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Bau

41 t Marmor für ein 2300 Jahre altes Theater auf Thassos

02. September 2026

Blick über den teilweise restaurierten Zuschauerraum des antiken Theaters von Thassos auf die Ägäis
Blick über den teilweise restaurierten Zuschauerraum des antiken Theaters von Thassos auf die Ägäis. Neue Marmorelemente ergänzen die erhaltene historische Bausubstanz. Foto: Smarterpix / alexfa92
41 t Marmor, gescannte Bruchkanten und ein schwieriger Baugrund: So restauriert Griechenland das rund 2300 Jahre alte Theater von Thassos.
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Hoch über Limenas, dem Hauptort der griechischen Insel Thassos, liegt ein Theater, an dem seit mehr als zwei Jahrtausenden gebaut, verändert und repariert wird. Griechen errichteten hier eine monumentale Spielstätte. In römischer Zeit wurde die Orchestra zur Arena für Tierhetzen und Gladiatorenkämpfe. Jahrhunderte später verfiel das Bauwerk.

Heute stehen wieder Steinmetze, Archäologen und Bauleute auf der Anlage. Am 31. August 2026 veröffentlichte die zuständige Altertümerbehörde in Kavala eine neue Ausschreibung. Gesucht wird ein Unternehmen, das Marmor für die Rekonstruktion des Proskenions liefert – des vorderen Bereichs des antiken Bühnengebäudes.

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Inhaltsverzeichnis

55 neue Steine für die antike Bühne

Für die Restaurierung werden insgesamt 14,51 m³ Marmor benötigt. Daraus sollen 55 neue Bauteile mit einem Gesamtgewicht von rund 41 t entstehen.

19 Stück sind vergleichsweise einfache Quader. Bei den übrigen handelt es sich unter anderem um Säulen, Kapitelle, Balken und weitere profilierte Elemente. Sie sollen fehlende Teile der antiken Architektur ersetzen oder erhaltene Fragmente ergänzen.

Gerade dabei ist Präzision gefragt. Wenn ein neues Marmorteil direkt an ein antikes Fragment anschließen soll, wird zunächst die vorhandene Bruchfläche gescannt. Anschließend lässt sich das neue Bauteil so bearbeiten, dass es möglichst genau an das Original passt. Das Scannen der historischen Vorlagen ist deshalb ausdrücklich Teil des Auftrags.

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Für Bearbeitung und Lieferung sind bis zu 16 Monate vorgesehen. Möglich sind bis zu fünf Teillieferungen im Abstand von jeweils etwa drei Monaten. Der geschätzte Auftragswert liegt bei 114.516,13 € netto beziehungsweise 142.000 € einschließlich Mehrwertsteuer.

Der neue Marmor kommt wieder von Thassos

Auch der Stein ist genau vorgegeben. Verwendet werden soll weißer kalzitischer Marmor von Thassos vom Typ „Krystallina“. Die Blöcke müssen von hoher Qualität sein und dürfen keine relevanten Risse, geologischen Fehlstellen oder deutlichen Farbabweichungen aufweisen.

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Damit greift die Restaurierung auf das Material zurück, das schon die antiken Baumeister verwendeten. Untersuchungen zweier Proben aus dem Proskenion ergaben nach den Ausschreibungsunterlagen einen weißen bis halbweißen kalzitischen Marmor mit mehr als 93 % Calcit. Auch bei der vorangegangenen Restaurierung des Zuschauerraums kam deshalb thassischer Marmor zum Einsatz.

Die Verbindung von altem und neuem Material gehört zu den schwierigsten Aufgaben bei solchen Arbeiten. Einerseits müssen neue Bauteile geometrisch und konstruktiv funktionieren, andererseits soll möglichst viel Originalsubstanz erhalten bleiben.

Dass antike Bauwerke trotz ihres Alters noch immer technisch untersucht werden, ist kein Einzelfall. Bei anderen römischen Bauwerken beschäftigen sich Forschende beispielsweise mit der außergewöhnlichen Haltbarkeit der Baustoffe. ingenieur.de hat unter anderem untersucht, warum römischer Beton so dauerhaft sein kann.

