Projektmanagement bei der Deutschen Bahn: Aufgaben, Projekte und Karriere
29. Oktober 2026

Tim Reinhardt leitet den Bereich Verkehrsstationen 2.1 im Bahnhofsmanagement Hagen. Im Interview erklärt er, wie Projektmanagement bei der DB funktioniert, welche Aufgaben Projektleiter:innen übernehmen und welche Fähigkeiten für den Beruf wichtig sind.

Wie bist du zur Deutschen Bahn gekommen und was hat dich damals überzeugt, bei der DB zu starten?
Mein Weg zur Deutschen Bahn begann eher zufällig – und rückblickend genau im richtigen Moment: Als Abiturient fand ich während einer ICE-Fahrt einen Flyer, der für ein duales Studium bei der DB warb. Die Verbindung aus akademischer Ausbildung und direkter Praxiserfahrung hat mich sofort angesprochen, deshalb habe ich mich beworben und damit den Grundstein für meinen weiteren beruflichen Weg gelegt.
Nach meinem Bachelor wollte ich mich mit einem berufsbegleitenden Master gezielt weiterqualifizieren. Dafür bot mir eine Position bei einem Projektmanagementbüro zunächst die besseren Rahmenbedingungen. Diese Zeit war für mich fachlich sehr prägend – zugleich ist mir immer klarer geworden, dass ich langfristig zurück zur Deutschen Bahn wollte: wegen der besonderen Dimension der Projekte, der komplexen Infrastruktur und der Möglichkeit, Mobilität unmittelbar mitzugestalten.
Nach Abschluss meines Masters bin ich deshalb ganz bewusst zur DB zurückgekehrt. Ich startete als Projektleiter und konnte Schritt für Schritt mehr Verantwortung übernehmen. Heute bin ich Leiter Verkehrsstationen und verantworte gemeinsam mit meinem Team zahlreiche Bau- und Modernisierungsprojekte an Verkehrsstationen.

