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Das „Ostsee-Dilemma“ – oder was wir vom Wal Timmy lernen können

06. Mai 2026

Wal mit Helferin im Wasser
Dem Buckelwal Timmy mussten andere helfen. Darauf sollte man sich im Berufsleben aber nicht verlassen. Foto: picture alliance/dpa | Philip Dulian
Das Schicksal des Wals Timmy bewegt die Menschen. Unsere Kolumnistin hat das zum Anlass genommen, sich Gedanken über die Parallele zwischen Timmy und unseren Karrieren zu machen.
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Der Buckelwal Timmy – ein beeindruckendes Tier, das sich in die seichte Ostsee verirrt hatte und dort festsaß – ein Medienphänomen, das Millionen Menschen und wohl auch Millionen Euro bewegt hat, in Zeiten der Sparpläne, Kürzungen und wirtschaftlichen Umbruchsituationen. Verrückt, aber vielleicht ein guter Moment, um mal zu überlegen, was man aus der Situation lernen kann. Um es mal als Frage zu formulieren: Wie viele fühlen sich gerade im Berufsleben, als würden sie wie Timmy auf einer Sandbank in viel zu flachem Gewässer feststecken?

Wenn man im falschen Habitat festsitzt

Ich nenne es das „Ostsee-Dilemma“ im Job: Man ist fachlich brillant, gut aufgestellt, um tief zu tauchen und weite Strecken zu schwimmen, verfügt über enorme Energie und Potenzial, aber man befindet sich im falschen Habitat – und zurzeit ist auch noch Ebbe, das heißt, viel Bewegungsspielraum gibt es aktuell nicht, um sich ein neues Wasser zu suchen. Die Ostsee war für Timmy auch die falsche Umgebung: zu flach, zu nahrungsarm, das falsche System.

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Wenn die Wassertiefe für die Ambitionen nicht reicht

Übertragen auf Ihre Karriereplanung bedeutet das: Sie können der talentierteste Jungingenieur sein – wenn Sie in einer Branche oder in einem Unternehmen feststecken, wo Sie ihre Stärken nicht nutzen können oder die „Wassertiefe“ für Ihre Ambitionen nicht ausreicht, werden Sie stranden, wenn Sie eigentlich das offene Meer brauchen.

Nicht auf externe Retter warten

Was können Sie tun? Sie können darauf warten, dass Sie gefunden werden, und darauf hoffen, dass Ihre Reserven bis dahin reichen und Sie gerettet werden. Auf Rettung warten? In der Karriereplanung ist das ein gefährliches Spiel. Sicherlich ist es sinnvoll, auch mal eine Ebbe durchzuhalten in der Hoffnung, dass die nächste Flut kommt und man wieder Fahrt aufnehmen kann. Wer aber nur darauf wartet, dass ein externer „Retter“ – sei es der Headhunter oder der Chef – plötzlich das verborgene Talent entdeckt und die Richtung korrigiert, verliert Zeit und Chancen.

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Suchen Sie Ihren eigenen „Atlantik“

Wahre Selbstwirksamkeit bedeutet, die Anzeichen für ein falsches Habitat frühzeitig zu erkennen und sich selbst in Richtung „Atlantik“ – also in ein passendes Arbeitsumfeld – zu bewegen, bevor die eigenen Reserven aufgebraucht sind.

Glaubenssätze wie „Ich muss durchhalten“, „Woanders ist es auch nicht besser“ oder „Aktuell geht nichts“ bestimmen, was wir für möglich halten.

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Wenn man merkt, dass man feststeckt, hat man immer zwei Optionen: love it or leave it.

Mein Rat: Analysieren Sie Ihr aktuelles Umfeld so präzise wie die Biologen ein Ökosystem. Bietet Ihr Job die nötige Tiefe für Ihre Entwicklung? Werden Ihre Kompetenzen genutzt oder sind Sie in einer zu flachen Bucht? Die Welt und der Arbeitsmarkt sind größer, als man in der Krisenstimmung oft denkt.

Warten Sie nicht in zu flachem Wasser auf den Retter. Manchmal ist der Atlantik gar nicht so weit weg, auch wenn der Seegang ruppig ist.



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