Zuerst musste der Untergrund untersucht werden

Auf Thassos ging es bei der Restaurierung allerdings nicht nur um Marmor. Bevor größere Teile des Zuschauerraums wieder aufgebaut werden konnten, rückte auch der Baugrund in den Fokus.

Im Zuge einer früheren Projektphase wurde eine Untersuchung zur Tragfähigkeit des Untergrunds angefertigt. Das griechische Zentrale Archäologische Konzil genehmigte sie im Juni 2020. Anschließend wurden Maßnahmen umgesetzt, um die Tragfähigkeit in betroffenen Bereichen zu verbessern. Danach konnten Unterbauten hergestellt und Marmorsitze eingesetzt werden.

Auch an anderer Stelle zeigte sich, dass die Ruine nicht überall stabil war. Am westlichen Zugang hatte sich eine Mauer deutlich geneigt. Für ihre Sicherung wurden eine geotechnische und eine statische Untersuchung in Auftrag gegeben. Ziel war es, möglichst viel des erhaltenen antiken Mauerwerks mit vorhandenem Originalmaterial wiederherzustellen.

Das macht die Restaurierung zu mehr als einer archäologischen Rekonstruktion. Fundament, Untergrund, Entwässerung und Tragfähigkeit müssen mitgedacht werden, wenn das mehr als 2000 Jahre alte Bauwerk wieder dauerhaft und sicher genutzt werden soll.

Frühere Restaurierungen wurden selbst zum Problem

Nicht alle Schäden entstanden in der Antike oder durch Verwitterung. Einige gehen auf Restaurierungen des 20. Jahrhunderts zurück.

1957 begannen Arbeiten, um das Theater wieder für Veranstaltungen nutzen zu können. Fehlende Marmorsitze wurden damals teilweise mit Holz ergänzt. Die ersten fünf Sitzreihen wurden nach Angaben der Fachorganisation Diazoma recht frei rekonstruiert. Später kamen unter anderem Eisenkonstruktionen und Beton zum Einsatz.

Auf Dauer funktionierte diese Lösung nicht. Holz verrottete, Baumwurzeln beschädigten die Anlage und Teile der früheren Einbauten mussten wieder entfernt werden. Bei der jüngeren Restaurierung bauten die Fachleute deshalb Eisenkonstruktionen und Betonreste aus dem Zuschauerraum zurück. Verstreute antike Bauteile wurden erfasst und nach Möglichkeit wieder zugeordnet.

Das zeigt ein grundsätzliches Problem im Denkmalschutz: Eine Reparatur kann Jahrzehnte später selbst zum Sanierungsfall werden. Materialien und Konstruktionen müssen deshalb nicht nur kurzfristig halten, sondern mit der historischen Substanz verträglich sein.

Wer sich grundsätzlich für den Umgang mit alter Bausubstanz interessiert, findet bei ingenieur.de auch einen Überblick zur Restaurierung und Renovierung historischer Gebäude.

Wie alt ist das Theater von Thassos?

Ganz eindeutig lässt sich das Alter des Theaters nicht angeben. Hippokrates erwähnte bereits im 5. Jh. v. Chr. ein Theater auf Thassos. Ob damit allerdings eine Anlage an der heutigen Stelle gemeint war, ist nicht geklärt.

Unter dem späteren Proskenion wurde eine ältere, sorgfältig aus Marmorblöcken errichtete Stützmauer entdeckt. Sie könnte zu einem Vorgängerbau gehört haben, der Zusammenhang ist aber nicht gesichert.

Die älteste sicher fassbare Bauphase des heutigen Theaters wird in das späte 4. beziehungsweise frühe 3. Jh. v. Chr. datiert. Damit ist die Anlage ungefähr 2300 Jahre alt. Der Zuschauerraum nutzte die natürliche Hanglage der Akropolis oberhalb der antiken Stadt.