Was hat dich an der Projektleitung bzw. dem Projektmanagement besonders gereizt?
Mich reizt am Projektmanagement vor allem die Verbindung aus Technik, Organisation und Verantwortung. Gleichzeitig geht es darum, unterschiedliche Fachleute und Partner auf ein gemeinsames Ziel auszurichten und aus einer Planung am Ende eine funktionierende Verkehrsstation zu machen.
Was sind deine wichtigsten Aufgaben als Projektleiter und wie sieht ein typischer Arbeitsalltag bei dir aus?
Als Leiter Verkehrsstationen steuere ich mit meinem Team Bauprojekte im Bereich Personenbahnhöfe. Dazu gehören die qualitäts-, budget- und termingerechte Umsetzung, die Koordination interner und externer Dienstleister, Genehmigungs- und Finanzierungsfragen, Vergaben, Nachtragsmanagement, Risikobewertungen sowie Abnahmen und Übergaben an den Betrieb. Einen völlig typischen Tag gibt es kaum: Ich prüfe Projektstände, kläre offene Punkte mit Projektleitungen und Fachbereichen, bereite Entscheidungen vor, telefoniere mit Partnern und Fördergebern und kümmere mich um Eskalationen, wenn Termine, Kosten oder Leistungsumfang gefährdet sind.
Welche Projekte und Themen verantwortest du aktuell? Kannst du uns ein konkretes Beispiel geben?
Aktuell verantworte ich mit meinem Team unter anderem verschiedene Maßnahmen im Niederrhein-Münsterland-Netz sowie weitere Modernisierungs- und Barrierefreiheitsprojekte an Personenbahnhöfen. Die Projekte befinden sich in unterschiedlichen Phasen – von Planung und Finanzierung über Vergabe und Bau bis zur Inbetriebnahme. Gerade dadurch wird sichtbar, wie eng technische Planung, Sperrpausen, Fördermittel, Kommunikation und Bauausführung zusammenspielen.
Wie läuft ein Projekt bei der DB typischerweise ab – von der ersten Idee bis zur Umsetzung?
Am Anfang stehen der Projektauftrag und die Frage, welchen Nutzen die Maßnahme schaffen soll. Danach werden Projektstruktur, Finanzierung, Termine und benötigte Fachdisziplinen festgelegt. Es folgen Planung und Qualitätssicherung, Genehmigungen, die Abstimmung mit Anlagenbetreibern und Fördergebern sowie die Anmeldung erforderlicher Sperrpausen. Anschließend werden Planungs- und Bauleistungen vergeben. In der Bauphase steuern wir Termine, Kosten, Qualität, Risiken und Nachträge. Den Abschluss bilden Abnahme, Inbetriebnahme, Dokumentation und die Übergabe an den späteren Betreiber. Je nach Größe und Komplexität laufen diese Schritte über mehrere Jahre und müssen immer wieder an neue Rahmenbedingungen angepasst werden.
Was macht Projekte bei der Deutschen Bahn besonders spannend?
Besonders spannend ist die Kombination aus langfristiger Planung und sehr konkreter Wirkung. Wir bauen im laufenden Bahnbetrieb, unter engen technischen und regulatorischen Rahmenbedingungen und mit vielen voneinander abhängigen Beteiligten. Jeder Bahnhof und jedes Projekt ist einzigartig. Gleichzeitig bleiben die Ergebnisse sichtbar und werden über viele Jahre täglich genutzt. Diese Mischung aus Komplexität, Verantwortung und nachhaltigem Nutzen macht die Arbeit für mich besonders.
Kannst du dich an einen Moment erinnern, in dem du am Ende eines Projekts dachtest: „Darauf können wir wirklich stolz sein“?
Eigentlich bin ich nach jedem abgeschlossenen Bauprojekt stolz darauf, wieder eine Verkehrsstation neu gebaut oder umfassend modernisiert zu haben. Allein in diesem Jahr haben wir etliche Stationen von Grund auf saniert. Wenn man am Ende sieht, was das Team gemeinsam geschaffen hat und wie Reisende von den Verbesserungen profitieren, ist das jedes Mal ein besonderer Moment.
Welche Fähigkeiten sollte man deiner Meinung nach für eine erfolgreiche Projektleitung mitbringen?
Erfolgreiche Projektleitung braucht aus meiner Sicht technisches Verständnis, Organisationstalent und ein gutes Gespür für Menschen und Schnittstellen. Wichtig sind außerdem klare Kommunikation, Entscheidungsfähigkeit, Verbindlichkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Da sich Rahmenbedingungen ändern können, gehören auch Flexibilität, Risikobewusstsein und Belastbarkeit dazu. Mindestens ebenso wichtig ist, früh nachzufragen, sich mit Fachleuten zu vernetzen und Entscheidungen sauber zu dokumentieren.
Was sollte man über den Job wissen, bevor man sich bewirbt – und was hat dich selbst nach deinem Einstieg vielleicht überrascht?
Bevor ich Projektleiter bei der Deutschen Bahn wurde, hatte ich bereits zwei Jahre lang extern als Projektleiter im Hochbau gearbeitet. Damals dachte ich, ich hätte schon alles gesehen und wüsste genau, wie Projektmanagement funktioniert. Bei der Bahn musste ich jedoch noch einmal bei null anfangen. Die Abläufe, technischen Anforderungen, Regelwerke und zahlreichen Schnittstellen sind so komplex und speziell, dass ich vieles komplett neu lernen musste. Genau das hat mich nach meinem Einstieg am meisten überrascht.
Wenn du deinen Beruf in drei Worten beschreiben müsstest – welche wären es und warum?
Verantwortungsvoll, vielseitig, wirksam. Verantwortungsvoll, weil unsere Entscheidungen Kosten, Termine, Sicherheit und die spätere Nutzung der Infrastruktur beeinflussen. Vielseitig, weil technische, kaufmännische und organisatorische Themen zusammenkommen und kein Projekt dem anderen gleicht. Wirksam, weil aus unserer Arbeit konkrete Verbesserungen an Bahnhöfen entstehen, die Reisende und Regionen täglich nutzen.
Vielen Dank, lieber Tim für den Austausch!
Informiere dich hier über deine Möglichkeiten bei der Deutschen Bahn: db.jobs/projekt-start



























