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Apps gegen Smartphone-Sucht

10. Oktober 2018

Mann sitzt am Laptop und hält ein Smartphone in den Händen
Foto: panthermedia.net/GaudiLab
Exzessive Smartphone-Nutzung ist nicht nur unter Jugendlichen verbreitet. Doch häufig wissen wir gar nicht, welche Apps uns die ganze Zeit rauben. Mit iOS 12 liefert Apple eine Antwort: Bildschirmzeit soll helfen, die Handysucht zu bekämpfen.
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Das Smartphone ist aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Es ist ständiger Begleiter. Mehrmals stündlich wird ein Blick darauf geworfen, weshalb Wissenschaftler befürchten, dass viele Nutzer bereits von einer Smartphone-Sucht betroffen sind. Apple hat nun ein neues Feature herausgebracht, das Mobiltelefonnutzern die „Bildschirmzeit“ vor Augen führt.

Jeder zweite Smartphone-Nutzer süchtig?

Aktuelle Zahlen belegen, wie wichtig das Handy für unsere Gesellschaft mittlerweile geworden ist. Rund 57 Millionen Deutsche besitzen derzeit ein Smartphone. Durchschnittlich schaut jeder junge Nutzer zwischen 18 und 24 Jahre ganze 56 Mal pro Tag aufs Handy. Wie wichtig dieses Gerät für viele Menschen geworden ist, erkennt man auch daran, wie schnell man nach dem Aufstehen darauf blickt. In Deutschland tun dies 40 Prozent aller Nutzer innerhalb von 15 Minuten nach dem Aufwachen. Vergleicht man dies mit dem Suchtverhalten von Rauchern, kann man bei fast der Hälfte aller Smartphone-Nutzer von Menschen mit einem überaus ausgeprägten Suchtverhalten sprechen.

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Der eigentliche Zweck des Mobiltelefons hat sich rasant gewandelt. Die Sprachtelefonie ist weit weniger attraktiv als sie es noch vor ein paar Jahren war. Als Kommunikationsmittel werden stattdessen Messaging-Dienste wie Facebook Messenger, WhatsApp und E-Mail genutzt. Damit dient das Smartphone heutzutage mehr als Informationsquelle und Entertainment-Device, also für die Social-Media-Nutzung, zum Spielen und Fotografieren. Es wird als mobiler Computer, nicht als mobiles Telefon genutzt.

iPhones „Bildschirmzeit“ soll gegen Smartphone-Sucht helfen

Wer ein iPhone besitzt und kürzlich das Betriebssystem auf iOS 12 aktualisiert hat, wird bemerkt haben, dass Apple nun ein neues Feature anbietet. Mit der Funktion „Bildschirmzeit“ kann der iPhone-Besitzer stets sehen, wie oft und wofür er sein Smartphone genutzt hat und wie oft er sich sozusagen von seinen Aufgaben im echten Leben durch das Handy stören lässt. Damit „Screen Tracker“, wie die Funktion im Englischen genannt wird, überhaupt funktioniert, muss man sie aktivieren, entweder direkt beim Einrichtungsdialog von iOS 12 oder nachträglich unter Einstellungen und Bildschirmzeit. Ab diesem Zeitpunkt werden Nutzerstatistiken erhoben, die man sich auch auf dem Startbildschirm anzeigen lassen kann. Die Werte offenbaren, wie viele Minuten lang welche App genutzt wurde. Des Weiteren werden Statistiken über eingegangene Nachrichten angezeigt – alles in Form von Einzelwerten und Tagesstatistiken.

Der Clou aber: Jeder Nutzer kann App-Limits festlegen. Je nach Wochentag können einzelne App-Kategorien dann von einer Minute bis 23:59 Stunden aktiviert werden. Wenn Games beispielsweise nur auf dem Nachhauseweg in der Bahn genutzt werden sollen, die üblicherweise 20 Minuten dauert, lohnt es sich, das hier festzuhalten. Nach 20 Minuten Nutzungszeit sind alle Apps dieser Kategorie dann nicht mehr abrufbar für diesen Tag. Nicht beschränken kann man übrigens die Telefonfunktion, da scheint es einfach keinen Bedarf zu geben…

