Zwischen E-Bike und Motorrad: Dieses deutsche Lightbike fährt 130 km/h
121 kg leicht, bis zu 130 km/h schnell: Das Novus One aus Braunschweig will eine neue Klasse urbaner Elektromobilität schaffen.
Das deutsche Lightbike Novus One fährt bis zu 130 km/h und verbindet E-Bike, Roller und Motorrad in einem neuen Fahrzeugkonzept.
Foto: Novus
Die Elektromobilität bringt ständig neue Fahrzeugkonzepte hervor. Viele verschwinden schnell wieder vom Markt. Andere versuchen zumindest, bekannte Kategorien neu zu mischen. Das deutsche Start-up Novus aus Braunschweig geht nun einen anderen Weg. Das Unternehmen spricht nicht mehr von Roller, Motorrad oder E-Bike. Stattdessen soll mit dem Novus One eine neue Klasse entstehen: das sogenannte Lightbike.
Das Fahrzeug wirkt wie ein futuristisches Fahrrad ohne sichtbare Technik. Tatsächlich steckt darin aber deutlich mehr Leistung. Das Novus One erreicht bis zu 130 km/h und liefert laut Hersteller bis zu 430 Newtonmeter Drehmoment. Gleichzeitig bringt das Fahrzeug nur 121 kg auf die Waage. Möglich wird das durch eine extrem konsequente Leichtbauweise mit Carbon. Nicht nur der Rahmen besteht aus dem Material. Auch Schwinge, Gabel und Felgen fertigt Novus vollständig aus Kohlefaserverbundstoffen.
Inhaltsverzeichnis
Ein Fahrzeug zwischen mehreren Welten
Technisch bewegt sich das Novus One genau zwischen mehreren Fahrzeugklassen. Das Unternehmen kombiniert Eigenschaften aus verschiedenen Bereichen:
- die einfache Bedienung eines E-Bikes
- die Wendigkeit eines Rollers
- die Fahrleistungen eines Motorrads
Genau daraus entsteht das Konzept des Lightbikes. Das Ziel ist klar: urbane Mobilität einfacher, leichter und emotionaler machen. Gleichzeitig soll das Fahrzeug Menschen ansprechen, die bisher kein Motorrad fahren wollten.
„Novus steht für urbane Leichtigkeit und hohe Fahrleistung in einem und adressiert somit einen Markt zwischen dem ikonischen Design und Lifestyle einer alten Vespa sowie dem Fahrspaß einer Ducati”, erklärt Gründer René Renger.
Dieselbe Plattform für zwei Klassen
Besonders interessant ist die technische Architektur. Das Novus One lässt sich softwareseitig in zwei Leistungsstufen betreiben. Das gleiche Fahrzeug kann entweder als Leichtfahrzeug der Klasse L1e oder als stärkere L3e-Version genutzt werden. Vereinfacht gesagt: einmal 50er-Klasse, einmal 125er-Klasse.
Damit reagiert Novus auch auf unterschiedliche Führerscheinregelungen in Europa. In Deutschland dürfen Fahrerinnen und Fahrer mit Klasse B unter bestimmten Voraussetzungen nur die kleinere Variante nutzen. In Ländern wie Italien oder Spanien reicht der Autoführerschein bereits für die stärkere Version aus.
Die Idee dahinter ist strategisch klug. Denn genau hier liegt derzeit eine große Lücke im Markt. Viele Menschen suchen ein kompaktes Elektrofahrzeug für die Stadt, wollen aber weder ein schweres Motorrad noch ein langsames E-Bike.

Vom Wohnzimmer zur Serienfertigung
Die Geschichte hinter Novus klingt fast wie ein klassisches Garagen-Start-up. Bereits 2010 entstand laut Unternehmen die erste Skizze des Fahrzeugs. Der erste Prototyp wurde in einer umgebauten Wohnung gebaut. Gründer René Renger arbeitete damals noch als Designer bei Volkswagen. Erst 2019 gründete er offiziell das Unternehmen Novus.
