
Die Erde ist der einzige bekannte Planet, auf dem Leben existiert. Trotzdem könnten andere Welten noch günstigere Bedingungen bieten. Manche wären etwas größer und wärmer, andere würden einen Stern umkreisen, der wesentlich länger leuchtet als unsere Sonne. Forschende haben sogar untersucht, ob Pflanzen unter dem Licht eines solchen Sterns wachsen können.
Was macht einen Planeten zum idealen Ort für Leben? Flüssiges Wasser, angenehme Temperaturen und eine schützende Atmosphäre gehören zweifellos dazu. All das bietet unsere Erde. Seit Milliarden Jahren haben sich hier Lebewesen entwickelt, von einfachen Mikroorganismen bis zu komplexen Ökosystemen.
Doch die Erde hat auch eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Eiszeiten, starke Klimaveränderungen und mehrere Massenaussterben haben das Leben immer wieder vor große Herausforderungen gestellt. Andere Planeten könnten stabilere Bedingungen besitzen oder deutlich mehr Zeit für die Entwicklung von Leben bieten.
In der Forschung gibt es dafür einen Begriff: Superhabitabilität. Gemeint sind Planeten, auf denen die Voraussetzungen für Leben möglicherweise besser sind als auf der Erde. Das Konzept ist bislang eine Hypothese. Doch neuere Experimente und Klimamodelle helfen dabei, es genauer zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
- Wie sieht ein Planet aus, der besser ist als die Erde?
- Warum etwas mehr Wärme von Vorteil sein könnte
- Vielleicht ist unsere Sonne nicht der beste Stern für Leben
- Berliner Forschende lassen Gartenkresse unter fremdem Sternenlicht wachsen
- Wie viel Kohlendioxid braucht ein lebensfreundlicher Planet?
- Selbst besonders günstige Planeten sind schwer zu untersuchen
- 45 Planeten für die weitere Suche
- Ein neues Weltraumteleskop soll weitere Welten finden
- Ist die Erde also nur ein durchschnittlicher Lebensraum?
Wie sieht ein Planet aus, der besser ist als die Erde?
Bereits 2014 beschäftigten sich René Heller und John Armstrong mit der Frage, ob es besonders lebensfreundliche Planeten geben könnte. Sechs Jahre später suchten Dirk Schulze-Makuch, René Heller und Edward Guinan nach konkreten Kandidaten.
Ihre 2020 im Fachjournal Astrobiology erschienene Studie beschreibt, welche Eigenschaften eine solche Welt besitzen könnte. Ein möglicher Kandidat wäre demnach etwas größer als die Erde, hätte eine höhere Masse und wäre möglicherweise wärmer und feuchter.
Die Forschenden betrachteten unter anderem einen Planeten, der etwa 10 % größer ist als die Erde und die 1,5-fache Erdmasse besitzt. Ein solcher Himmelskörper könnte seine innere Wärme länger bewahren und aufgrund seiner stärkeren Schwerkraft atmosphärische Gase leichter zurückhalten.
Das bedeutet nicht, dass größere Planeten grundsätzlich bessere Lebensbedingungen besitzen. Entscheidend ist auch, wie sich ihr Inneres entwickelt. Vulkanismus, Wärmehaushalt und die Zusammensetzung der Atmosphäre beeinflussen, ob ein Planet langfristig bewohnbar bleibt.
Schulze-Makuch und seine Kollegen stellten damals eine Liste von 24 möglichen Kandidaten zusammen. Allerdings erfüllte keiner nach den verfügbaren Daten sämtliche Kriterien der Superhabitabilität. Die meisten waren zudem noch nicht als Planeten bestätigt. Über die tatsächlichen Bedingungen an ihren Oberflächen war praktisch nichts bekannt.
Über diese frühe Suche berichtete ingenieur.de bereits im Beitrag „Leben im All: Forscher finden 24 extrem gut bewohnbare Planeten“. Die Forschung ist inzwischen weitergegangen.
Warum etwas mehr Wärme von Vorteil sein könnte
Ein weiterer Gedanke betrifft die Temperatur. In ihrer Studie von 2020 diskutierten die Forschenden Welten, deren mittlere Oberflächentemperatur ungefähr 5 °C höher liegt als auf der heutigen Erde.
