LinkedIn und Leiterin des Geschäftsbereichs Talent Solutions, erklärt, warum Kompetenzen für die Karriere wichtiger werden und wie erfahrene Ingenieurinnen und Ingenieure neue berufliche Wege einschlagen können. Barbara Wittmann, LinkedIn Foto: Barbara Wittmann, LinkedIn | Foto: © Lisa Hantke
LinkedIn-Chefin Barbara Wittmann erklärt, warum Kompetenzen statt geradliniger Lebensläufe Karrierewechsel und berufliche Neustarts erleichtern.
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Der Arbeitsmarkt verändert sich, doch trotz Fachkräftemangels fällt vielen der Jobwechsel schwer. Barbara Wittmann, Country Manager DACH bei LinkedIn und Leiterin des Geschäftsbereichs Talent Solutions, erklärt, warum Unternehmen zunehmend auf Kompetenzen statt auf geradlinige Lebensläufe achten, wie KI die Jobsuche verändert und wie erfahrene Ingenieurinnen und Ingenieure ihre Fähigkeiten für neue Karrierewege nutzen können.

Inhaltsverzeichnis

Der Arbeitsmarkt verändert sich spürbar: Welche neuen Realitäten beobachten Sie aktuell bei LinkedIn – und was bedeutet das für Menschen, die ihren Arbeitsplatz wechseln oder sich beruflich neu orientieren wollen?

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Der Arbeitsmarkt befindet sich in einem grundlegenden Umbruch. Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz verändern Aufgaben und ganze Berufsbilder. Wir beobachten bei LinkedIn zwei Entwicklungen gleichzeitig: Unternehmen suchen in bestimmten Bereichen und Engpassberufen qualifizierte Fachkräfte und dennoch fällt es vielen Menschen schwer, einen passenden Job zu finden. Fachkräftebedarf bedeutet also nicht automatisch, dass ein Jobwechsel einfach gelingt. 

Seit 2015 hat sich bereits rund ein Viertel der relevanten Fähigkeiten für die meisten Rollen verändert. Das stellt klassische Karrierewege und Auswahlkriterien zunehmend infrage. Für Menschen, die sich beruflich neu orientieren möchten, wird es deshalb wichtiger, die eigenen Fähigkeiten zu kennen und offen für neue Wege zu bleiben. Denn Karrieren verlaufen heute nicht mehr zwangsläufig geradlinig. Der nächste Karriereschritt muss nicht immer nach oben führen. Manchmal eröffnet ein Wechsel in einen anderen Bereich neue Perspektiven.

Re-skilling wird immer wichtiger. Welche Kompetenzen gewinnen aus Ihrer Sicht gerade besonders an Bedeutung – und wo sehen Sie bei Beschäftigten noch die größten Lücken?

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Neben technischen KI-Kenntnissen wird es immer wichtiger, neue Technologien sinnvoll im eigenen Arbeitsbereich einzusetzen und mit bestehendem Fachwissen zu verbinden. In diesem Kontext gewinnen insbesondere menschliche Fähigkeiten wie kritisches Denken, Kommunikationsstärke und Urteilsvermögen an Bedeutung. Bei den technischen KI-Kenntnissen ist Deutschland bereits gut aufgestellt: Unter den fünf untersuchten Märkten unseres LinkedIn-AI-Skills-Reports weist Deutschland die höchste KI-Talentdichte auf, noch vor den USA, Indien oder Großbritannien. Interessanterweise zeigt sich insbesondere in der Fertigungsindustrie, dass das vorhandene Potenzial von Unternehmen bislang nicht ausgeschöpft wird.

Obwohl der Anteil an Beschäftigten mit KI-Kenntnissen in der Branche gestiegen ist, ist die Nachfrage der Unternehmen nach technischen KI-Kompetenzen zurückgegangen. Wir müssen deshalb in Deutschland besser darin werden,  vorhandene Fähigkeiten zu erkennen und gezielt zu nutzen. Wenn KI-Kompetenzen auch im Arbeitsalltag zum Einsatz kommen und in konkrete Anwendungen, effizientere Prozesse und neue Geschäftsmodelle einfließen, liegt hier aus meiner Sicht für die Fertigungsindustrie und auch den Mittelstand eine große Chance, ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

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Viele Ingenieurinnen und Ingenieure bringen jahrzehntelange Berufserfahrung mit, entsprechen aber nicht mehr exakt den Anforderungen einer neuen Stelle. Wie können sie ihre vorhandenen Kompetenzen so sichtbar machen, dass Unternehmen den Wert dieser Erfahrung erkennen?

