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NASA-Teleskop stürzt zur Erde: 30-Millionen-Dollar-Rettung gescheitert

01. November 2026

Illustration des NASA-Weltraumteleskops Swift mit zwei großen Solarpaneelen vor der Erde. Das Observatorium steht kurz vor dem Wiedereintritt in die Atmosphäre.
Fast 22 Jahre lang kreiste das NASA-Weltraumteleskop Swift um die Erde. Eine Rettungsmission sollte seine Umlaufbahn anheben, scheiterte jedoch an technischen Problemen. Nun steht das Observatorium kurz vor dem Wiedereintritt in die Atmosphäre. (Illustration: Katalyst Space) Foto: Katalyst Space
NASA-Teleskop Swift steht vor dem Wiedereintritt. Ein 30-Mio.-$-Rettungsversuch scheiterte an technischen Problemen. Was jetzt passiert.
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Fast 22 Jahre lang beobachtete das NASA-Weltraumteleskop Swift gewaltige Explosionen im Universum. Jetzt steht es kurz vor dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Ein Robotersatellit sollte das Observatorium retten, geriet aber selbst in Schwierigkeiten. Die 30 Mio. $ teure Mission scheiterte. Nach aktuellen Berechnungen könnte Swift bereits Anfang November abstürzen.

Ein Robotersatellit mit drei Greifarmen sollte das NASA-Teleskop Swift einfangen und in eine höhere Umlaufbahn bringen. Doch kurz nach dem Start versagte ein Teil seiner Lageregelung. Der Satellit begann sich unkontrolliert zu drehen. Obwohl die Ingenieure ihn teilweise wieder stabilisieren konnten, war an das geplante Greifmanöver nicht mehr zu denken.

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Inzwischen ist der Retter selbst verglüht. Swift kreist dagegen noch um die Erde, verliert aber ständig an Höhe. Am 20. Oktober beendete die NASA nach fast 22 Jahren die wissenschaftlichen Beobachtungen. Nun ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das rund 1,5 t schwere Teleskop in die Atmosphäre eintritt.

Wann stürzt das NASA-Teleskop Swift ab?

Die Aerospace Corporation rechnet mit einem Wiedereintritt um den 4. November 2026 gegen 10:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Die Prognose basiert auf Bahndaten vom 30. Oktober und hat noch ein Unsicherheitsfenster von 26 Stunden in beide Richtungen.

Die US Space Force kommt nach Angaben der Nachrichtenagentur Associated Press auf einen etwas späteren Termin. Sie erwartet den Wiedereintritt ungefähr am Freitag, dem 6. November.

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Solche Berechnungen sind mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Schon kleine Veränderungen der Luftdichte in mehreren Hundert Kilometern Höhe beeinflussen, wie schnell ein Satellit abgebremst wird. Deshalb können sich die vorhergesagten Zeitpunkte mit neuen Messdaten verschieben.

Was geschieht, wenn Swift die dichteren Schichten der Atmosphäre erreicht? Der größte Teil des Teleskops dürfte durch die starke Erhitzung zerstört werden. Einzelne Bauteile könnten den Wiedereintritt allerdings überstehen.

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Der NASA-Wissenschaftler S. Bradley Cenko nannte gegenüber Associated Press Komponenten aus dem besonders dichten Metall Wolfram sowie Teile der Teleskopspiegel. Wo solche Trümmer gegebenenfalls niedergehen, lässt sich noch nicht bestimmen. Ein Einschlag im Meer gilt als wahrscheinlicher als an Land.

Warum Satelliten beim Wiedereintritt häufig auseinanderbrechen und weshalb manche Bauteile die Erde trotzdem erreichen, erklärt auch unser Beitrag über Weltraumschrott und seine Gefahren.

Warum verliert Swift seine Umlaufbahn?

Swift wurde am 20. November 2004 gestartet und zunächst in einer Höhe von etwa 600 km ausgesetzt. Dort herrscht zwar nahezu Vakuum, völlig leer ist der Raum aber nicht. Einzelne Teilchen der oberen Erdatmosphäre bremsen Satelliten kontinuierlich ab. Dadurch verlieren sie nach und nach an Höhe.

In den vergangenen Jahren verstärkte die erhöhte Sonnenaktivität diesen Effekt. Die Sonnenstrahlung erwärmt die obere Atmosphäre, die sich daraufhin ausdehnt. In der Höhe von Swift befinden sich dadurch mehr Teilchen, die den Satelliten abbremsen.

