10.02.2017, 10:33 Uhr | 0 |

1.100 Bäume auf Fassade Dieser Hochhaus-Wald wächst 207 m in die Höhe

Kann man das einen Wald nennen? Eigentlich sind die Nanjing Tower zwei Hochhäuser. Aber sie sind zugleich der Lebensraum von 1.100 Bäumen. Das kann man Wald nennen. Der italienische Architekt Stefano Boeri baut damit den höchsten Wald in der Senkrechten Asiens. 

Bäume in der Fassade der Nanjing Türme
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1.100 Bäume werden auf den Fassaden der beiden Nanjing Türme wachsen, die der italienische Architekt Stefano Boeri in der chinesischen Millionenstadt baut. Die Türme sollen 2018 fertig sein.

Foto: Stefano Boeri Architetti

Schon lange träumt und experimentiert Boeri mit Hochhäusern, die nicht nur einfach mit Efeu begrünt sind, sondern die wirklich einen grünen Lebensraum mitten in der Stadt bieten – durch richtige Bäume und Büsche. Berühmt wurde Boeri mit seinen Zwillingstürmen Bosco Verticale in Mailand.

Dort ragen seit 2014 zwei Hochhaustürme in den Himmel. An den Außenfassaden wachsen fast 800 Bäume, 5.000 Sträucher und 11.000 Bodendecker. Der Komplex wurde schon mehrfach mit renommierten Designpreisen ausgezeichnet. Im Bau ist gerade sein zweites Projekt eines grünen Hochhauses in Lausanne.

Hochhaus mit Wald in Millionenstadt

Und nun China. In der Millionenstadt Nanjing an der chinesischen Ostküste soll Asiens erstes Hochhaus mit vertikalem Wald entstehen. Bis 2018 sollen die Häuser in der Industriemetropole mit ihrer Mischung aus begrünten Zellen und Balkonen, die den beiden Türmen in Mailand ähneln, fertig sein.

1.100 große und mittelgroße Bäume lokaler Arten sollen auf den Fassaden der beiden Hochhäuser eine Fläche von rund 6.000 m2 bedecken. Boeri spricht von einem „richtigen Wald“. Und wie sich das für einen Wald gehört, braucht es auch ein richtiges Unterholz, Verstecke und Nischen. Also integriert Boeri auch noch 2.500 Sträucher und Grünpflanzen in die Fassaden. Würde man die Bäume und Sträucher in der Fläche anpflanzen, sollen sie einen ganzen Fußballplatz bedecken.

Wald und Sträucher werden täglich 25 Tonnen CO2 aufnehmen und 60 kg Sauerstoff produzieren, so Boeri auf seiner Homepage. Das ist in einer Millionenstadt wie Nanjing kaum der Rede wert. Doch das Kleinklima und die Optik – Bäume statt Glas und Beton – dürften den Menschen, die in den beiden Häuser leben und arbeiten werden, besonders gut tun.

Schwimmbad und Bar auf dem Dach geplant

Profitieren werden von der ungewöhnlichen Fassade und dem senkrechten Wald aber nicht etwa Privatleute, die sich Wohnungen in den beiden Türmen leisten können. In dem 200 m hohen Hochhaus sind von der 8. bis zu 35. Etage Büros vorgesehen – die Aussicht auf solch einen Arbeitsplatz dürfte Flügel verleihen. Zudem ist eine Architekturschule im höheren Bereich der beiden Nanjing Tower geplant. Eine Schule, die das ökologische Bauen lehren soll. Und auf dem Dach ist ein Club mit Blick über die Stadt vorgesehen.

In dem kleineren, 107 m hohen Turm wird ein Hyatt Hotel mit 247 Zimmern und Konferenzzentrum einziehen. Auf dem Dach wird es ein Schwimmbad geben. Verbunden sind beide Hochhäuser durch ein gemeinsames Gebäude zu ihren Füßen, einem Einkaufszentrum mit vielen Geschäften und Restaurants.

Hochhaushotel mit Wald geplant

Stefano Boeri will aber dafür sorgen, dass die beiden Nanjing Tower nicht lange die einzigen in Asien mit vertikalem Wald bleiben. Inzwischen hat er ein Hotelprojekt für die chinesische Provinz Guizhou vorgestellt. Ein Hotel im Wald, sozusagen.

Spektakulär in Sachen Wald ist auch dieses Hochhausprojekt in Vietnam. Da werden drei grüne Hochhäuser auch noch durch grüne Hängebrücken verbunden.

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Von Axel Mörer-Funk
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