Nach vielen Jahren im selben Beruf ist vieles, was man kann, so selbstverständlich geworden, dass man es gar nicht mehr als wertvolle Fähigkeit wahrnimmt. Meine Empfehlung ist es, hier ganz bewusst die Perspektive zu wechseln und die eigene Erfahrung aus Sicht eines potenziellen neuen Arbeitgebers zu betrachten. Welche meiner Fähigkeiten könnte ich in einem neuen Unternehmen auf welche Weise einbringen? In einer Bewerbung sollte entsprechend nicht nur stehen, welche Positionen jemand bisher hatte.

Wichtig ist auch, welche Fähigkeiten dahinterstecken, zum Beispiel komplexe Zusammenhänge zu verstehen, Probleme systematisch zu lösen oder technische Entscheidungen zu treffen. Diese Fähigkeiten sollten auch im LinkedIn-Profil sichtbar werden, idealerweise anhand konkreter Beispiele aus der bisherigen Berufspraxis. So wird Erfahrung auch für Unternehmen verständlich, die mit dem bisherigen Tätigkeitsfeld wenig vertraut sind. Mein Tipp: Gespräche und Austausch mit Menschen aus dem angestrebten Bereich können dabei helfen, diese Verbindungen zu erkennen und einem künftigen Arbeitgeber verständlich zu machen, warum die eigene Erfahrung auch dort wertvoll ist.

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Bewerbung und KI: Worauf Recruiter heute achten

Wie hat sich eine gute Bewerbung durch LinkedIn verändert? Reicht heute noch der klassische Lebenslauf – oder erwarten Recruiter inzwischen etwas anderes?

Der klassische, chronologische Lebenslauf mit einer reinen Auflistung der bisherigen beruflichen Stationen verliert an Bedeutung, weil sich Anforderungen und Jobprofile so schnell verändern. Ein Lebenslauf sollte heute zeigen, welche Kompetenzen und Erfahrungen jemand mitbringt. Ein LinkedIn-Profil ist in diesem Kontext deshalb so wertvoll, weil es zusätzlichen Raum bietet, um Projekte, Weiterbildungen und die eigene berufliche Entwicklung sichtbar zu machen. Außerdem können Recruiter dort auf passende Kandidaten aufmerksam werden, bevor diese sich überhaupt bewerben. Umso wichtiger ist es, das eigene Profil aktuell zu halten und relevante Kenntnisse und Erfahrungen regelmäßig zu ergänzen.
Ein guter Lebenslauf und ein aussagekräftiges LinkedIn-Profil ergänzen sich und beide vermitteln ein umfassendes Bild der beruflichen Qualifikationen und Erfahrungen.

KI verändert auch Bewerbungen: Wie erkennen Unternehmen inzwischen, ob ein Profil oder Anschreiben mit KI erstellt wurde? Und was macht eine Bewerbung trotz KI-Unterstützung glaubwürdig und persönlich?
Für Recruiter ist vor allem entscheidend, ob eine Bewerbung ein nachvollziehbares Bild des Bewerbers vermittelt. Wer nur allgemeine Stärken aufzählt, bleibt wenig greifbar. Glaubwürdiger wird eine Bewerbung durch persönliche Erfahrungen und konkrete Beispiele: Welche Projekte habe ich umgesetzt? Was habe ich dabei gelernt? Und was kann ich davon bei meinem neuen Arbeitgeber wie einbringen? KI kann eine sinnvolle Unterstützung sein, etwa um ein Anschreiben zu strukturieren oder Formulierungen zu verbessern. Die Inhalte und die persönliche Motivation sollten aber immer von den Bewerbenden selbst kommen.