Das Problem: Swift besitzt keinen eigenen Antrieb, mit dem es seine Umlaufbahn wieder anheben könnte. Genau deshalb sollte im vergangenen Sommer ein zweiter Satellit zu Hilfe kommen.

Die NASA versuchte bis dahin, den Höhenverlust möglichst gering zu halten. Ab Dezember 2025 richtete das Kontrollteam Swift zunehmend so aus, dass die Bremswirkung der Atmosphäre abnahm. Dafür verzichtete es zeitweise auf wissenschaftliche Beobachtungen.

Die Maßnahmen verschafften der geplanten Rettungsmission zusätzliche Zeit. Sie konnten den Höhenverlust aber nicht dauerhaft aufhalten.

Drei Roboterarme sollten Swift retten

Im September 2025 vergab die NASA einen Auftrag über 30 Mio. $ an das amerikanische Unternehmen Katalyst Space. Die Aufgabe war anspruchsvoll: Innerhalb weniger Monate sollte ein Satellit entwickelt, gebaut und gestartet werden, der Swift im Orbit greifen und in eine höhere Umlaufbahn bringen konnte.

Katalyst benötigte von der Auftragsvergabe bis zum Start nur neun Monate. Am 3. Juli 2026 brachte eine Pegasus-XL-Rakete den Rettungssatelliten LINK ins All.

Der Plan sah vor, dass LINK sich vorsichtig Swift nähert, seine Bewegung an die des Teleskops anpasst und es anschließend mit einem seiner drei Roboterarme erfasst. Danach sollten die Triebwerke von LINK die gemeinsame Umlaufbahn anheben.

Ein besonderes Problem war, dass Swift ursprünglich gar nicht für solche Wartungsarbeiten konstruiert worden war. Es besaß keine dafür vorgesehene standardisierte Andockschnittstelle. Der Roboter musste daher eine geeignete Struktur am Teleskop greifen, ohne empfindliche Bauteile zu beschädigen.

Wie die Rettung ursprünglich funktionieren sollte, haben wir bereits im Juli im Beitrag „So will die Nasa ihr wertvolles Observatorium vor dem Absturz bewahren“ beschrieben.

Warum scheiterte die 30-Millionen-Dollar-Rettung?

Schon während der Inbetriebnahme im All traten bei LINK erhebliche Probleme auf. Eine Störung im elektrischen Energieversorgungssystem führte dazu, dass zwei seiner drei Reaktionsräder nicht mehr zur Verfügung standen.

Diese elektrisch angetriebenen Schwungräder sorgen dafür, dass sich ein Satellit präzise ausrichten kann. Wird ein Rad beschleunigt oder abgebremst, dreht sich das Raumfahrzeug aufgrund der Drehimpulserhaltung in die entgegengesetzte Richtung.

Ohne zwei seiner drei Räder verlor LINK einen großen Teil seiner Fähigkeit zur kontrollierten Ausrichtung. Der Satellit geriet in eine Drehbewegung um mehrere Achsen, bei der zunächst Winkelgeschwindigkeiten von bis zu 9° pro Sekunde auftraten. Auch die Funkverbindung zur Erde war zeitweise gestört.

Die Ingenieure versuchten, das Raumfahrzeug wieder unter Kontrolle zu bringen. Dabei nutzten sie unter anderem die elektrischen Triebwerke, um die Drehbewegung zu verlangsamen. Mit angepasster Steuerungssoftware und dem verbliebenen Reaktionsrad gelang schließlich eine eingeschränkte Stabilisierung.

Die wichtigsten Daten der Rettungsmission:

Ereignis Datum oder Ergebnis
NASA vergibt den Auftrag September 2025
Start des Rettungssatelliten LINK 3. Juli 2026
Störung der Lageregelung Zwei von drei Reaktionsrädern nicht verfügbar
NASA sagt das Greifmanöver ab 19. August 2026
Wiedereintritt von LINK 25. September 2026
Letzte wissenschaftliche Beobachtung von Swift 20. Oktober 2026

Die wiedergewonnene Kontrolle reichte nicht aus, um sich Swift sicher zu nähern und es einzufangen. Am 19. August gaben NASA und Katalyst bekannt, dass die geplante Bahnanhebung nicht stattfinden würde.

Der Rettungssatellit stürzte zuerst ab

Ganz ohne technische Ergebnisse endete der LINK-Einsatz nicht. Der Satellit konnte seine Roboterarme und sein Antriebssystem erproben. Bei einem Annäherungsmanöver passierte er Swift in einem Abstand von etwa 12 bis 15 km und fotografierte das Observatorium.