Der Hintergrund: In tropischen Regenwäldern gibt es besonders viele Arten. Wärme und ausreichend Feuchtigkeit können das Wachstum und die biologische Produktivität begünstigen. Unter bestimmten Voraussetzungen könnte eine etwas wärmere Welt deshalb ausgedehnte Lebensräume bieten.
Allerdings ist biologische Vielfalt nicht allein eine Frage der Temperatur. Niederschläge, Nährstoffe, geografische Bedingungen und die Evolutionsgeschichte spielen ebenfalls eine Rolle. Außerdem kann ein zu starker Treibhauseffekt einen Planeten unbewohnbar machen.
Noch schwieriger ist die Frage, was „besser für Leben“ überhaupt bedeutet. Geht es um besonders viele Arten, große Mengen an Biomasse oder darum, wie lange ein Planet überhaupt bewohnbar bleibt? Für diese unterschiedlichen Maßstäbe muss es nicht denselben optimalen Planeten geben.
Vielleicht ist unsere Sonne nicht der beste Stern für Leben
Auch der Stern, um den ein Planet kreist, könnte entscheidend sein. Unsere Sonne gehört zur Spektralklasse G und ist ungefähr 4,6 Milliarden Jahre alt. Seit dieser Zeit liefert sie die Energie, die das Leben auf der Erde benötigt. Es gibt allerdings Sterne, die wesentlich länger existieren können.
Besonders interessant sind sogenannte K-Zwerge. Diese orangefarbenen Sterne sind kleiner, kühler und lichtschwächer als unsere Sonne. Weil sie ihren Wasserstoff langsamer verbrauchen, können viele von ihnen über mehrere zehn Milliarden Jahre auf der Hauptreihe bleiben.
Für mögliche Lebewesen auf einem umlaufenden Planeten könnte das einen großen Vorteil bedeuten: Sie hätten sehr lange Zeiträume, in denen sich Leben entwickeln und verändern kann.
Zudem gelten K-Zwerge hinsichtlich ihrer Strahlungsumgebung als vielversprechend. Kleinere rote Zwergsterne können insbesondere in jungen Jahren starke Ausbrüche energiereicher Strahlung zeigen. Für nahe Planeten kann das problematisch sein, weil solche Ereignisse zur Veränderung oder zum Verlust ihrer Atmosphären beitragen können.
K-Zwerge bieten möglicherweise einen günstigeren Kompromiss zwischen langer Lebensdauer und vergleichsweise günstigen Strahlungsbedingungen. Wie lebensfreundlich ein Planet tatsächlich ist, hängt aber weiterhin von seiner Umlaufbahn und seinen eigenen Eigenschaften ab.
Berliner Forschende lassen Gartenkresse unter fremdem Sternenlicht wachsen
Ob sich Pflanzen an das Licht eines anderen Sterns anpassen können, untersuchte 2024 ein Forschungsteam um Iva Vilović von der Technischen Universität Berlin. Die Ergebnisse erschienen im International Journal of Astrobiology.
Für ihre Versuche erzeugten die Forschenden im Labor ein künstliches Lichtspektrum, das dem eines K-Zwergs entspricht. Darunter ließen sie Gartenkresse wachsen. Zum Vergleich untersuchten sie Pflanzen unter simuliertem Sonnenlicht.
Das Ergebnis: Die Gartenkresse entwickelte sich unter beiden Lichtbedingungen ähnlich gut. Die Fotosynthese funktionierte auch unter dem Spektrum des orangefarbenen Sterns. Teilweise keimten die Pflanzen unter K-Zwerg-Licht sogar ein bis zwei Tage früher.
Noch auffälliger reagierten Cyanobakterien der Gattung Chroococcidiopsis. Diese Mikroorganismen betreiben ebenfalls Fotosynthese. Im Experiment zeigten sie unter K-Zwerg-Licht eine höhere Fotosyntheseeffizienz und ein stärkeres Wachstum als unter dem simulierten Sonnenlicht.
Das Experiment beantwortet eine wichtige Teilfrage: Organismen, die ihre Energie durch Fotosynthese gewinnen, sind nicht zwangsläufig auf das Lichtspektrum unserer Sonne angewiesen.
Über das tatsächliche Leben auf einem Exoplaneten sagt der Versuch allerdings wenig aus. Im Labor konnten die Forschenden Licht, Temperatur und andere Bedingungen gezielt einstellen. Auf einem fremden Planeten kommen zahlreiche weitere Faktoren hinzu, etwa die Atmosphäre, die Wasserverfügbarkeit und die Strahlungsbelastung.