Gleichzeitig bietet KI auch für Unternehmen einen echten Mehrwert im Bewerbungsprozess: Sie kann Recruitern helfen, über klassische Suchkriterien hinauszublicken und passende Talente anhand ihrer Fähigkeiten zu entdecken. In einer Umfrage von LinkedIn geben 45 % der befragten Recruiter an, dass KI ihnen hilft, Kandidaten zu finden, die sie sonst übersehen hätten. Dennoch wird die finale Entscheidung bei der Besetzung einer Stelle auch in Zeiten von KI  immer noch von Menschen getroffen.

LinkedIn für die Karriere: Netzwerken und Weiterbildung

LinkedIn ist längst mehr als eine digitale Visitenkarte. Welche Rolle spielt die Plattform heute bei beruflicher Neuorientierung, Weiterbildung und dem Aufbau eines neuen beruflichen Netzwerks?
LinkedIn verbindet berufliche Orientierung, Weiterbildung und Netzwerken an einem Ort. Wer sich neu orientieren möchte, kann Einblicke in andere Branchen gewinnen, die eigenen Fähigkeiten sichtbar machen und mit Menschen ins Gespräch kommen, die bereits in einem interessanten Berufsfeld arbeiten.

Auch die KI-gestützte Jobsuche kann auf passende Stellen aufmerksam machen, die man selbst vielleicht nicht im Blick hatte. Wenn für den nächsten Schritt noch Kenntnisse fehlen, bietet LinkedIn Learning Onlinekurse, um gezielt neue Fähigkeiten zu erlernen. Entscheidend ist dabei der regelmäßige Austausch: Kontakte frühzeitig knüpfen, Fragen stellen und in Verbindung bleiben – auch wenn gerade kein Jobwechsel ansteht. So kann LinkedIn die berufliche Entwicklung schon lange vor einer konkreten Bewerbung begleiten.

Gerade beim Re-skilling müssen Menschen häufig erst einmal zeigen, dass ihre bisherigen Erfahrungen auf ein neues Tätigkeitsfeld übertragbar sind. Welche Rolle spielen dabei Skills, Zertifikate und Empfehlungen auf LinkedIn?

Bei einer beruflichen Neuorientierung geht es nicht nur darum, neu erworbenes Wissen zu zeigen. Genauso wichtig ist es, deutlich zu machen, welche Fähigkeiten man aus früheren Stationen mitbringt und in neue Aufgaben einbringen kann. Auf LinkedIn können Mitglieder gezielt Skills hervorheben, die für das angestrebte Tätigkeitsfeld relevant sind – auch wenn sie diese in einem ganz anderen beruflichen Kontext erworben haben. Zertifikate dokumentieren zusätzliche Qualifikationen, während Empfehlungen aus dem beruflichen Netzwerk die eigenen Kompetenzen aus einer weiteren Perspektive bestätigen können. So wird deutlich, dass ein Wechsel in ein neues Tätigkeitsfeld nicht bedeutet, bei null anzufangen.

Lesen Sie auch: „Wir erleben eine ausgeprägte Dualität auf dem Arbeitsmarkt“: Warum der Fachkräftemangel trotz Stellenabbau bleibt

Kompetenzen statt Lebenslauf: Wie Unternehmen Talente finden

Welche Veränderungen beobachten Sie bei den Unternehmen: Suchen Arbeitgeber inzwischen stärker nach konkreten Kompetenzen statt nach geradlinigen Lebensläufen und klassischen Berufsbezeichnungen?

Ja, wir beobachten, dass Unternehmen bei der Personalsuche zunehmend auf die tatsächlichen Fähigkeiten von Bewerbenden achten, statt sich ausschließlich an Abschlüssen oder bisherigen Karrierestationen zu orientieren. Für Unternehmen lohnt sich dieser Perspektivwechsel: In Deutschland kann der Pool potenzieller Bewerbender bis zu sechsmal größer sein, wenn sie stärker auf Kompetenzen statt auf klassische Abschlüsse oder Karrierestationen achten. Gerade angesichts des Fachkräftebedarfs können Unternehmen so auch Talente erreichen, die bei einer Suche nach klassischen Berufsprofilen möglicherweise übersehen würden. Dazu kommt, dass sich Fähigkeiten schnell verändern und deshalb vergangene Abschlüsse nicht aussagekräftig sind.

