17.02.2014, 11:59 Uhr | 0 |

Telefonate nach Feierabend sind Arbeit BMW-Mitarbeiter haben künftig das Recht auf Unerreichbarkeit

Telefonate und E-Mails nach Feierabend gelten bei BMW künftig als Arbeitszeit. Dazu hat der Automobilkonzern mit dem Betriebsrat eine Vereinbarung geschlossen. Zudem können die Mitarbeiter festlegen, wann sie unerreichbar sind.

Produktion des i3 im BMW-Werk in Leipzig
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Produktion des i3 im BMW-Werk in Leipzig: Künftig müssen BMW-Mitarbeiter nach Feierabend nicht mehr für Kommunikation per E-Mail und Mobiltelefon erreichbar sein. Das sieht eine Vertriebsvereinbarung vor.

Foto: BMW

Die BMW-Mitarbeiter haben nach dieser Vereinbarung künftig ein Recht auf Unterreichbarkeit, bestätigte ein BMW-Sprecher am Sonntag eine Meldung des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Die Mitarbeiten können nun Zeiten angeben, in denen sie unerreichbar sind. Ansonsten werde die Zeit, die sie für E-Mails und Telefonate aufbringen, auf die Arbeitszeit angerechnet. BMW will mit dieser Regelung die Gefahr verringern, dass seine Mitarbeiter einen Burnout erleiden. Außerdem erhofft sich der Konzern, dadurch attraktiver für gut ausgebildete Fachkräfte zu werden.

Viele Beschäftigte arbeiten zehn Stunden mobil

Zehn und mehr Stunden pro Woche werden häufig für die sogenannte Mobilarbeit verwendet: Noch schnell die E-Mails checken vor dem Schlafengehen, in der Bahn noch einmal die Präsentation kontrollieren, ein Anruf mit Geschäftspartnern in Übersee nach dem Abendessen. Bei BMW ebenso wie in anderen Unternehmen machen das vor allem Angestellte in der Verwaltung, der Entwicklung, dem Rechnungswesen und anderen Abteilungen. 30 Prozent aller Angestellten sind praktisch rund um die Uhr erreichbar, ebenso viele zu festen Zeiten außerhalb ihrer Arbeitszeit, stellte eine Studie des Unternehmensverbands Bitkom im vergangenen Jahr fest.

Feste Regelungen zur elektronischen Erreichbarkeit gibt es laut Studie in den meisten Unternehmen jedoch nicht. Auch bei BMW galt dieser Einsatz nach Feierabend bislang nicht als Arbeitszeit. Gesetzliche Regelungen dazu forderte deshalb vor einigen Monaten IG-Metall-Chef Detlef Wetzel. Die Digitalisierung dürfe nicht dazu führen, dass Arbeitnehmer rund um die Uhr erreichbar seine. Er forderte von der großen Koalition strenge Regeln gegen Stress im Job und zu Hause.

Politik will Problem nicht einheitlich lösen

Die Politik setzt bislang weitgehend auf interne Regelungen in den Unternehmen selbst. Und die gibt es auch bereits. So müssen VW-Mitarbeiter seit zwei Jahren eine halbe Stunde nach Feierabend keine E-Mails mehr abrufen. Der Betriebsrat hatte eine Vereinbarung geschlossen, nach der diese Funktion für Blackberry-Geräte dann abgeschaltet wird. Die Telekom fordert ihre Mitarbeiter auf, in der Freizeit und im Urlaub berufliche Telefonate und dienstliche Schreiben zu unterlassen, ähnliche Beschränkungen gibt es bei E.On und Puma.

Und auch die Politik selbst geht mit gutem Beispiel voran: Im Arbeitsministerium gilt seit 2012 ein Kodex, nach dem Führungskräfte ihre Mitarbeiter nur in begründeten Ausnahmefällen in ihrer Freizeit stören dürfen. Eine Selbstausbeutung solle vermieden werden, heißt es darin.

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Von Andrea Ziech
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