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Warum der Südbonus für neue Gaskraftwerke womöglich zu stark wirkt

01. Mai 2026

Schafft der Südbonus zum Bau neuer Gaskraftwerke für die Versorgungssicherheit die richtigen Anreize?
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Der Bau neuer regelbarer Kraftwerke gehört zu den wichtigen Aufgaben der Energiewende. Je stärker das Stromsystem von Wind- und Solarenergie geprägt wird, desto wichtiger werden Kapazitäten, die einspringen können, wenn erneuerbare Erzeugung wetterbedingt knapp ist. Genau dafür will die Bundesregierung den Bau von bis zu 20 GW neuer Gaskraftwerkskapazitäten bis 2030 anreizen. Ein Teil dieser Strategie ist der sogenannte Südbonus: Er soll dazu beitragen, dass zwei Drittel der künftig ausgeschriebenen Kapazität im „netztechnischen Süden“ entstehen, also in jenen Regionen, in denen Engpässe im Stromtransport heute besonders häufig sind. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Kraftwerke dort zu bauen, wo sie das Netz entlasten, soll Redispatch-Mengen und Systemkosten senken.

Regionale Steuerung für Gaskraftwerke: Wirkt der Bonus präzise?

Hier setzt eine neue Studie unter Leitung der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geotechnologien IEG an. Die Forschenden stellen die Grundidee regionaler Steuerung nicht infrage, prüfen aber, ob der geplante Bonus überhaupt noch präzise wirkt, wenn man die bestehenden Mechanismen mitdenkt. Denn Südstandorte profitieren schon heute von einem Vorteil, der in der politischen Debatte leicht untergeht: der Redispatchvergütung. Wenn Kraftwerke zur Stabilisierung des Netzes ungeplant mehr einspeisen müssen, erhalten sie nicht nur operative Kosten erstattet, sondern unter bestimmten Bedingungen auch eine anteilige Fixkostenerstattung, die sogenannte Werteverbrauchsvergütung. Und genau diese zusätzlichen Einnahmen fallen heute vor allem dort an, wo positive Redispatchmaßnahmen besonders häufig sind – also ebenfalls im netztechnischen Süden.

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Die Forschenden haben analysiert, was passiert, wenn ein neuer Förderanreiz auf einen bestehenden wirtschaftlichen Standortvorteil und diese kumulative Wirkung untersucht. Laut Studie soll der Südbonus als fixer Reduktionswert auf die für die Gebotsreihung entscheidende Kennziffer wirken; genannt wird eine Größenordnung von 200 bis 300 €/kW installierter Leistung. Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass die diskontierte Werteverbrauchsvergütung über die Lebensdauer einer Anlage in einzelnen süddeutschen Regionen bereits ähnliche oder sogar höhere Größenordnungen erreichen kann. Für die Modellregion um Schwaben werden bei niedrigeren Investitionskosten 208 €/kW ausgewiesen; bei höheren Investitionskosten steigt die Spannweite der diskontierten Vergütung laut Studie sogar auf 125 bis 399 €/kW.

Südstandorte sind womöglich schon stark genug im Vorteil

Damit wird aus einem an sich zielgerichteten Bonus ein potenzielles Übersteuerungsinstrument. Wenn Betreiber die möglichen zusätzlichen Redispatch-Erlöse schon bei der Gebotsabgabe einpreisen, kann das Südstandorte noch attraktiver machen, als der Gesetzgeber es mit dem Südbonus eigentlich beabsichtigt. Werden diese unsicheren Erlöse dagegen nicht eingepreist, drohen später überhöhte Zahlungen und Mehrkosten für die Allgemeinheit. In beiden Fällen entsteht ein Problem: Entweder wachsen die Finanzierungskosten wegen höherer Unsicherheit, oder das Fördersystem zahlt am Ende mehr, als für die beabsichtigte Standortsteuerung nötig gewesen wäre. Laut Studie ist es zweifelhaft, ob ein Nebeneinander von Südbonus und bestehender Werteverbrauchsvergütung in der jetzigen Form volkswirtschaftlich sinnvoll ist.

