10.04.2017, 09:30 Uhr | 1 |

Zivile Drohnen Fünf vielversprechende Anwendungen für Drohnen

Drohnen sind alltagstauglich geworden. Sie werden genutzt, um Gaspipelines zu überprüfen, Pakete zuzustellen und Katastrophenhelfer zu unterstützen. Wir haben einige zivile Anwendungsfälle zusammengetragen.

Drohne Inspektion Stromnetz
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Eine Drohne von Microdrones auf dem Weg zu ihrem Einsatz: der Inspektion eines Stromnetzes.

Foto: microdrones GmbH

Logistik: Fliegende Paketzusteller

Die öffentliche Debatte nahm Fahrt auf als Amazon ankündigte, demnächst Drohnen statt Menschen als Paketzusteller einzusetzen. Die Argumente dagegen reichten von befürchteten Arbeitsplatzverlusten über Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre bis zur Überlastung des bodennahen Luftraums. Doch diese Technik ließ sich nicht aufhalten. Amazon startete seine Tests zur fliegenden Paketzustellung in Großbritannien – mit Drohnen, die von dem Moment, in dem sie den Boden verlassen, über die Zustellung des Pakets bis zur Rückkehr ins Logistikzentrum autonom agieren. Bei ihrem Jungfernflug am 7. Dezember 2016 war die Amazon-Drohne bereits in der Lage, ein Paket mit bis zu 5 Pfund Gewicht (umgerechnet etwa 2,3 kg) zu transportieren.

In Deutschland operiert DHL bereits seit 2013 mit fliegenden Zustelldrohnen – der Paketkopter des Paketdienstleisters ist mittlerweile in der dritten Generation. Er kann eine Geschwindigkeit von rund 70 km/h erreichen und bis zu 2 kg Gewicht transportieren. Getestet wurde er bisher in schwer zugänglichen Bereichen und bei Eiltransporten, etwa einer Medikamentenlieferung auf die Insel Juist.

Und was machen andere Unternehmen in der Logistikbranche? Der Paketdienst UPS hat ein Zustellauto mit Drohnen-Hangar entwickelt und lässt die surrenden Helferlein vom Dach des Fahrzeugs starten. Google hat zuletzt getestet, ob sich warmes Essen per Drohne zuverlässig zustellen lässt.

Intralogistik: Drohnen für die Produktionshalle

Nicht nur Paketzusteller, auch Autohersteller haben Drohnen für den Transport für sich entdeckt. Im Werk in Ingolstadt testete Audi Drohnen als Alternative zur flurgebundenen Warenzulieferung in der Werkshalle. Stapler, flurgebundene Transportsysteme (FTS) und Fahrräder benötigen für Eilabrufe am Band rund 15 Minuten, eine Drohne könnte in einem Drittel der Zeit Abhilfe schaffen, sagte Philipp Wrycza vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML gegenüber Produktion.

Die Besonderheit des Intralogistik-Einsatzes ist zum einen die Nähe zum Menschen, die bei einem fliegenden Gesamtgewicht von rund 5 kg, zum Sicherheitsrisiko werden kann. Außerdem steht in Werkshallen nur bedingt GPS zur Verfügung, die Navigation muss also über Wlan realisiert werden.

Qualität: Inspektion von Energieanlagen

Verschleiß an Energieanlagen kann zu erheblichen Sicherheitsrisiken führen. Egal ob beschädigte Rotorblätter einer Windenergieanlage erkannt oder Lecks in Gaspipelines entdeckt werden müssen – Drohnen übernehmen diese Aufgabe mittlerweile äußerst zuverlässig. Anders als bei den Paketdrohnen müssen die Inspektionsdrohnen allerdings von Menschenhand gesteuert werden. Dennoch minimiert ihr Einsatz das Risiko und den Aufwand für die Betreiber und die Inspekteure, denn die zu prüfenden Stellen sind nicht selten in luftiger Höhe oder in unmittelbarer Nachbarschaft von mit 110.000 Volt geladenen Stahlseilen.  

