02.02.2015, 06:55 Uhr | 0 |

Nach dem Baukastenprinzip Textilien veredeln: Bis zu sechs Funktionen in einer Beschichtung möglich

Mit einem neuen Verfahren erhalten Textilien in einem einzigen Arbeitsschritt bis zu sechs verschiedene Eigenschaften – von wasserabweisend über abriebfest bis zu flammstabil. In der Beschichtungslösung lassen sich die unterschiedlichen Funktionen wie in einem Baukasten miteinander kombinieren.

Funktionskleidung
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Für Funktionskleidung, wie sie diese beiden Männer tragen, haben Fraunhofer Forscher ein neues Verfahren entwickelt, mit dem Textilien mit nur einer Beschichtung bis zu sechs Funktionen erfüllen. Sie kann gleichzeitig abriebfest, flammstabil, wasserabweisend, antimikrobiell, antistatisch und waschbeständig gemacht werden. 

Foto: Zhangmoon618/Wikimedia

Textilien können heute, je nach gewünschter Funktion, die unterschiedlichsten Eigenschaften mitgegeben werden. Von der Funktionskleidung für den Sport, über Schutzkleidung bis zu Taschen, Säcken oder Seilen müssen verschiedene Anforderungen erfüllt werden, etwa was die Festigkeit, den Abrieb oder den Flammschutz betrifft. In der Textilausrüstung werden deshalb häufig mehrere, auch nicht kompatible Eigenschaften, miteinander kombiniert. Das war bisher nur mit einer Mehrfachbeschichtung oder sogar mit der Verbindung mehrerer Materialien möglich.

InnoSolTEX: Beschichtungssystem auf Wasserbasis

Ein neues Verfahren ermöglicht es nun, dass die Textilie in einer einzigen Veredelungslösung mit bis zu sechs Funktionen ausgerüstet wird. So kann sie gleichzeitig abriebfest, flammstabil, wasserabweisend, antimikrobiell, antistatisch und waschbeständig gemacht werden. InnoSolTEX heißt dieses Beschichtungssystem auf Wasserbasis. Entwickelt wurde es vom Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC in Würzburg, gemeinsam mit dem Sächsischen Textilforschungsinstitut und einigen mittelständischen Unternehmen der Textilveredelungsindustrie.

Fraunhofer-Forscher entwickelten Stoffklasse der Ormocere

Während also bisher die Rezepturzusammenstellung bei der Veredelung einer Textilie zur Herausforderung wurde, weil sich die chemischen Eigenschaften mancher Textilhilfsmittel nicht miteinander vertragen, soll dies im neuen Verfahren kein Problem mehr sein. Basis für das innovative Beschichtungssystem ist die am Fraunhofer ISC entwickelte Stoffklasse der Ormocere. Das sind polymere Werkstoffe, in denen in einem anorganisch-organischen Netzwerk mehrere Einzelkomponenten miteinander verbunden werden.

Neues Verfahren funktioniert auch auf bestehenden Produktionsanlagen

Das Ganze, so berichtet das Fraunhofer ISC, funktioniere dann wie ein modulares System, in dem die gewünschten Funktionen und Eigenschaften individuell konfiguriert werden können. Nach dem Baukasten-Prinzip könnten so bis zu sechs Funktionen in einer Beschichtungslösung kombiniert werden.

InnoSolTex lasse sich genauso gut verarbeiten wie klassische Textilhilfsmittel und könne sowohl auf Bahnenware als auch auf Gewebe, Vliesstoffen oder Fäden aufgetragen werden. Außerdem könne das Verfahren auf den bestehenden Produktionsanlagen eingesetzt werden.

Neue Beschichtung vielfältig einsetzbar

Das Sächsische Textilforschungsinstitut hat das neue Beschichtungsmaterial inzwischen einem ersten Praxistest unterzogen. Dabei wurden die Textilien bei 110 Grad Celsius getrocknet, über längere Zeit einer Temperatur von 170 Grad ausgesetzt und bei 60 Grad gewaschen. Dabei sei auch nach mehreren Waschgängen kein Pilling aufgetreten, also keine Knötchenbildung von Fuseln, und die Textilien seien zum Beispiel auch in ihren antimikrobiellen Eigenschaften beständig geblieben.

Weitere Einsatzbereiche für die neuen Textilbeschichtungen sind laut Fraunhofer ISC  absehbar, etwa in der Luftreinigung. Filtervliesstoffe für Klimaanlagen in öffentlichen Gebäuden, Hotels oder auch Pkws könnten mit der neuen Beschichtung funktionalisiert werden. Flammhemmende Eigenschaften von Textilien könnten im Brand- und Feuerschutz weiteren Nutzen bringen. Beispielsweise für Gardinen in großen Räumen oder öffentlichen Einrichtungen. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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