Was bei Blitzerwarnern erlaubt ist – und was nicht
Mit der neuen CarPlay-Funktion zieht Blitzer.de ins Auto ein. Doch was für viele nach einem praktischen Update klingt, bewegt sich rechtlich auf dünnem Eis. Wann Fahrerinnen und Fahrer Blitzerwarner wirklich nutzen dürfen – und wo der Gesetzgeber harte Grenzen zieht.
Wo geblitzt wird, verraten Apps. Juristisch ist das eine Grauzone.
Foto: Smarterpix/manfredxy
Die bekannte App Blitzer.de lässt sich nun erstmals auch direkt auf dem Fahrzeugdisplay anzeigen. Dank des jüngsten Updates der Pro-Version können iPhone-Nutzerinnen und -Nutzer über Apple CarPlay auf Warnungen vor Unfällen, Baustellen oder Gefahrenzonen zugreifen. Für Android existierte eine ähnliche Integration über Android Auto bereits. Nun folgt also auch die iOS-Variante.
Ein altes Wunschfeature wird Realität
Bislang zeigte die App Warnungen nur auf dem Smartphone an. Eine vollständige Einbindung ins Bordsystem fehlte. Akustische Hinweise ließen sich zwar über die Audioausgabe des Fahrzeugs wiedergeben, doch der Bildschirm blieb außen vor. Mit CarPlay ist nun kein Blick mehr aufs Handy nötig, was die Nutzung entspannter und sicherer machen soll. Die Erweiterung kommt mit Version 4.3.0 auf die Geräte.
Technisch bietet das Update vieles, worauf Nutzerinnen und Nutzer lange gewartet haben. Doch die Freude dürfte nicht ungetrübt sein: Denn der Einsatz von Blitzerwarnern während der Fahrt ist in Deutschland verboten. Wer sie aktiviert, riskiert ein Bußgeld von 75 Euro und einen Punkt in Flensburg. Das gilt auch, wenn der Beifahrer den Dienst nutzt. Die Regeln sind eindeutig.
Wann Blitzerwarner erlaubt sind
Ganz tabu sind entsprechende Informationen allerdings nicht. Wer sich vor Fahrtantritt über mögliche Kontrollstellen informieren möchte, darf das tun. Der Abruf entsprechender Daten über Onlinekarten oder Apps wie Blitzer.de ist erlaubt, solange das Gerät während der Fahrt keine Warnungen ausgibt. Entscheidend ist, dass das Warnsystem aktiv keine Hilfe beim Umgehen von Kontrollen bietet.
Viele Autofahrerinnen und Autofahrer denken, das bloße Mitführen einer App sei ungefährlich. Doch auch Geräte, die erkennbar als Blitzerwarner programmiert sind, dürfen laut Straßenverkehrsordnung nicht betriebsbereit mitgeführt werden. Wird ein solcher Dienst genutzt, droht die genannte Strafe. Das gilt gleichermaßen für entsprechend programmierte Geräte wie für Smartphone-Apps mit dieser Funktion.
Blitzerwarner im europäischen Ausland
Noch strenger gehen viele Nachbarstaaten vor. In Frankreich, Italien, Finnland und Griechenland drohen deutlich höhere Strafen, teilweise sogar Haftstrafen. Manche Länder verbieten schon das Mitführen entsprechender Technik. Nur in wenigen Staaten, etwa in Ungarn, Rumänien oder Kroatien, ist der Besitz solcher Geräte weitgehend unproblematisch. Wer ins Ausland reist, sollte sich vorher informieren.
Herstellerinnen und Hersteller umgehen die rechtlichen Risiken durch geschickte Kommunikation. Sie bewerben ihre Produkte als sicherheitsrelevantes Zubehör, das vor Unfällen, Staus oder Baustellen warnt. Diese Funktionen sind tatsächlich nützlich und vollkommen legal. Dennoch ist der eigentliche Kaufanreiz meist ein anderer – nämlich der Schutz vor teuren Bußgeldern wegen überhöhter Geschwindigkeit.
Der Reiz technischer Helfer
Trotz der klaren Regelung bleibt der Markt für Blitzerwarner lebendig. Geräte wie Ooono oder Services wie Blitzer.de haben Millionen Downloads. Sie beruhen auf einer starken Community, die laufend Standorte von Kontrollstellen meldet. Für viele Fahrerinnen und Fahrer ist das ein alltägliches Tool geworden – auch wenn die Nutzung im falschen Moment riskant ist.
Mit der CarPlay-Einbindung betritt der Anbieter Neuland. Zwar betont Eifrig Media, die App diene in erster Linie der Verkehrssicherheit, doch die Auslegung durch Behörden könnte kritisch ausfallen. Entscheidend ist, wie die Funktion verwendet wird. Solange optische und akustische Warnungen während der Fahrt deaktiviert bleiben, bewegt sich die Nutzung im legalen Rahmen – allerdings nur äußerst knapp.
Die sichere Seite der Warn-Apps
Darum gilt: Wer sich legal über mögliche Kontrollen informieren möchte, macht dsa idealerweise vor dem Losfahren. Eine kurze Recherche auf der Webseite von Blitzer.de reicht, um die Route zu prüfen. Während der Fahrt sollten diese Systeme jedoch ausgeschaltet sein. Ein kurzer Halt, um neue Informationen nachzusehen, ist dagegen erlaubt.
Einen legalen Umweg bieten außerdem Radiosender, die Blitzerwarnungen im laufenden Programm ausstrahlen. Diese Informationen sind gesetzeskonform, weil sie ortsunabhängig verbreitet werden. Fahrerinnen und Fahrer profitieren somit von den Hinweisen, ohne ein verbotenes Gerät zu nutzen. Das zeigt, dass legale Alternativen existieren – ganz ohne Risiko, einen Punkt in Flensburg zu kassieren.
Sicherheit statt Blitzerwarner
Die Diskussion um Blitzerwarner zeigt, wie eng Technik und Recht zusammenhängen. Viele möchten sich schützen, andere pochen auf Sicherheit und Gleichbehandlung. Das Argument, Warnsysteme förderten vorsichtiges Fahren, überzeugt Behörden bislang nicht. Der Gesetzgeber sieht darin vor allem eine Erleichterung für Verkehrssünderinnen und -sünder – und bleibt entsprechend streng.
Hintergrund der Vorschrift ist die Verkehrssicherheit. Radarfallen sollen keine Geldeinnahmen sichern, sondern gefährliche Streckenabschnitte entschärfen. Wer sich ihrer Wirkung entzieht, gefährdet laut Ansicht der Behörden die Prävention. Daher bleibt der Einsatz von Blitzerwarnern zur Umgehung von Kontrollen ausdrücklich verboten – ungeachtet der schnellen technischen Fortschritte.
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