Displaytechnologie 06.07.2012, 11:00 Uhr

Vom Multi-Touch-Screen zum Multi-User-Touch-Screen

Mit LCD-Schirmen ist im Fernsehgeschäft nicht mehr viel Geld zu verdienen. Die Hersteller setzen deshalb auf organische Leuchtdioden (Oleds). Oder auf Touch-Steuerung – auch für mehrere Benutzer gleichzeitig – an großen Schirmen.

„Schnell im Wachstum, langsam im Wandel.“ So charakterisiert Paul Semenza von Displaysearch seine Industrie. Seine Analyse kommt zur richtigen Zeit: zur SID Displayweek, dem jährlichen Treffen der Displayentwickler und -hersteller, Anfang Juni in Boston.

Marktvolumen von LCD-TV, Smartphones und Tablets verdreifacht

Die Displayindustrie, speziell im Segment der LCD-TV-Geräte, ist seit 2005 sehr schnell gewachsen, seitdem die flachen Bildschirme die klobigen Kathodenstrahlröhren ersetzen: von einem Marktvolumen von 12 Mrd. $ auf heute 55 Mrd. $. Das Gleiche gilt für die Smartphone- und Tablet-Displays: von 26 Mrd. $ auf 76 Mrd. $. Letztere mit wachsendem Anteil der Oled-Schirme (organische Leuchtdioden).

Das deutet auf die nächste Umstrukturierung des Display-Geschäfts: von LCDs hin zu Oleds, mit entsprechenden bilanziellen Turbulenzen, Konsolidierungen und Produktionsverlagerungen, etwa von Japan nach Taiwan und China. Alle Hersteller beklagen jahrelange Verluste: „Seit die LCDs die CRTs abgelöst haben“, sagt Industriekenner und Consultant Ross Young, „gibt es keinen neuen Markt mehr, der den Nachschub aufnehmen kann.“

Kein Wunder also, dass die LCD-Hersteller ihre Schirme funktional aufzuwerten suchen. Der historische Erfolg von iPhone und iPad weist ihnen den Weg: zur flinken, berührungsgesteuerten Bedienung ohne Tasten.

Touch-Screen auch und vor allem für große Bildschirme

Alle überlegen, wie sie „Touch“ in ihre Produkte integrieren können. Nicht nur in kleine Datengeräte, sondern auch in große Bildschirme für TV, Video, Spiele, CAD und andere professionelle interaktive Anwendungen im Tischformat. Das ist, wie die Displayweek 2012 zeigte, immer noch ein technologisches Problem, besonders bei der Vergrößerung der Panels über das Tablet-Format hinaus – auch wegen der begrenzten Leitfähigkeit der Elektrodenmatrix zur Ansteuerung der Sensoren. Aber es ist auch eine knifflige Frage der Akzeptanz. „Die Nutzer erwarten heute den ‚Touch First‘-Effekt“, sagt Michael Dolezal vom 3M Touch and Display Materials Lab. Das sind sie von Bank- und Ticketautomaten zur intuitiven Eröffnung der Transaktion gewohnt.

Dann braucht „Touch“ einen verbindlichen Satz von Steuergesten der den Schirm berührenden Finger. Und später, wenn die Evolution von „Touch and Interactivity“ weiter fortschreitet, auch der Hand- und Körpergesten für die räumliche Interaktion mit virtuellen Daten- und Erlebniswelten für Unterhaltung, Fitness und Rehabilitation. „Die Nutzer sollten nichts tragen, halten oder berühren müssen“, sagt John Vincent von Gesturetek. Eine universelle globale gestische „Sprache“ müsse dazu entstehen.

Die meisten Touch-Panel-Anbieter favorisieren derzeit die Technik des „Projective Capacitive Touch“ (PCAP) mit transparenten Elektroden. Entweder als Overlay oder als Integration („In-cell“) unter das Deckglas der Displays. Das sei weniger eine Frage der Technologie, meint Consultant Geoff Walker von Walker Mobile, als das Streben nach höheren Margen seitens der Displayhersteller.

Besonders forschungsintensiv: Der Multi-User-Touch-Screen für mehrere Nutzer

Besonders forschungsintensiv ist die Weiterentwicklung von „Multi-Touch“ (simultane Eingabe mit mehreren Fingern) zum „Multi-User-Touch“ (für mehrere Personen), etwa bei der Präsentation großformatiger Dokumente wie CAD- oder Geschäftsunterlagen.

208 cm Bildschirmdiagonale misst der derzeit größte Multi-User-Touch-Screen

Dafür sollen tischgroße Schirme von „Tabletop“-Dimensionen Verwendung finden. Dabei geht es, wie Adam Bogue von der US-Firma Circle Twelve anmerkt, auch um die sichere Identifizierung verschiedener Teilnehmer an einer Multi-User-Sitzung. Den mit 82 Zoll (208 cm) Diagonale derzeit größten Multi-User-LCD-Schirm für kombinierte Touch- und Pen-Eingabe mit PCAP-Sensoren auf einem nur 2 mm dünnem „Gorilla“-Glas von Corning baut Perceptive Pixel in Portland, Oregon.

Ist PCAP langfristig die beste Lösung? Industrieanalyst Mark Fihn vom Branchendienst „Veritas et Visus“ ist nicht ganz überzeugt. „Es ist noch nicht der endgültige Lösungsansatz.“ Fihn tendiert mehr zu optischen Sensoren. „Optische Abtastung könnte in fünf oder sechs Jahren marktreif sein.“ Ein Ende der Displayinnovationen ist also nicht absehbar.  

  • Werner Schulz

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