Zum hellenistischen Bühnenbau gehörte ein aufwendig gestaltetes Proskenion mit zwölf dorischen Säulen zwischen zwei Pfeilern. Aussparungen an den Säulen könnten dazu gedient haben, wechselnde Bühnendekorationen zu befestigen.

Die Römer bauten das Theater zur Arena um

Mit der römischen Herrschaft änderte sich das Programm und damit auch das Bauwerk. Ab dem 1. Jh. n. Chr. fanden dort Tierhetzen und Gladiatorenkämpfe statt. Die Orchestra wurde dafür zur Arena umgebaut.

Für diese Nutzung musste der Bereich stärker vom Publikum getrennt werden. Die seitlichen Zugänge erhielten massive Tore. Noch vor 140 n. Chr. entstand rund um die Arena eine Marmorbrüstung mit einem darauf befestigten Metallgeländer. Sie sollte die Zuschauer vor Tieren und Kämpfern schützen.

Der römische Zuschauerraum erhielt zudem eine stärkere Neigung, wodurch sich die Sicht auf das Geschehen in der Arena verbesserte. Zahlreiche Marmorsitze tragen eingemeißelte Namen. Offenbar waren zumindest einige Plätze bestimmten Personen oder Familien zugeordnet.

Wie ausgefeilt die römische Technik für große Arenen später wurde, zeigt besonders das Kolosseum. Dort kamen unter anderem Aufzüge und komplexe Einrichtungen unterhalb der Arena zum Einsatz. ingenieur.de beschreibt die Technik ausführlich im Beitrag über die Konstruktion des Kolosseums.

Gladiatoren hinterließen Spuren am Bühnengebäude

Mit den Kämpfen änderte sich auch die Ausstattung des Theaters von Thassos. Reliefs am Bühnengebäude zeigen unter anderem Dionysos, einen thrakischen Reiter und den Kriegsgott Ares.

Mehrere Darstellungen der Göttin Nemesis werden mit Gladiatoren in Verbindung gebracht. Eine davon trägt den Namen Eumerios, Sohn des Dionysios. Die Forschung hält ihn wahrscheinlich für einen Gladiator.

Nach Aufgabe des Theaters wandelte sich das Gelände erneut. Archäologische Untersuchungen fanden dort später frühbyzantinische Gräber. Damit reicht die belegte Nutzung vom Theater über die römische Arena bis zum Bestattungsplatz.

3,5 Mio. € für den Zuschauerraum

Die jüngere Restaurierung läuft bereits seit Jahren. Für eine größere Projektphase im Rahmen des Förderprogramms 2014 bis 2020 standen 3,5 Mio. € zur Verfügung. Neben dem Rückbau älterer Einbauten und der Untersuchung des Untergrunds wurden Versorgungsnetze erneuert, Unterbauten hergestellt und Marmorsitze wieder eingesetzt.

2025 kündigte die Region Ostmakedonien und Thrakien weitere 2,5 Mio. € für die Fortsetzung der Arbeiten an. Finanziert wird das Projekt mit EU-Mitteln aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Zur aktuellen Phase gehören unter anderem weitere Arbeiten an Marmorsitzen, Treppen und Orchestra sowie die Rekonstruktion des Proskenions aus alten und neuen Architekturteilen. Hinzu kommen Verbesserungen an Wegen, Beleuchtung, Brandschutz und Barrierefreiheit.

Nach 14 Jahren kehrte das Theater zurück

Dass die Anlage nicht nur als Ruine erhalten werden soll, zeigte sich im Sommer 2025. Am 26. Juli gastierte dort das griechische Nationaltheater mit der Produktion Fragments: Euripides. Die Region bezeichnete 2025 als Rückkehr des Theaterbetriebs nach 14 Jahren Unterbrechung.

Vollständig abgeschlossen sind die Arbeiten trotzdem nicht. Ende August 2026 wurde sogar noch ein Vertrag über neue Schneidscheiben für eine Steinbearbeitungsmaschine im Rahmen des Restaurierungsprojekts veröffentlicht. Wenige Tage später folgte die große Ausschreibung für den Marmor des Proskenions.

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