
Eine Maschine kann konstruktiv hervorragend gelöst sein. Die Software kann funktionieren, das HMI durchdacht sein, die Diagnose intelligent und der Service professionell organisiert. Und trotzdem kann das Ergebnis für den Kunden komplizierter sein als nötig.
Inhaltsverzeichnis
- Mechanik und Software müssen gemeinsam gedacht werden
- Für den Kunden zählt das gesamte System
- Gute Einzeldisziplinen ergeben nicht automatisch ein starkes Produkt
- Der Kunde will mit dem System erfolgreich sein
- Der wirtschaftliche Kundennutzen gehört an den Anfang
- Was soll für das eigene Unternehmen entstehen?
- Wer verantwortet das Gesamtsystem?
- Wann ist eine Maschine wirklich fertig?
Mechanik und Software müssen gemeinsam gedacht werden
Über diese Beobachtung habe ich kürzlich in einem kleinen Kreis erfahrener Führungspersönlichkeiten aus Technologie- und Industrieunternehmen diskutiert. Die Unternehmen stehen dabei an sehr unterschiedlichen Punkten. Bei manchen wird eine neue Lösung noch stark von der Mechanik her gedacht. Konstruktion, Bauraum und Komponenten sind weitgehend gesetzt, bevor Bedienung, Software oder Datenlogik ihre endgültige Form bekommen. Andere sind längst weiter. Software, HMI, Vernetzung und digitale Services werden von Beginn an mitentwickelt. Doch gerade dort stellt sich bereits die nächste Frage: Wie wird aus vielen starken Einzeldisziplinen ein System, das den Kunden wirtschaftlich erfolgreicher macht?
Für den Kunden zählt das gesamte System
Für den Anwender besteht eine Maschine, Anlage oder Turnkey-Lösung nicht aus Mechanik, Elektrik, Software und Service. Für ihn zählt, was er mit dem gesamten System erreichen kann. Er erlebt, wie schnell die Produktion anläuft. Wie einfach sich die Anlage auf ein neues Produkt umrüsten lässt. Wie sicher neue Mitarbeiter damit arbeiten können. Wie eindeutig diese Mitarbeiter bei einer Störung durch das System geführt werden. Wie gut Wartungsstellen zugänglich sind und ob Bedienung, mechanische Abläufe, Software und Service einer gemeinsamen Logik folgen.
Ein hervorragendes HMI kann eine schlecht zugängliche Wartungsstelle nicht kompensieren. Eine intelligente Diagnose hilft wenig, wenn für einen einfachen Eingriff erst Verkleidungen demontiert werden müssen. Und die beste Automatisierung verliert an Wert, wenn der Anwender bei jeder Abweichung einen Spezialisten benötigt.
Der wirtschaftliche Nutzen entsteht deshalb nicht in einer einzelnen Disziplin. Er entsteht in ihrem Zusammenspiel.
Gute Einzeldisziplinen ergeben nicht automatisch ein starkes Produkt
In vielen Entwicklungsorganisationen sind die Verantwortlichkeiten eindeutig geregelt. Es gibt Zuständige für Konstruktion, Elektrik, Software, HMI, Service und zunehmend auch für Daten und digitale Services. Jede dieser Disziplinen kann ihre Aufgabe hervorragend erfüllen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie gemeinsam den angestrebten wirtschaftlichen Vorteil für den Kunden erreichen. Die Konstruktion optimiert Herstellbarkeit, Funktion und Kosten. Die Software folgt einer schlüssigen Architektur. Das HMI bildet die Funktionen sauber ab. Der Service achtet auf Wartbarkeit und Verfügbarkeit.