Wenn Sie drei bis fünf Jahre nach vorn schauen: Welche Entwicklungen werden den Arbeitsmarkt besonders prägen – und welche Fähigkeiten sollten Beschäftigte heute aufbauen, wenn sie beruflich anschlussfähig bleiben wollen?

Welche konkreten Fähigkeiten in fünf Jahren gefragt sein werden, lässt sich heute nur schwer vorhersagen. Klar ist aber: Beschäftigte werden sich immer häufiger auf neue Aufgaben und Anforderungen einstellen müssen. Umso wichtiger werden Fähigkeiten, die sich unabhängig von einzelnen Berufen und Branchen einsetzen lassen. Dazu gehören insbesondere Anpassungsfähigkeit, Problemlösungskompetenz und die Bereitschaft, kontinuierlich dazuzulernen. Denn angesichts des technologischen Fortschritts reicht es nicht mehr aus, sich einmal Wissen anzueignen und darauf die gesamte Karriere aufzubauen.

Entscheidend wird sein, vorhandene Kompetenzen weiterzuentwickeln und auch in neuen beruflichen Zusammenhängen einsetzen zu können. Somit werden Neugierde und kontinuierliches Lernen wichtige Fähigkeiten für die Zukunft.

Beruflicher Neustart: Warum Erfahrung keine Sackgasse ist

Was würden Sie einer erfahrenen Ingenieurin oder einem erfahrenen Ingenieur sagen, die oder der nach 20 Jahren im selben Beruf über einen Wechsel nachdenkt, aber glaubt: „Für einen Neuanfang bin ich zu spezialisiert“?

Nach 20 Jahren im Beruf fängt man bei einem Wechsel nicht von vorn an. Im Gegenteil: Gerade langjährige Erfahrung bringt viele Fähigkeiten mit sich, die auch außerhalb des bisherigen Tätigkeitsfelds wertvoll sein können. Entscheidend ist deshalb, nicht nur auf die eigene Spezialisierung oder den bisherigen Jobtitel zu schauen, sondern darauf, welche Kompetenzen man tatsächlich mitbringt. Wer beispielsweise komplexe Projekte gesteuert, Probleme gelöst oder Teams geführt hat, kann diese Erfahrungen auch in anderen Bereichen einbringen.

Mein Rat wäre, sich bewusst zu machen, welche dieser Fähigkeiten auf neue Aufgaben übertragbar sind und wo man sich noch weiterentwickeln möchte. Ein Neuanfang bedeutet also, vorhandene Fähigkeiten in einem neuen Umfeld einzusetzen und gezielt weiterzuentwickeln. Lernbereitschaft und Offenheit für neue Technologien sind dafür besonders wichtig.  Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass Karrieren immer geradlinig verlaufen.

Ich erlebe immer wieder, dass Menschen ein LinkedIn-Profil erstellen und danach denken: Damit ist der erste Schritt bereits getan. Was gehört aus Ihrer Sicht tatsächlich dazu, auf LinkedIn sichtbar zu werden und das Netzwerk für die eigene berufliche Entwicklung zu nutzen?

Ein LinkedIn-Profil ist ein guter Anfang, aber ein berufliches Netzwerk entsteht nicht von allein. Wichtig ist, das Profil aktuell zu halten und die eigenen Fähigkeiten, Erfahrungen und beruflichen Interessen sichtbar zu machen. Genauso entscheidend ist es, aktiv mit anderen in den Austausch zu kommen. Dafür muss man nicht regelmäßig eigene Beiträge veröffentlichen. Oft reicht es schon, interessanten Experten und Unternehmen zu folgen, Beiträge zu kommentieren oder mit einer persönlichen Nachricht an ein gemeinsames Thema anzuknüpfen.

Dabei sollte es nicht darum gehen, möglichst viele Kontakte zu sammeln, sondern echte berufliche Beziehungen aufzubauen. Wer sich regelmäßig austauscht – virtuell, aber auch bei einem Kaffee oder gemeinsamen Mittagessen –, erhält neue Einblicke in andere Tätigkeitsfelder und entdeckt möglicherweise berufliche Chancen, die vorher nicht auf dem eigenen Radar waren. Deshalb lohnt es sich, das eigene Netzwerk kontinuierlich zu pflegen und nicht erst dann aktiv zu werden, wenn ein Jobwechsel geplant ist.

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