Photovoltaik 13.04.2012, 11:58 Uhr

Solar-Projekt Helios: Griechenland will Sonne versilbern

Mit dem EU-Projekt Helios sollen bis 2020 hocheffiziente Solarstromkraftwerke in Griechenland mit rund 10 GW Nennleistung Ökostrom produzieren. Via Stromkabel durch die Adria soll ein Großteils des regenerativ erzeugten Stroms nach Süddeutschland eingespeist werden. Und den Griechen ein bisschen mehr der so arg benötigten Wirtschaftskraft bringen.

Die Götter meinen es gut mit den Griechen: Schon am frühen Morgen lässt der Frühling über der Athener Altstadt Plakka in der Osterwoche am Himmel sein blaues Band wieder flattern. Wolkenlos und sonnig mit 17 °C bereits zur Frühstückszeit. Das Thermometer verspricht, an diesem Apriltag deutlich über 20 °C zu klettern.

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Der meist gut gelaunte EU-Energiekommissar Günther Oettinger strahlt an diesem Morgen in der griechischen Hauptstadt noch mehr als sonst in Brüssel. Als Hauptredner stellt er auf einer EU-Energiekonferenz zum Thema „Erneuerbare Energien und die Infrastrukturentwicklung Südeuropas“ das EU-Energieprojekt Helios vor. Oettinger hat die Vision eines grüneren Europas, basierend auf einem Anteil von bis zu 50 % regenerativer Energien an der Stromerzeugung bis 2050. Bis 2020 soll das strategische Ziel erreicht sein, einen Anteil von 20 % am tatsächlichen Stromverbrauch der EU mit Energiegewinn aus Erneuerbaren zu erzielen.

Solar-Projekt Helios erfüllt Oettingers Visionen

Ein Flaggschiffprojekt für Oettingers Visionen soll hierbei Helios in Griechenland werden, benannt nach dem Sonnengott der griechischen Mythologie. Mit der zwischen Athen und Brüssel eng verzahnten Initiative soll die europäische Zusammenarbeit im Bereich erneuerbarer Energien auf eine neue Grundlage gestellt werden. Ziel ist es, die Kosteneffizienz der Ökostromerzeugung deutlich zu steigern und den Solarstrom in den sonnenreichen Regionen Südeuropas bis zum Ende des Jahrzehnts ohne direkte Subventionierung konkurrenzfähig zu machen.

Um diese Entwicklung erfolgreich vorzubereiten, müsse das Helios-Projekt von Beginn an den Ressourcenvorteil Griechenlands überzeugend in einen ökonomischen Vorteil für die europäischen Verbraucher umsetzen. Oettinger bringt dies auf die griffige Formel: „Mehr Sonne gleich niedrigere Preise“.

In der Tat liegt die mittlere jährliche Sonneneinstrahlung in Griechenland mit 1800 kWh/m2 mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland. Kein Wunder also, dass allein das Sonnenenergiepotenzial für Griechenland bei konsequenter technologischer Nutzung schon über 20 % der Stromerzeugung ausmachen könnte.

Solar-Projekt Helios: Griechische Sonne als Exportschlager

Mehr noch: Die griechische Sonne könnte den defizitären, nahezu bankrotten Staat aus den roten Zahlen führen und zum Exportschlager werden. Bei einem Ausbau auf bis zu 10 GW elektrische Nennleistung, wie von der griechischen Regierung derzeit geplant, würden nach griechischer Lesart bis zu 60 000 Arbeitsplätze vor Ort entstehen – vorausgesetzt, ein erheblicher Teil der Photovoltaikmodule würde auch tatsächlich auf den griechischen Inseln entstehen.

Der griechische Wirtschaftsminister George Papaconstantinou kündigte an, Photovoltaikanlagen auf einer Gesamtfläche von 200 km2 zu errichten. Die Flächen hierfür will der griechische Staat zur Verfügung stellen. Die Voraussetzungen für eine EU-Kofinanzierung sind nach Angaben der EU-Kommission auf einem gutem Weg. Schon bis 2017 will Griechenland Photovoltaikanlagen nach einer Pilotphase im ersten Abschnitt mit 300 MW Leistung errichten.

Für den griechischen Solarstrom soll mithilfe des europäischen Höchstspannungsnetzverbundes ENTSO-E (European Transmission Systems Operators) ein Netz von 35 000 km bis 2020 aufgebaut werden Kosten ca. 25 Mrd. €.

Um den griechischen Sonnenstrom aufs europäische Festland zu bringen, sind verschiedene Varianten denkbar: Landtrassen über den westlichen oder östlichen Balkan bzw. über den italienischen Landweg die Apenninenhalbinsel hinauf via Österreich oder die Schweiz bis nach Süddeutschland.

EU: Helios-Strom soll durch die Adria nach Deutschland fließen

Die EU-Kommission favorisiert eine Seekabelverbindung durch die Adria mit kurzen Landwegtrassen durch Italien und Österreich bis an die deutsche Grenze. Eine derartige Verbindung würde eine Transportkapazität von bis zu 10 GW aufweisen, wo hingegen die aufwendigeren Landtrassen nur Kapazitäten von 150 MW bis 800 MW schaffen würden.

Ein griechisches Einspeisegesetz soll in der ersten Projektphase privates Kapital mobilisieren. Hans Ten Berge, Generalsekretär der Europäischen Elektrizitätsindustrie (Eurelectric), zeigt sich in Athen zuversichtlich, dass das griechische Modell ausreichend Kapital in den südeuropäischen Sonnengürtel bringen werde.

Bundesregierung dämpft Hoffnung auf Hilfe für Solarindustrie in Griechenland

Die Bundesregierung hat hingegen auf der Konferenz in Athen Hoffnungen auf eine Hilfe beim Ausbau der dortigen Solarindustrie gedämpft. Umwelt-Staatssekretär Jürgen Becker machte deutlich, dass für Deutschland der Import von griechischer Sonnenenergie derzeit nicht infrage komme.

Priorität habe für Deutschland der Ausbau der erneuerbaren Energien im Inland, sagte Becker der Konferenz. Er verwies zudem darauf, dass der Einkauf von Solarenergie aus Griechenland zurzeit viel zu teuer wäre, da der Staat dort den Betreibern von Solaranlagen höhere Preise garantiere: „Gegenwärtig ist der Solarstrom trotz der deutlich höheren Sonneneinstrahlung in Griechenland fast doppelt so teuer wie in Deutschland.“ Zudem müsse die Athener Regierung Beckers Worten zufolge erst noch die Grundlagen dafür schaffen, dass ausländische Unternehmen angezogen würden.

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