Auf der Cebit 2017 in Hannover führte der US-amerikanische Chiphersteller Intel in einem eigenen Drone Park vor, welche industriellen Wartungsaufgaben seine unbemannten Flugobjekte (kurz UAV) erbringen können. Matthias Beldzik, Verantwortlicher beim Drohnen-Hersteller Ascending Technologies, ist von der Wirtschaftlichkeit der ferngesteuerten Wartung überzeugt: Bei einer Ölbohrinsel etwa läge das Einsparpotenzial mit einer Drohne im Vergleich zur herkömmlichen Wartung mit Baugerüsten bei bis zu 90%. „So eine Anlage muss für eine aufwendige Inspektion monatelang stillstehen. Mit einer Drohne dauert das vielleicht 14 Tage", erklärte Beldzik.

Für den Chiphersteller war beim Kauf von Ascending Technologies im vergangenen Jahr wohl ein anderes Argument ausschlaggebend: Mit den gesammelten Daten mehrerer Drohnenflüge lassen sich per Software ohne größeren Aufwand Veränderungen in der Bausubstanz, in der Festigkeit oder der Oberflächenstruktur feststellen.

Sicherheit: Drohnen als Katastrophenhelfer

Nicht nur produzierende Unternehmen setzen Drohnen bei ihrer Arbeit ein, auch zivile Sicherheitsbeauftragte wie Feuerwehr oder Katastrophenschutz nutzen die Dienste der fliegenden Helfer. Ausgestattet mit entsprechenden Kameras können Drohnen aktuelle Einsätze dokumentieren, vermisste Personen ausfindig machen oder nach Erdrutschen statische Landkarten aktualisieren, damit die Helfer umgehend wissen, womit Sie vor Ort zu rechnen haben und wie sie zum Unglücksort vordringen können.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR hat dazu im März 2017 ein System getestet, das Luftbilder zu einer interaktiven Karte verknüpft und den Rettungskräften am Boden als Live-Landkarte zur Verfügung stellt.

Öffentlichkeit: Virtuelle Besuche ermöglichen

Nicht zuletzt lassen sich spektakuläre Eindrücke von Großveranstaltungen oder neuen Bauwerken durch Drohnen übermitteln. So fand die Halbzeitpause beim diesjährigen Super Bowl unter einer Flagge aus leuchtenden Quadrokoptern statt und in Deutschland wurde die Eröffnung der Elbphilharmonie mit einem eindrücklichen Video garniert, mit dem Neugierige Zuhause vor dem Computer das neue Hamburger Wahrzeichen von innen bestaunen können – auf Sicht einer Drohne.

Zu den genannten Einsatzgebieten kommen ständig neue hinzu, Wissenschaftler und Unternehmer entdecken die Technik für sich und adaptieren sie für völlig neue Anwendungsfälle. Auf der Cebit 2017 gab es zuletzt einige Neuheiten zu sehen, die unter anderem für die Inspektion von Schiffsrümpfen oder in der Landwirtschaft eingesetzt werden sollen:

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Von Lisa Schneider
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kommentare
16.04.2017, 14:48 Uhr Progetti
Drohnen, die einen Lawinen- Suchhund ersetzen können, wären interessant: die Drohne sucht mittels Infrarot- Optik den Standort des Verschütteten auf und bestimmt mittels eines Körperform- Erkennungssystems die Lage des Kopfes. Dann wird eine Doppel- Ballon- Sonde nach unten ausgefahren. Ein kleiner Ballon an der Sondenspitze schützt vor Augen- Verletzungen, der zweite anschließende viel größere Ballon wird nach Erreichen des Verschütteten- Kopfes vom Sonden- Mantel her aufgeblasen, gleichzeitig wird auch etwas Luft durch die Sonde nach unten geblasen, und dann wird die Sonde langsam nach oben zurückgezogen, während sich der große Ballon noch weiter vergrößert. Es entsteht im Schnee ein trichterförmiger Schacht für die Luftzufuhr.
So könnte bis zum Eintreffen der Rettungsmannschaft die Überlebens- Chance des Verschütteten entscheidend verbessert werden.

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