Neue Luegbrücke am Brenner: 65 m hohe Pfeiler wachsen in einen rutschenden Hang
05. November 2026

An der Brennerautobahn in Tirol wird die fast 2 km lange Luegbrücke ersetzt. Für das erste neue Tragwerk wachsen Dutzende Pfeiler mit Höhen von bis zu 65 m in den Hang. Die steile Hanglage und die schwierigen geologischen Verhältnisse stellen hohe Anforderungen an die Bauausführung.
Zum Einsatz kommen spezielle Rahmen- und Kletterschalungen, die mit den Pfeilern Stück für Stück in die Höhe wandern. Für die massiven Pfeilerköpfe entwickelte der zuständige Schalungsanbieter eine eigene Konstruktion. Sensoren im Beton helfen zudem dabei, den richtigen Zeitpunkt zum Ausschalen zu bestimmen.
Inhaltsverzeichnis
Zwei neue Tragwerke für die Brennerautobahn
Die Luegbrücke auf der A13 bei Gries am Brenner hat nach mehr als 55 Jahren das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht. Mit rund 1800 m ist sie die längste Brücke der Brennerautobahn. Im Schnitt fahren täglich etwa 32.000 Fahrzeuge darüber.
Seit März 2025 läuft der Ersatzneubau. Statt eines durchgehenden Bauwerks entstehen zwei getrennte Verbundtragwerke aus Stahl und Beton. Sie sind jeweils rund 15,5 m breit und haben Spannweiten von etwa 36 m. Jedes Tragwerk ist für eine Fahrtrichtung gebaut. Über den Fluss Sill führt ein rund 110 m langes Teilstück.
Zuerst entsteht talseitig das erste Tragwerk, auf das der Verkehr Ende 2027 wechseln soll. Danach wird die alte Brücke abgebrochen und durch das zweite Tragwerk ersetzt.
Steiler Hang, tiefe Baugruben
Die Brücke steht in steilem Hanggelände mit komplexer Geologie. Im südlichen Bereich bewegt sich der Padauner Berg. Das müssen die Planer berücksichtigen, weil die Hangbewegungen beeinflussen, wie die Brückenpfeiler gegründet und gebaut werden können.
Hinzu kommt, dass direkt neben der alten Brücke tiefe Baugruben ausgehoben werden. Dabei müssen die Bauverantwortlichen darauf achten, dass das bestehende Bauwerk während der gesamten Bauzeit stabil bleibt.

46 Pfeiler wachsen mit Kletterschalung in die Höhe
Nach Angaben des zuständigen Schalungsanbieters Doka braucht das erste Tragwerk 46 Pfeiler mit Höhen von bis zu 65 m. Für die Schäfte liefert Doka die Rahmenschalung Framax Xlife und die Kletterschalung MF240.
Schalung und Arbeitsbühne werden gemeinsam per Kran in die nächste Betonierposition gehoben. Die Bühne ist rundum geschlossen und 2,40 m breit. Darauf haben die Beschäftigten Platz zum Schalen, Bewehren und Betonieren. Über Treppentürme gelangen sie sicher auf die Arbeitsbühne.
So wachsen die Pfeiler Stück für Stück nach oben. Der Beton wird eingebracht und erhärtet, dann wird die Schalung gelöst und eine Position höher gesetzt. Das wiederkehrende Verfahren ermöglicht einen weitgehend standardisierten Bauablauf, obwohl die Pfeiler unterschiedliche Höhen erreichen.
„Dieses Projekt verlangt eine Lösung, die unter schwierigen Bedingungen präzise funktioniert: in großer Höhe, in steilem Gelände und mit hohen Anforderungen an die Betonoberfläche“, sagt Harald Zulehner, Geschäftsführer von Doka Österreich.
Sonderlösung für die Pfeilerköpfe
Die Pfeilerköpfe sind rund 6 m hoch und bis zu 9,3 m lang. Für sie hat Doka eine projektspezifische Lösung aus Sperrenschalung D22 und Framax Xlife entwickelt.
An der Stirnseite kommt ein Universal-Abstützbock zum Einsatz. Er dient als Arbeitsbühne und Traggerüst und leitet die Lasten aus dem Pfeilerkopf ab. Da die Brennerautobahn frei und hoch im Gelände liegt, schützt er die Schalung zusätzlich davor, bei starkem Wind ins Wanken zu geraten.
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Die Pfeiler sollen eine gleichmäßige Sichtbetonoberfläche bekommen. Speziell gefertigte Schalungselemente schließen an den Übergängen passgenau an und sollen Unregelmäßigkeiten im Betonbild verringern.
Sensoren zeigen, wann der Beton fest genug ist
Auf der Baustelle läuft das Betonmonitoring Concremote. Sensoren messen die Temperatur im frischen Beton, und mit einer zuvor ermittelten Kalibrierung lässt sich daraus die Druckfestigkeit abschätzen.
Die Messwerte stehen den Verantwortlichen digital zur Verfügung. Sie helfen dabei, den Zeitpunkt für das Ausschalen und Umsetzen der Schalung anhand der tatsächlichen Festigkeitsentwicklung festzulegen.

14 Kräne, 250 Beschäftigte und laufender Verkehr
Nach Angaben des ORF sind rund 250 Beschäftigte und 14 Kräne im Einsatz. Die Krankabinen liegen teils in rund 100 m Höhe und sind nur zu Fuß erreichbar. Die Kräne bleiben stehen, bis auch das zweite, bergseitige Tragwerk gebaut ist.
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Der Verkehr rollt derweil über die alte Brücke. Zu ihrer Entlastung ist die Strecke seit Januar 2025 grundsätzlich nur einspurig je Richtung befahrbar. An starken Verkehrstagen richtet die österreichische Autobahnen- und Schnellstraßen-Finanzierungs-Aktiengesellschaft (ASFINAG) zeitweise zwei Spuren ein, schwere Fahrzeuge fahren dann links, damit die Brücke möglichst mittig belastet wird.
Bauarbeiten an der Brennerautobahn liegen im Zeitplan
Die Arbeiten liegen laut ASFINAG im Zeitplan. Mitte Oktober 2026 waren nach Angaben von Projektleiter Andreas Färber mehr als 40 Brückenstützen betoniert. An den Tragwerken 1 bis 4 waren bereits alle Stützen fertiggestellt, bei zwei Teiltragwerken auch die Fahrbahnplatten. Alle Pfeiler sollten laut Doka noch in diesem Herbst stehen.

Das Gesamtprojekt soll Ende 2030 abgeschlossen sein. Die Arbeitsgemeinschaft aus Porr und Strabag hat dafür einen Auftrag über rund 217 Mio. € erhalten. Die ASFINAG rechnet mit Gesamtkosten von etwa 380 Mio. €.
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