Jetzt liefert die Firma die ersten Fahrzeuge der limitierten „Founders Edition“ aus. Produziert wird in Manufakturarbeit in Braunschweig. Viele Komponenten stammen aus Europa:
- Carbon aus Österreich
- Motor aus der Schweiz
- Batterie aus Tschechien
- Fahrwerkskomponenten aus Belgien und Italien
„Wir haben vor sechzehn Jahren in meinem Wohnzimmer mit einer Zeichnung angefangen. Heute fahren unsere Fahrzeuge durch München und auf Mallorca“, sagt Renger.
Kein klassisches Motorrad
Auffällig ist vor allem das Design. Das Novus One verzichtet bewusst auf viele typische Motorradmerkmale. Keine sichtbare Kette. Keine klassische Verkleidung. Kein Tank. Stattdessen integriert Novus fast alle technischen Elemente direkt in die Carbon-Struktur.
Das reduziert nicht nur das Gewicht. Es verändert auch die Optik radikal. Das Fahrzeug erinnert eher an ein Designobjekt als an ein Motorrad. Genau das dürfte gewollt sein. Novus versucht offenbar, Mobilität stärker als Lifestyle-Produkt zu positionieren.

Prominente Unterstützer und große Pläne
Unterstützt wird das Unternehmen unter anderem von Rennfahrerin Sophia Flörsch sowie dem früheren AMG-Chef Philipp Schiemer. Flörsch sagt über das Fahrzeug: „Bis ich Novus gesehen habe, konnten mich Motorräder nie so begeistern wie Autos. Das Lightbike ist für mich etwas Neues.“
Novus denkt aber bereits über die erste Kleinserie hinaus. Nach der Premiumversion soll mit dem „Novus Two“ ein günstigeres Einstiegsmodell folgen. Langfristig plant das Unternehmen laut eigener Aussage Jahresstückzahlen im fünfstelligen Bereich. Zudem sind weitere Märkte vorgesehen, darunter die USA und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Neue Fahrzeugklasse oder Nischenprodukt?
Die zentrale Frage bleibt dennoch offen: Braucht der Markt wirklich eine neue Fahrzeugkategorie zwischen Roller, Motorrad und E-Bike?
Technisch wirkt das Konzept schlüssig. Gerade in Städten könnten leichte Elektrofahrzeuge künftig wichtiger werden. Denn klassische Autos stoßen dort zunehmend an Grenzen. Gleichzeitig suchen viele Menschen nach flexiblen Alternativen, die einfacher zu fahren sind als Motorräder.
Ob sich daraus tatsächlich eine neue Fahrzeugklasse entwickelt, hängt aber nicht nur von Technik und Design ab. Entscheidend werden Preis, Alltagstauglichkeit und Zulassungsvorschriften sein. Genau daran scheiterten in der Vergangenheit bereits viele innovative Mobilitätskonzepte.
Das Novus One zeigt trotzdem, wohin sich urbane Elektromobilität entwickeln könnte: leichter, kompakter und deutlich stärker digital gedacht als klassische Zweiräder.
Technische Daten des Novus One
| Merkmal | Daten |
| Gewicht | 121 kg |
| Beschleunigung 0–50 km/h | unter 2 Sek. |
| Höchstgeschwindigkeit | 130 km/h |
| Urbane Reichweite | > 135 km |
| Batterieleistung | 6,2 kWh |
| Ladezeit auf 80 % | 90 Minuten |
| Fahrmodi | 3 performance-steuernde Modi |
| Drehmoment | bis zu 430 Nm im Sportmodus |
| Peakleistung | 25 kW (33 PS) |
| Nominalleistung | 11 kW (15 PS) |
| Connectivity | Over-the-Air-Updates, Smartphone-Integration, Keyless Go |
| Preis Founders Edition | ab 21.300 € (netto) |
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