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„Jabulani“ – oder warum das „runde Leder“ ausgedient hat

11. Juni 2010

„Jabulani“, das klingt nach spielerischer Leichtigkeit und Eleganz. Und das kommt nicht von ungefähr. Denn dahinter verbirgt sich der offizielle Ball zur Fußball-Weltmeister-schaft. Jabulani bedeutet übersetzt „feiern“ oder „zelebrieren“.
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„Runder als je zuvor“ soll der Ball sein, verkündet Adidas. Der Sportausrüster zeichnet seit der WM 1970 in Mexiko für die Produktion des offiziellen Spielgeräts verantwortlich. Der damalige „Telstar“ gilt bis heute als Prototyp des modernen Fußballs.

Doch auch dieser hat mit seinem Nachfolger 40 Jahre später nur noch den Zweck gemeinsam das „runde Leder“ ist längst ein Anachronismus. Nicht nur Farbgebung und Beschaffenheit, auch die frühere Wabenstruktur ist überholt. Bei Jabulani handelt es sich um ein echtes Hightech-Produkt, wie Oliver Brüggen erklärt: „Unser Entwicklungsteam hat mehr als drei Jahre lang an Jabulani gearbeitet“, so der Director PR Market Central bei Adidas.

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„Seine Oberfläche setzt sich aus acht dreidimensional geformten Panels zusammen, die die Innenkarkasse umschließen. Im Unterschied zu früher werden die einzelnen Elemente nicht mehr miteinander vernäht, sondern thermisch verschweißt. Dadurch wird der Ball so rund wie nie zuvor. Rillen in der Oberfläche sorgen für eine optimale Aerodynamik.“

Bei der Produktion werden verschiedene Materialien verwendet, hergestellt in China, Indien und Taiwan: die Kunststoffe Thermoplastische Polyurethan-Elastomere (TPU), Ethylen Vinyl Azetat (EVA) und Polyester, Baumwollgewebe, diverse Klebestoffe, Tinte sowie ein Latexgemisch. Sie durchlaufen mehrere Produktionsstufen: Für die Karkassenherstellung wird das Gewebe gedehnt und mit Latex laminiert. Die weißen EVA-Panels werden zugeschnitten, mittels UV-Strahlung gereinigt und mit Klebestoff versehen.

Auf den transparenten und auf Rollen gelieferten TPU-Filmen entsteht das farbliche Design. Dafür werden elf Farben auf einer Druckstraße gedruckt und auf die Filme gezogen. Sie werden so präpariert, dass eine dreidimensionale Formung entsteht. TPU-Filme und EVA-Panels werden zusammengelegt, ehe die Vakuumformung im Hochfrequenzverfahren startet.

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Im letzten Herstellungsschritt wird daraus eine runde Sache: Zwei Ballhälften á vier Panels werden zusammengefügt, die Lochung für das Ventil vorgenommen, das anschließend zentriert wird, Karkasse und Ballhälften werden vorgeformt, die Panels per Luftdruck fixiert sowie der Ball vulkanisiert und danach abgekühlt. Nach der Endkontrolle ist der Ball mit einem Gewicht von 440 g und einem Umfang von 69 cm vertriebsfertig. Pro Tag durchlaufen bis zu 1760 Bälle diesen Herstellungsprozess, ehe sie sich „Jabulani“ nennen dürfen. Produziert wird ausschließlich in China.

Wie Brüggen erklärt, wurden neben „eigenen Tests unter härtesten Laborbedingungen“ auch wissenschaftliche Tests an der englischen Universität von Loughborough durchgeführt. Die Adidas-Partner Bayern München, AC Mailand, Ajax Cape Town (Kapstädter „Tochterklub“ von Ajax Amsterdam) und Orlando Pirates aus Johannesburg unterzogen den Ball bereits 2008 einem Praxisversuch. Auch bei der Farbgebung hat sich Adidas etwas überlegt: Die elf im Triangelmuster angeordneten Farben stehen nicht nur für die elf Akteure einer Mannschaft, sondern ebenso für die elf Sprachen und Stämme Südafrikas.

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Doch die Begeisterung für Jabulani, der seit Dezember in der Bundesliga eingesetzt wird, teilt nicht jeder. Mancher Torhüter wünscht sich langsamere Spielgeräte mit einem berechenbareren Flugverhalten zurück. Der Begriff „Flatterball“ machte bereits bei Jabulanis Vorgängern die Runde. So gab sich jüngst VfB Stuttgarts Keeper Jens Lehmann nach einem Gegentor desillusioniert: „Dieser Ball fällt einfach runter. Ich bin froh, dass ich aufhöre. Werden die Bälle so weiterentwickelt, sehen die Torhüter künftig noch blöder aus.“

Zumindest die Offensivspieler haben ihre Freude an der Neuentwicklung. So lobte das englische Fußballidol David Beckham anlässlich Jabulanis Präsentation, dass dieser die Ballkontrolle unterstütze.

Adidas attestiert Jabulani neben einer „perfekten Griffigkeit bei allen Wetterbedingungen“ auch ein „außergewöhnlich stabiles Flugverhalten“. Dafür mitverantwortlich seien die Oberflächenrillen, die über eine veränderte Strömungsführung stabilisierend wirkten. Dies hätten Tests im Windkanal dokumentiert. „Wir können versichern, dass es sich bei Jabulani um den besten WM-Ball aller Zeiten handelt“, sagt Brüggen. Allerdings, so räumt Adidas ein, sei ein durch die Luft fliegender Körper immer Widerständen ausgesetzt, die die Flugbahn verändern. Doch dies sei nicht auf neue technologische Entwicklungen zurückzuführen.

Adidas hofft, dass Jabulani ein ähnlicher Erfolg wird wie „Teamgeist“ zur WM 2006 in Deutschland. Damals veräußerten die Herzogenauracher satte 15 Mio. Bälle für Jabulani müssen Kunden 119,95 € berappen.

Das Adidas Innovation Team arbeitet schon jetzt am Nachfolger Jabulanis für die WM 2014 in Brasilien. Der Ball soll noch runder werden. Sicher scheint zudem, dass der viel diskutierte Chip im Ball weiterhin Zukunftsmusik bleiben wird. Zu groß ist offenbar noch die Skepsis im Fußballwesen, sich auf technische Hilfsmittel einzulassen. E. NEVELING



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