09.12.2014, 11:15 Uhr | 0 |

AKWs in Serie produzieren Europa im Visier: China drängt in den Export von Kernkraftwerken

In China befinden sich gegenwärtig 45 Kernkraftwerke im Bau. Der Ausbauplan für die Stromerzeugung sieht ein besonderes Wachstum der Kernenergie im Land vor. Zugleich will die Volksrepublik mit dem Bau von AKWs zu einer bedeutenden Exportindustrie werden. Dabei richtet sich der Blick in Peking besonders auf Europa als Standort für Atommeiler  “made in China”.

Bau eines Reaktors für Kernkraftwerk in China
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China setzt nicht nur im eigenen Land auf Atomenergie, sondern will mit dem Bau von Kernkraftwerken in Europa groß ins Exportgeschäft einsteigen. 

Foto: CGN

Die chinesische Kernkraftindustrie beschäftigt sich bereits intensiv mit Exportplänen. So ist es den beiden großen Kernkraftwerksherstellern CNNC (China National Nuclear Corporation) und NPTC (Nuclear Power Technology Corporation) unter anderem gelungen, sich als Junior Partner der französischen Kernkraftwirtschaft am Bau des ersten neuen Kernkraftwerks Hinckley Point in Großbritannien zu beteiligen.

Wie das chinesische Regierungsblatt “China Daily” berichtet, ist bereits die Entscheidung gefallen, bei der Ausschreibung der beiden nächsten britischen Kernkraftwerke mitzubieten. Und dies soll nicht mehr in einer Rolle als Junior-Partner geschehen. Weitere Exportmärkte für Kernkraftwerke, die die Chinesen besonders interessieren, sind die früheren Ostblockstaaten in der EU sowie der Nahe Osten. „Der Export von einem Kernkraftwerk ist mehr wert als der Verkauf von einer Million Personenwagen im Ausland”, hat der bisherige Chef der National Energy Administration Zahn Guabao das besondere Interesse der chinesischen Führung am Kernkraftwerksexport begründet.

Kernkraftwerk-Export ist für die Chinesen Chefsache

Chinas Premierminister Li Kequiang nimmt sich inzwischen nicht mehr nur des Eisenbahnexports sondern zugleich auch des Kernkraftwerkexports persönlich an. Das hat in Verhandlungen mit dem britischen Regierungschef David Cameron bereits zu einer Vereinbarung geführt, die es den Chinesen ausdrücklich ermöglicht für Kernkraftwerksbauten auf den britischen Inseln bei den Ausschreibungen bieten zu dürfen.

Serienproduktion: China baut schnell und günstig

Das Land des Lächelns setzt auf zwei Verkaufsargumente: Zum einen ist dies das Tempo, mit dem die Anlagen gebaut werden können und zum anderen ein besonders günstiger Preis. Beides leitet sich nach chinesischer Darstellung aus der hohen Zahl gleichartiger Kernkraftwerke ab, die im eigenen Land im Bau sind. Dabei wird inzwischen in China der Bau von Kernkraftwerken nicht mehr als eine Reihe von Einzelvorhaben, sondern als kostengünstigere Serienproduktion betrachtet. 

Ein Traktor faehrt an den beiden Bloecke A (r.) und B (l.) und den Kuehltuerme des Blocks B des Atomkraftwerks (AKW) Biblis am Freitag (25.07.03) nahe der suedhessischen Stadt Biblis vorbei. Der Reaktorblock A steht seit Mitte April still, nachdem festgestellt worden war, dass beim Bau der Anlage 1974 ein zu kleines Sieb vor den Pumpen fuer das Notkuehlsystem eingebaut worden war, so dass der Querschnitt der Sumpfansaugsiebe nur gut halb so gross ist wie vorgeschrieben. Betreiber des Atomkraftwerk ist die RWE Power.Foto: Thomas Lohnes/ddp
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Während Deutschland sich von der Atomenergie verabschiedet, plant China mit dem Bau von Kernkraftwerken in Europa den großen Einstieg ins Exportgeschäft. 

Foto: Thomas Lohnes/dapd

Analysen des europäischen Marktes haben den Chinesen gezeigt, dass in Europa in jüngerer Zeit ­– vor allem in Finnland und Frankreich – die Bauzeiten neuer Kernenergieanlagen ungleich länger als zugesagt dauern und zugleich auch zu ganz erheblichen Mehrkosten führen. In Peking glaubt man beides vermeiden zu können und damit einen Trumpf in der Hand zu halten.

Hausgemachte Probleme beseitigen

China will beim Exportgeschäft aus seinen Fehlern lernen: Eine Analyse der bisherigen chinesischen Eisenbahn-Ausfuhroffensive hat in Peking auf höchster Ebene zu erheblicher Unzufriedenheit geführt. Der Grund: die Konkurrenz zwischen chinesischen Firmen im Inland mit chinesischen Unternehmen im Ausland. Genau das soll beim Kernkraftwerksexport nun ausdrücklich vermieden werden. Daher soll so schnell wie möglich die chinesische Kernenergiewirtschaft in einem Unternehmen zusammengefasst werden.

Fusion dreier Unternehmen geplant

Bisher konkurrieren die beiden chinesischen Kernkraftwerksbauer CNNC und NPTC im In- und Ausland miteinander. Beide sind aber nicht nur Lieferanten von Kernkraftwerken sondern auch Betreiber derselben. Dritter im Geschäft ist die China General Nuclear Power (CGNP). Sie betreibt 64 Prozent der Kernkraft-Stromerzeugungskapazität in der Volksrepublik und ist mit einem Teil ihres Kapitals nicht in Staatshand sondern seit kurzem über die Börse in privatem Besitz. Nur die genannten drei Unternehmen dürfen bisher die Mehrheit an Kernkraftwerken in China halten. Damit kann nach Regierungsmeinung der sichere Betrieb dieser Anlagen weit besser gewährleistet werden, als wenn jeder örtliche Stromversorger sein eigenes Kernkraftwerk managen könnte.

Um die Form des Zusammenschlusses der drei großen Unternehmen wird derzeit in Peking von den Politikern gerungen. CNNC gilt dabei in der Hauptstadt als am einflussreichsten, weil dieses Unternehmen das frühere “Zweite Ministerium für Maschinenbau” war und die erste Atom- wie später auch die erste Wasserstoffbombe des Landes entwickelt hatte. Später kam der Bau des ersten kerngetriebenen Unterseeboots hinzu. CNNC verfügt auch über eine durchgehende Versorgungskette. Das heißt, im Konzern werden die Anlagen selbst gefertigt, Uran angereichert und Brennstäbe selbst produziert. CNNC kämpft in Peking darum, das aufnehmende Unternehmen bei dem Zusammenschluss zu werden.

Schon heute ist China laut Internationaler Energieagentur IEA Weltmarktführer beim Bau von Kernkraftwerken.

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Von Peter Odrich
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