Wie viel Kohlendioxid braucht ein lebensfreundlicher Planet?
Im Januar 2025 untersuchte ein weiteres Forschungsteam um Iva Vilović die Bedingungen auf theoretisch superhabitablen Planeten genauer. Die Studie erschien in der Fachzeitschrift Astronomische Nachrichten.
Die Forschenden berechneten, wie sich unterschiedliche Sterneneinstrahlung und Atmosphärenzusammensetzungen auf die Oberflächentemperatur auswirken. Dabei betrachteten sie Planeten um K-Zwerge.
Besonders aufschlussreich ist der Vergleich zweier Szenarien. Ein modellierter Planet erhielt 80 % der Strahlungsenergie, die auf die Erde trifft. In einer Atmosphäre mit einem Druck von 2 bar reichte ein Kohlendioxidanteil von rund 3 %, um eine mittlere Oberflächentemperatur von ungefähr 21 °C zu erreichen.
Bei einem zweiten Szenario waren es nur 60 % der irdischen Einstrahlung. Um die gleiche Temperatur zu erreichen, benötigte die modellierte Atmosphäre einen CO₂-Anteil von etwa 60 %. Das ist ein erheblicher Unterschied. Zum Vergleich: In unserer heutigen Erdatmosphäre liegt der CO₂-Anteil bei ungefähr 0,04 %.
Beide Szenarien beruhen auf festgelegten Annahmen über den Aufbau und die Zusammensetzung der Atmosphäre. Die Zahlen beschreiben keine tatsächlich beobachteten Exoplaneten. Sie zeigen aber, wie stark die erforderlichen Klimabedingungen von der einfallenden Sternenenergie abhängen können.
Ein Planet, der sich in der sogenannten habitablen Zone seines Sterns befindet, ist deshalb nicht automatisch bewohnbar. Diese Zone beschreibt lediglich den Bereich, in dem flüssiges Wasser an der Oberfläche unter passenden atmosphärischen Bedingungen möglich wäre.
Wie wichtig die Atmosphäre ist, zeigt auch der von ingenieur.de vorgestellte Exoplanetenkandidat HD 137010 b: „Ein Planet wie die Erde, aber ein Klima wie auf dem Mars“. Obwohl der mögliche Gesteinsplanet die Erde in seiner Größe und Umlaufzeit stark ähnelt, erhält er deutlich weniger Energie von seinem Stern.
Selbst besonders günstige Planeten sind schwer zu untersuchen
Die Studie von 2025 beschäftigte sich auch mit einer anderen Schwierigkeit: Wie lassen sich mögliche Spuren von Leben in der Atmosphäre eines weit entfernten Planeten nachweisen?
Zu den interessanten Stoffen gehören Sauerstoff und Methan. Werden beide Gase gemeinsam in einer Atmosphäre gefunden, kann das unter bestimmten Bedingungen auf biologische Prozesse hindeuten. Ein eindeutiger Lebensnachweis wäre es allerdings nicht, weil auch nichtbiologische Vorgänge solche Gase erzeugen können.
Das Forschungsteam simulierte, wie gut das James-Webb-Weltraumteleskop entsprechende Signale erkennen könnte.
Für eine günstig gelegene superhabitable Modellwelt in rund 98 Lichtjahren Entfernung wären demnach etwa 150 Planetentransits erforderlich, um die untersuchte Kombination von Sauerstoff und Methan nachzuweisen. Bei der angenommenen Umlaufbahn entspräche das rund 43 Jahren Beobachtungszeit.
Für eine erdähnliche Vergleichswelt um einen sonnenähnlichen Stern ergab die Simulation sogar eine Größenordnung von 1700 Jahren.
Diese Zahlen sind keine Prognosen für tatsächliche Beobachtungsprogramme. Sie verdeutlichen vielmehr die technischen Grenzen heutiger Instrumente. Selbst Planeten, deren Atmosphären theoretisch leichter zu untersuchen sind, bleiben für bestimmte Messungen praktisch unerreichbar.
45 Planeten für die weitere Suche
Wie viele interessante Ziele gibt es überhaupt? Eine im März 2026 veröffentlichte Untersuchung liefert darauf eine aktuelle Antwort. Forschende werteten Daten des NASA Exoplanet Archive und des europäischen Astrometriesatelliten Gaia aus. Ihre Ergebnisse erschienen in Monthly Notices of the Royal Astronomical Society.