Der Südbonus soll sehr konkret das Ausschreibungsergebnis beeinflussen. Wenn jedoch bereits vorhandene Vergütungsmechanismen denselben Effekt entfalten, kann die politische Feinsteuerung aus dem Gleichgewicht geraten. Dann würden nicht nur die explizit bevorzugten zwei Drittel der Kapazität stärker in den Süden gezogen. Auch beim übrigen Drittel des Ausschreibungsvolumens sehen die Forschenden eine mögliche Benachteiligung nördlicherer Standorte, obwohl sie für die Versorgungssicherheit ebenfalls wichtig sind. Bestehende und geplante Fördermechanismen müssen laut Projektleiter Thorsten sorgfältiger aufeinander abgestimmt werden. Sonst könne auch der Kraftwerkszubau im netztechnischen Norden behindert werden.

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Hinzu kommt, dass der Nutzen des Südbonus ohnehin nicht für alle Zeit gleich groß bleibt. Die Kurzfristanalysen, auf die sich die Studie stützt, zeigen laut Zusammenfassung zunächst weiterhin hohe Redispatch-Bedarfe in den kommenden Jahren. Langfristig soll dieser Bedarf jedoch zurückgehen, vorausgesetzt, der Netzausbau schreitet voran und flexible Kapazitäten werden systemdienlich zugebaut. Das bedeutet, dass der regionale Engpass, den der Südbonus adressiert, zwar energiewirtschaftlich real, aber kein statischer Dauerzustan ist. Gerade deshalb ist es wichtig, dass ein Förderinstrument den Aufbau neuer Kapazitäten nicht grober lenkt, als es der tatsächlichen Systemlage entspricht.

Wie Fehlanreize für den Bau neuer Gaskraftwerke vermieden werden könnten

Die Forschenden zeigen in der Studie auch auch Lösungswege auf. Ein Ansatz wäre, neu ausgeschriebene Anlagen von der anteiligen Werteverbrauchsvergütung auszunehmen. Ein zweiter, wirtschaftlich ähnlicher Weg wäre, erhaltene Werteverbrauchsvergütungen später über einen Clawback-Mechanismus zurückzuzahlen oder mit Förderzahlungen zu verrechnen. Beides hätte aus Sicht der Studienautoren einen Vorteil. Die gewünschte Steuerung über den Südbonus bliebe erhalten, ohne dass zusätzliche Standortverzerrungen oder unnötige Mehrkosten entstehen. Weniger überzeugend erscheint den Forschenden hingegen eine pauschale Einpreisung erwarteter Vergütungen bei der Bemessung des Bonus. Sie könnte zwar Mitnahmeeffekte begrenzen, würde aber die Unsicherheit für Betreiber nicht beseitigen. Damit könnte sie sogar die Wirkung des Instruments schwächen.

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Die Studie soll erteilt neuen Gaskraftwerken keine grundsätzliche Absage und ist auch kein grundsätzliches Nein zu regionaler Steuerung. Das Fraunhofer IEG betont ausdrücklich die Bedeutung wissenschaftlicher Analysen für eine zielgerichtete Kraftwerksstrategie. Laut Institutsleiter Mario Ragwitz sollten neue Kapazitäten jedoch dort entstehen, „wo sie das Energiesystem wirklich stärken“. Genau deshalb ist es sinnvoll, die Ausschreibung so zu gestalten, dass ungewollte Fehlanreize vermieden werden. Es gilt also, mögliche Überlagerung mit bereits bestehenden wirtschaftlichen Vorteilen zu vermeiden.

Die Studie beleuchtet nicht nur die kurzfristige Netzlogik, sondern auch die Lebensdauer der künftigen Anlagen. Gerade dadurch wird sichtbar, wie stark sich scheinbar technische Vergütungsregeln auf Investitionsentscheidungen auswirken können. Die Studie steht online zum kostenlosen Download zur Verfügung.



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