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Wer es radikaler mag, der kann komplette Auszeiten für feste Tageszeiten festlegen, zu denen er von ausgewählten Apps nicht gestört werden möchte. Diese Funktion lohnt sich besonders während der Arbeitszeit oder in der Nacht, also in Zeiten, in denen das Smartphone eigentlich keine Rolle spielen sollte und dennoch häufig der Ablenkung dient. Hilfreich ist „Bildschirmzeit“ übrigens auch für Eltern, die die Handy-Zeit ihrer Kinder regulieren möchten. Die Einstellungen zu Auszeiten und App-Limits können nämlich für alle Geräte aktiviert werden, die mit der entsprechenden Apple ID verknüpft sind. Dann sollte man seine Einstellungen allerdings mit einem Code schützen. Das geht unter Beschränkungen.

Anti-Sucht-Apps gibt es auch für Microsoft und Android

Ganz neu ist die Idee selbstverständlich nicht. Wer kein iPhone besitzt, muss auf solch einen Tracker also nicht verzichten. Android-Nutzer können alternativ zu „Bildschirmzeit“ die App „Menthal Balance“ nutzen. Nutzer dieser App werden nicht nur dabei unterstützt, eine „digitale Diät“ zu halten, sondern werden auch Teil einer Studie über den Gebrauch von Smartphones. Denn mittels der Funktionen von „Menthal Balance“ erfährt der Nutzer, wie er sein Handy tagtäglich nutzt. Gleichzeitig werden die Daten des Mobilfunkverhaltens an die Betreiber der App weitergeleitet, um sie für eine wissenschaftliche Untersuchung über die digitale Gesellschaft zu nutzen. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Bericht über Menthal Balance.

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Für Microsoft-Handys gibt es beispielsweise die Gratis-App „Screen Tracker“, die Nutzern aufzeigt, wie oft am Tag das Handy verwendet wird. Wie „Bildschirmzeit“ zeigt „Screen Tracker“ dem Smartphone-Besitzer auf, wofür der tägliche Begleiter genutzt wird. Im Detail zeigt die App an, wann, wo und wie oft der Bildschirm am Tag berührt wurde sowie die Zeit, die für die Handynutzung pro Tag verloren gegangen ist. Damit die App einwandfrei funktioniert, sollte man ihr erlauben, auch im Hintergrund weiterzulaufen sowie dann, wenn der Stromsparmodus eingeschaltet ist.

Helfen Bildschirmzeit, Screen Tracker und Menthal Balance gegen Smartphone-Sucht?

Mit der Erfindung solcher Apps und Funktionen möchte man den Smartphone-Nutzern natürlich vor Augen halten, wie sie ihr mobiles Telefon tagtäglich nutzen und im Fall eines Missbrauchs die Menschen dazu bewegen, ihr Nutzerverhalten zu reflektieren. Dies kann Mobiltelefonnutzern, die bereits vorhatten, ihr Handy seltener zu gebrauchen, tatsächlich dabei unterstützen, es weniger zu verwenden. Viele Menschen haben allerdings gar nicht vor, ihr Smartphone weniger häufig in die Hand zu nehmen, ihren Lieblingsbegleiter weniger zu beachten. Zwar sind mittlerweile viele Menschen zu abhängig von ihren Smartphones und eine Ablenkung oder gar Bestimmung durch ein Smartphone sollte eigentlich nicht das Ziel menschlichen Zusammenlebens sein. Aber letztlich muss jeder selbst Verantwortung für sein Verhalten übernehmen.

Zumal Apps wie Facebook, Twitter und Co., aber auch Spiele- und News-Apps, zum Ziel haben, die Nutzer möglichst lange und möglichst häufig zum Nutzen der Apps zu bewegen. Das bedeutet, dass ein Handynutzer, der weniger Zeit mit seinem Endgerät verbringen möchte, vor allem eine intrinsische Motivation benötigt, um dieses Ziel auch zu erreichen.

Fazit: Apps wie „Bildschirmzeit“, „Screen Tracker“ oder „Menthal Balance“ geben dem Nutzer mehr Einsicht in das eigene Verhalten. Ändern muss er es aber selbst.

 

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