Am 25. September trat LINK nach 85 Tagen im Orbit wieder in die Erdatmosphäre ein.

Die NASA betrachtet die Mission deshalb nicht ausschließlich als gescheiterten Rettungsversuch, sondern auch als Erprobung neuer Verfahren für die Wartung von Satelliten.

„From the beginning, this was a high-risk, high-reward mission“, erklärte Shawn Domagal-Goldman, Leiter der Astrophysik-Abteilung der NASA, in einer Mitteilung vom 28. September 2026.

Das Projekt war also von Beginn an mit hohen Risiken verbunden. Die gewonnenen Erfahrungen sollen nun bei künftigen Missionen helfen, Satelliten im Weltraum zu warten oder ihre Lebensdauer zu verlängern. Ob die dabei erprobten Verfahren künftig erfolgreich eingesetzt werden können, ist damit noch nicht bewiesen.

Swift lieferte fast 22 Jahre lang wichtige Daten

Nach dem Abbruch der Rettungsmission nahm Swift Ende August seine wissenschaftlichen Beobachtungen wieder auf. Im September wurde auch die automatische Ausrichtung auf neu entdeckte Strahlungsausbrüche reaktiviert.

Das Teleskop untersuchte noch mehrere Hundert astronomische Ziele. Der normale Beobachtungsbetrieb erhöhte allerdings auch wieder den Luftwiderstand. Am 20. Oktober war Swift auf eine Bahnhöhe von nur noch rund 275 km abgesunken. Eine ausreichend stabile Ausrichtung auf seine Beobachtungsziele war nicht mehr möglich. Das Teleskop wechselte in den Sicherheitsmodus, anschließend beendete das Kontrollteam den Betrieb.

Damit ging eine außergewöhnlich erfolgreiche Mission zu Ende. Ursprünglich war Swift nur für zwei Jahre ausgelegt gewesen. Tatsächlich arbeitete das Observatorium fast 22 Jahre.

Seine wichtigste Aufgabe bestand darin, Gammastrahlenausbrüche aufzuspüren. Dabei handelt es sich um extrem energiereiche Ereignisse, die unter anderem beim Kollaps massereicher Sterne oder bei der Verschmelzung von Neutronensternen entstehen können.

Swift konnte solche Ausbrüche erkennen, ihre Position bestimmen und seine Teleskope innerhalb von ungefähr einer Minute auf die entsprechende Himmelsregion ausrichten. Gleichzeitig informierte es andere Observatorien, die anschließend weitere Messungen durchführen konnten.

Wie ungewöhnlich solche Ereignisse sein können, zeigt beispielsweise der Rekord-Gammastrahlenausbruch GRB 250702B, über den ingenieur.de im Oktober berichtete.

Die Bilanz von Swift ist beeindruckend:

  • Mehr als 2000 beobachtete Gammastrahlenausbrüche
  • Über 1400 untersuchte Supernovae
  • Rund 7000 wissenschaftliche Veröffentlichungen auf Grundlage seiner Daten
  • Etwa 12 TB archivierte Messdaten, darunter mehr als 1,5 Millionen Aufnahmen im ultravioletten und sichtbaren Licht

Für die Astronomie fällt damit ein Instrument weg, das besonders schnell auf neue Ereignisse im Universum reagieren konnte. Die NASA prüft, wie bestehende und künftige Weltraumteleskope diese Aufgaben übernehmen können.

Die wissenschaftlichen Daten von Swift bleiben erhalten und stehen der Forschung weiter zur Verfügung. Das Observatorium selbst wird dagegen voraussichtlich innerhalb weniger Tage in die Erdatmosphäre eintreten.

Quellen

  1. NASA, 23. Oktober 2026: Ende der Swift-Mission – wissenschaftliche Bilanz, Missionsdauer und Ende der Beobachtungen.
  2. NASA, 28. September 2026: Bilanz der LINK-Rettungsmission – technische Schwierigkeiten, Ablauf und NASA-Zitate.
  3. Katalyst Space, 25. September 2026: Technischer Abschlussbericht – Defekt der Reaktionsräder, Stabilisierung und Ergebnisse der Mission.
  4. Aerospace Corporation: Wiedereintrittsprognose für Swift – Berechnung für den 4. November mit 26 Stunden Unsicherheit.
  5. Associated Press, 31. Oktober 2026: Bevorstehender Wiedereintritt – Space-Force-Prognose und mögliche überlebende Bauteile.


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