Das Team identifizierte 45 als Gesteinsplaneten eingeordnete Exoplaneten innerhalb einer weit gefassten, empirisch bestimmten habitablen Zone. Davon lagen 24 innerhalb einer engeren Zone, deren Grenzen aus dreidimensionalen Klimamodellen abgeleitet wurden.
Diese Zahlen dürfen nicht mit den 24 Kandidaten aus der Superhabitabilitätsstudie von 2020 verwechselt werden. Die Untersuchungen verfolgen unterschiedliche Ziele.
Die neue Liste soll Astronominnen und Astronomen helfen, vielversprechende Beobachtungsobjekte auszuwählen. Besonders interessant sind Planeten an den Grenzen der habitablen Zone. An ihnen lässt sich untersuchen, unter welchen Bedingungen eine Planetenoberfläche zu heiß oder zu kalt für dauerhaft flüssiges Wasser wird.
Ob auf einem dieser Planeten Leben existiert, lässt sich daraus nicht ableiten. Dafür fehlen bei den meisten Kandidaten wichtige Informationen über Atmosphäre, Oberfläche und mögliche Wasservorräte.
Ein neues Weltraumteleskop soll weitere Welten finden
Neue Beobachtungsmöglichkeiten verspricht die europäische Mission PLATO. Das Weltraumteleskop soll nach Angaben der ESA im März 2027 mit einer Ariane-6-Rakete starten.
PLATO besitzt 26 Kameras, mit denen es die Helligkeit von mehr als 200.000 Sternen untersuchen soll. Zieht ein Planet von der Erde aus gesehen vor seinem Stern vorbei, verdunkelt er diesen geringfügig. Aus diesen regelmäßigen Helligkeitsschwankungen können Forschende unter anderem die Umlaufzeit und Größe des Planeten bestimmen.
Besonders wichtig ist die Suche nach Gesteinsplaneten in der habitablen Zone. Zusammen mit weiteren Messungen sollen ihre Eigenschaften genauer bestimmt werden.
PLATO wird allerdings keine Lebewesen auf fremden Planeten entdecken. Die Mission dient vor allem dazu, geeignete Ziele für spätere Untersuchungen zu finden. Wie die Kameras arbeiten und welche Rolle Deutschland bei der Mission spielt, erklärt unser Beitrag „Wie PLATO bei der Suche nach erdähnlichen Planeten helfen soll“.
Ist die Erde also nur ein durchschnittlicher Lebensraum?
Die Vorstellung superhabitabler Planeten hat einen entscheidenden Haken: Bis heute kennen wir nur eine Welt, auf der Leben nachgewiesen wurde. Wir können deshalb nicht überprüfen, ob andere planetare Bedingungen tatsächlich zu mehr Leben führen würden.
Immerhin lassen sich einzelne Annahmen inzwischen testen. Die Experimente mit Gartenkresse zeigen, dass Fotosynthese auch unter dem Licht eines K-Zwergs möglich ist. Klimamodelle beschreiben, welche Atmosphären nötig wären, um auf solchen Planeten gemäßigte Temperaturen zu ermöglichen. Und neue Exoplanetenkataloge helfen dabei, geeignete Beobachtungsziele auszuwählen.
Ob darunter tatsächlich eine Welt ist, die bessere Voraussetzungen für Leben bietet als die Erde, wissen wir nicht.
Quellen
- Schulze-Makuch et al. (2020), Astrobiology – Kriterien für Superhabitabilität und 24 Kandidaten.
- Vilović et al. (2024), International Journal of Astrobiology – Fotosynthese unter simuliertem K-Zwerg-Licht.
- Vilović et al. (2025), Astronomische Nachrichten – Atmosphärenmodelle und simulierte Beobachtbarkeit mit JWST.
- Bohl et al. (2026), Monthly Notices of the Royal Astronomical Society – Katalog von Gesteinsplaneten in habitablen Zonen.
- Washington State University (2020) – Original-Pressemitteilung mit Forschendenzitaten.
- ESA: PLATO-Mission – Missionsziele, Kameratechnik und geplanter Start.



























