Ingenieure bei der Feuerwehr 15.07.2013, 13:14 Uhr

Feuerwehrleute brauchen viel technisches Verständnis

Teamgeist, anspruchsvolle Aufgaben und die Gewissheit, anderen zu helfen: Es spricht vieles für die Arbeit bei der Feuerwehr. Gerade für Führungspositionen werden Ingenieure gesucht. An Bewerbern hapert es allerdings – vor allem Frauen finden nur selten Zugang zur Feuerwehr.

Für Sicherheitsingenieur Thomas Tremmel (2.v.r.) ist der Feuerwehreinsatz, wie hier an der Düsseldorfer Königsallee, weniger mit körperlicher als mit koordinierender Arbeit verbunden.

Für Sicherheitsingenieur Thomas Tremmel (2.v.r.) ist der Feuerwehreinsatz, wie hier an der Düsseldorfer Königsallee, weniger mit körperlicher als mit koordinierender Arbeit verbunden.

Foto: Feuerwehr Düsseldorf

Ein Notruf geht ein. Großbrand im Gewerbegebiet. In der Einsatzleitstelle der Feuerwehr nehmen die Mitarbeiter die ersten Informationen über den Brandort und die Anzahl und Art der Verletzten auf. Die nächstgelegene Feuerwache wird alarmiert und erfährt mithilfe des Einsatzleitrechners, welche Fahrzeuge in diesem Fall ausrücken müssen.

Bei schweren Bränden können drei oder mehr Löschzüge erforderlich sein. Ein einzelner Löschzug kann aus einem Einsatzleitwagen, zwei Hilfeleistungslöschfahrzeugen, einer Drehleiter und einem Rettungswagen mit 18 Einsatzkräften bestehen.

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Feuerwehr Düsseldorf: 3000 Brände in nur einem Jahr

Entsprechend groß ist das gesamte Team, das sich sofort auf den Weg macht: raus aus dem Büro, rein in den Schutzanzug, die schweren Stiefel und den Helm – und direkt zum Ort des Geschehens. In den meisten Fällen aber handelt es sich bei solchen Notrufen zum Glück nicht um große Brandschäden: 3000 Brände waren es bei der Feuerwehr Düsseldorf im Jahr 2011 – eine geringe Zahl im Vergleich zu den insgesamt knapp 118 000 Einsätzen, ein Großteil davon Krankentransporte und Notfalleinsätze. Technische Hilfe leistet die Feuerwehr ebenfalls, etwa bei Sturmschäden oder Verkehrsunglücken.

Egal, um welchen Einsatz es sich handelt: Immer stehen Teamgeist und die Bereitschaft, anderen zu helfen, auf der Tagesordnung. Retter in der Not – diese Idealvorstellung haben viele, die sich bei der Feuerwehr bewerben: „Für einen Großteil unserer Kandidaten ist diese Arbeit ein Abenteuer, ein wahrgewordener Kindheitstraum“, sagt Thomas Lembeck von der Berufsfeuerwehr Essen.

In seinem Beruf hat Lembeck ständig mit dem Nachwuchs zu tun: Er ist Vorsitzender des Arbeitskreises Ausbildung in der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in Deutschland (AGBF Bund). Der Arbeitskreis definiert und prüft die Anforderungen für die zweijährige Ausbildung im feuerwehrtechnischen Dienst. Sie ist Grundvoraussetzung für jeden, der für den Beruf „brennt“.

Ulrich Cimolino tut das schon eine ganze Weile: In seiner Jugend engagierte er sich bei der Freiwilligen Feuerwehr und der Jugendfeuerwehr in seiner bayerischen Heimatgemeinde. Nach dem Studium der Sicherheitstechnik absolvierte er Anfang der 90er-Jahre die Ausbildung zum höheren Dienst und wurde anschließend als Brandrat bei der Feuerwehr Düsseldorf eingesetzt.

Ein Feuerwehrmann hat abwechslungsreiche Aufgaben

Seit 1997 ist Cimolino hier Leiter der Abteilung Technik und ihrer über 70 Mitarbeiter. Sie kümmern sich um die Fahrzeuge und Geräte, die Schutzausrüstung sowie die Informations- und Kommunikationstechnik – um sämtliche Dinge, ohne die ein Feuerwehreinsatz gar nicht möglich wäre. „Wir führen auch Produkttests durch, ermitteln den Bedarf an technischem Equipment, machen Ausschreibungen und bereiten die Vergabe vor“, sagt der 48-Jährige.