Der Kunde will mit dem System erfolgreich sein
Doch wer verantwortet eigentlich, dass daraus für den Kunden ein wirtschaftlich starkes Gesamtsystem entsteht? Ein Kunde kauft keine besonders gute Konstruktion und daneben eine besonders gute Software. Er kauft die Erwartung, mit dem gesamten System in seinem Geschäft erfolgreicher zu werden. Wenn weniger qualifiziertes Personal dieselbe Leistung erbringen soll, müssen Bedienung, Automatisierung, Zugänglichkeit, Fehlertoleranz, Diagnose und Service gemeinsam darauf ausgerichtet sein. Wenn schnelle Umrüstung entscheidend ist, reicht eine hervorragende Bedienerführung nicht, solange mechanische Wechsel unnötig kompliziert bleiben. Wenn hohe Verfügbarkeit den wirtschaftlichen Unterschied macht, müssen Konstruktion, Sensorik, Software, Diagnose, Wartung und Ersatzteillogik gemeinsam darauf einzahlen. Erst dann werden aus mehreren guten Lösungen ein starkes Produkt und ein starkes System.
Der wirtschaftliche Kundennutzen gehört an den Anfang
Damit verändert sich auch der Ausgangspunkt einer Entwicklung. Die erste Frage sollte weder lauten: „Welche Software brauchen wir?“ noch: „Welche Funktionen soll die nächste Generation bekommen?“. Die wichtigere Frage lautet: Welchen wirtschaftlichen Vorteil soll unsere Lösung für das zukünftige Geschäft des Kunden erzeugen? Soll er mit weniger Personal dieselbe Leistung erreichen? Soll seine Produktion schneller anlaufen? Soll er Stillstände reduzieren, Varianten einfacher beherrschen oder Rüstzeiten verkürzen? Soll Wissen, das heute an wenigen erfahrenen Mitarbeitern hängt, künftig stärker im Produkt selbst verfügbar sein?
Was soll für das eigene Unternehmen entstehen?
Und ebenso wichtig: Was soll daraus für das eigene Unternehmen entstehen? Mehr Differenzierung? Höhere Preisstärke? Eine neue Rolle im Produktionssystem? Eine stärkere Position beim Kunden? Erst wenn das geklärt ist, lässt sich entscheiden, welchen Beitrag Mechanik, Software, Bedienung, Daten und Service jeweils leisten müssen.
Wer verantwortet das Gesamtsystem?
Genau hier entsteht eine Aufgabe, die keiner einzelnen Fachdisziplin sinnvoll zugeordnet werden kann. Konstruktion, Software, HMI und Service können jeweils hervorragend sein – während keine von ihnen allein den wirtschaftlichen Erfolg des Gesamtproduktes verantworten kann.
In solchen Projekten werden wir beauftragt, gemeinsam mit dem Unternehmen den entscheidenden wirtschaftlichen Vorteil für Kunden und das eigene Geschäft zu bestimmen und ihn in Produkt und System zu übersetzen – von der Zielsetzung bis zum realisierten Produkt.
Denn „einfacher bedienbar“, „höhere Verfügbarkeit“ oder „weniger Serviceaufwand“ sind noch keine Lösungen. Daraus müssen konkrete Entscheidungen für Architektur, Abläufe, Zugänglichkeit, Schnittstellen, Bedienung und Funktionen entstehen. Erst im realisierten Produkt zeigt sich, ob die ursprünglich angestrebte Wirkung tatsächlich erhalten geblieben ist.
Wann ist eine Maschine wirklich fertig?
Vielleicht reicht deshalb auch unsere klassische Betrachtung des Entwicklungsstands nicht mehr aus. Mechanik fertig. Software fertig. HMI fertig. Inbetriebnahme abgeschlossen. Doch ist damit auch das Produkt fertig? Oder erst dann, wenn das Zusammenspiel den beabsichtigten wirtschaftlichen Vorteil für den Kunden tatsächlich erreicht? Eine Maschine, Anlage oder Turnkey-Lösung ist nicht fertig, wenn ihre einzelnen Disziplinen funktionieren. Sie ist fertig, wenn daraus ein System geworden ist, das den Kunden in seinem Geschäft erfolgreicher macht.























