17.06.2015, 08:51 Uhr | 0 |

3D-Druck in großem Stil Stahlbrücke in Amsterdam wird von Robotern vor Ort ausgedruckt

Diese Fußgängerbrücke wird Scharen von Neugierigen anlocken: Über einer Gracht in Amsterdam werden zwei Roboter mit 3D-Druckern eine Stahlbrücke drucken. Das werden sie an Ort und Stelle tun. Sie arbeiten sich von beiden Ufern vor, bis die Stahlbögen zusammentreffen.

Simulation eines Brückenbaus per Roboter
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Simulation eines Brückenbaus per Roboter: Die Roboter fahren auf den von ihnen selbst gefertigten Stahlelementen. Der 1500 °C heiße Stahl wird praktisch in die Luft gespritzt und erstarrt.

Foto: Joris Laarman

Im 3D-Druck, der sich rasant entwickelt, wird gerade ein neues Kapitel aufgeschlagen. Dabei liegt die neue Brückenkonstruktion, die in Amsterdam bis 2017 entstehen soll, technisch gesehen irgendwo zwischen bereits verfügbaren 3D-Drucken im medizinischen Bereich und den immer noch utopisch anmutenden Behausungen, die für eine Marsbesiedlung denkbar wären. Funktional und schön soll sie werden, die Fußgängerbrücke über eine von Amsterdams Grachten. Das Besondere: Die Metallkonstruktion wird an Ort und Stelle von Robotern im 3D-Druckverfahren gebaut.

Die Roboter zeichnen mit flüssigem Metall in die Luft

Amsterdam hat bereits rund 1280 Brücken, aber dem niederländischen Designer Joris Laarman geht es weniger um eine weitere Fußgängerüberquerung als um die Brückenkonstruktion selbst. Als Gemeinschaftswerk zwischen dem Software-Unternehmen Autodesk, der Konstruktionsfirma Heijmans und dem Spezialisten für 3D-Druck MX3D soll die gedruckte Brücke entstehen.

Die genaue Stelle für den Brückenbau haben Laarmans Planungsbüro und die Stadt Amsterdam noch nicht bekannt gegeben, aber die Idee ist ambitioniert. An den beiden Ufern einer Gracht sollen sich zwei Roboter gegenüber stehen und mit dem Bau gleichzeitig beginnen. Während sie aus ihren Düsen das flüssige Metall praktisch in die Luft zeichnen, bewegen sie sich auf der Konstruktion vorwärts, die sie selbst errichten. Irgendwann werden sich beide Brückenbauteile über der Mitte der Gracht treffen.

Für den Druck wird das Metall auf 1500 °C Celsius erhitzt

„Diese Brücke wird zeigen, wie der 3D-Druck jetzt auch in großem Maßstab für funktionale Objekte und mit nachhaltigen Materialien entstehen kann. Gleichzeitig haben wir eine noch nie dagewesene Freiheit in der Form“, schwärmt Designer Laarman, der mit MX3D, das er selbst als Ableger seines Designlabors gründete, bereits früher 3D-Skulpturen geschaffen hat.

Mit herkömmlichen 3D-Druckern haben die industriellen Roboter von MX3D kaum noch etwas gemeinsam. Für das Brückenprojekt werden sie Stahl verarbeiten, wobei das Metall zuvor auf 1500 °C erhitzt wird. Grundsätzlich könnten die Roboter aber auch Kunststoff oder eine Materialkombination drucken. Ihr großer Vorteil liegt außerdem darin, dass sie die Fabrik verlassen und direkt auf der Baustelle eingesetzt werden können.

Besucherzentrum soll eingerichtet werden

„Mit den Robotern, die sich auf sechs Achsen bewegen und arbeiten können, sind wir in den Designmöglichkeiten viel weniger limitiert als bisher“, sagt Tim Geurtjens, der technische Direktor von MX3D. „Indem wir eine funktionstüchtige Brücke in Lebensgröße drucken, können wir die endlosen Möglichkeiten der neuen Technik zeigen.“ Ab September dieses Jahres soll es ein Besucherzentrum geben, in dem die Fortschritte des Brückenbaus von der Öffentlichkeit mitverfolgt werden können. Die Fertigstellung der gedruckten Brücke ist für 2017 geplant.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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