Seit fünf Jahren ist er Branddirektor der Feuerwehr Düsseldorf. An drei bis fünf Tagen im Monat übernimmt er für jeweils 24 Stunden den A-Dienst, die höchste leitende Funktion bei umfangreicheren Schäden. Cimolino steht dann für Großeinsätze in ganz Düsseldorf bereit. „Ich habe viele abwechslungsreiche Aufgaben und arbeite häufig im Team mit Kollegen unterschiedlicher Hierarchiestufen zusammen – von Eintönigkeit kann also keine Rede sein.“

Auch nicht für Thomas Tremmel: Der 28-Jährige ist Cimolinos Stellvertreter und seit einem Jahr dabei. Er hat in seiner Ausbildung zum höheren Dienst Feuerwehren und Ausbildungseinrichtungen in ganz Deutschland kennengelernt. Dabei standen Verwaltungsschulungen und Einheiten zur Menschenführung auf dem Programm: Inhalte, die der Sicherheitsingenieur heute als Führungskraft in der Abteilung Technik anwenden kann.

Wie sein Vorgesetzter ist Thomas Tremmel seit einigen Monaten im A-Dienst tätig. Für die vielfältigen Aufgaben trägt er die Hauptverantwortung. Zweimal musste er während eines A-Dienstes selbst ausrücken: zu einer Sicherheitslandung am Flughafen und als Fußballfans in einem Hotel randaliert und die Brandmeldeanlage ausgelöst hatten. In beiden Fällen aber war die Lage schnell wieder unter Kontrolle. Dennoch sagt Tremmel: „Was passiert, ist nie vorhersehbar. Es ist jedes Mal eine tolle Herausforderung, die unterschiedlichen Aufgaben mit dem Team zu lösen.“

Viele Bewerber scheitern am Sporttest

Viele Bewerber scheitern am für alle Dienstgrade obligatorischen Sporttest, der hohe Ansprüche an Kondition und Koordination stellt. Gerade die wenigen Frauen, die sich bewerben, hatten hier in der Vergangenheit oft das Nachsehen, denn die Tests waren in erster Linie auf Männer ausgerichtet. Weibliche Bewerber hatten bei gleicher Fitness kaum eine Chance. Ein Grund dafür, warum der Anteil von Frauen bei den Berufsfeuerwehren bisher bei einem mageren Prozentpunkt lag.

Das soll sich ändern: In Zusammenarbeit mit der Sporthochschule Köln wurde ein gendergerechter Test erarbeitet, der die sportlichen Anforderungen an einen Bewerber prüft und eine Benachteiligung von Frauen ausschließt. Immer mehr Feuerwehren wenden diesen Test inzwischen an, sagt Thomas Lembeck.

Nach einem positiven Votum durch den Deutschen Städtetag folgt für den höheren Dienst noch eine Bewerbung bei der eigentlichen Feuerwehr. Wer auch diese Hürde geschafft hat, gilt zunächst als „Beamter auf Widerruf“ und hat zwei intensive und anspruchsvolle Jahre vor sich.

Währenddessen durchlaufen die Anwärter verschiedene Abteilungen wie die Technik, den vorbeugenden Brandschutz oder den Rettungsdienst. Die Stationen, die sie dabei bundesweit einlegen, können jeweils zwischen drei Wochen und sechs Monaten dauern. „Man ist also insgesamt zwei Jahre lang ständig unterwegs“, sagt Thomas Lembeck. Die Abbrecherquote aber sei gering: „Das liegt vor allem daran, dass wir von vornherein Kandidaten auswählen, die felsenfest von dem Beruf überzeugt sind und ein Stück Idealismus mitbringen.“

Aber Kindheitstraum hin oder her: In ihrem Management und in ihren Strukturen funktioniere die Feuerwehr wie jedes andere Unternehmen auch, meint Lembeck.

Ein Beitrag von:

  • Elena Winter

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