Vehicle-to-Home 19.06.2026, 09:30 Uhr

BMW und Solarwatt vernetzen Auto, PV-Anlage und Wärmepumpe

BMW und Solarwatt vernetzen E-Auto, PV-Anlage und Wärmepumpe: Bidirektionales Laden macht das Fahrzeug zum Stromspeicher im intelligenten Energiesystem.

BMW und Solarwatt verbinden E-Auto, Photovoltaik und Heimenergiemanagement intelligent miteinander

Strom aus dem Auto fürs Haus: BMW und Solarwatt verbinden E-Auto, Photovoltaik und Heimenergiemanagement intelligent miteinander.

Foto: BMW Group

BMW und Solarwatt präsentieren auf der Fachmesse „The smarter E Europe / Intersolar Europe 2026“ ein gemeinsames Angebot: Elektroautos werden in das Energienetz zu Hause integriert und übernehmen dort eine aktive Rolle. Das Fahrzeug dient dann nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern zusätzlich als mobiler Stromspeicher. Die Grundlage dafür bilden die BMW Wallbox Professional sowie das Heimenergiemanagementsystem (HEMS) von Solarwatt.

Die Intersolar Europe gilt als weltweit führende Fachmesse der Solarbranche. Sie findet jährlich in München statt, in diesem Jahr vom 23. bis 25. Juni. Darüber hinaus gehört sie zu einer internationalen Messereihe mit Veranstaltungen in München, Long Beach, Mumbai, Mexiko-Stadt, Dubai und São Paulo. BMW und Solarwatt nutzen die Plattform, um ihre gemeinsame Lösung erstmals einem breiten Fachpublikum vorzustellen.

Was bieten BMW und Solarwatt konkret an?

Die beiden Unternehmen bringen ihre jeweiligen Kompetenzen zusammen. BMW entwickelt Elektrofahrzeuge und die bidirektionale BMW Wallbox Professional. Die nächste Fahrzeuggeneration des Herstellers läuft unter dem Namen „Neue Klasse“. BMW versteht sie als den Beginn einer neuen Ära der individuellen Mobilität. Im Mittelpunkt stehen Elektrifizierung, Digitalisierung, Zirkularität, eine neue Designsprache und ein nochmals gesteigertes Fahrerlebnis.

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Solarwatt entwickelt seit mehr als 30 Jahren Lösungen für Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien. Zum Portfolio gehört auch ein eigenes Heimenergiemanagementsystem, der Solarwatt Manager.

Kombiniert man beide Technologien, entsteht ein vernetztes Energiesystem. Über die bidirektionale BMW Wallbox Professional kann Energie nicht nur in die Fahrzeugbatterie geladen werden. Auch der umgekehrte Weg ist möglich. Gespeicherter Strom aus dem Fahrzeug kann bei Bedarf im Haushalt genutzt werden. Die Steuerung erfolgt automatisiert und berücksichtigt sowohl den Energiebedarf im Haus als auch die Ladeanforderungen des Fahrzeugs.

Fachleute bezeichnen dieses Prinzip als Vehicle-to-Home (V2H). Dabei dient das Elektroauto als zusätzlicher Energiespeicher für das eigene Gebäude. Eine verwandte Anwendung ist Vehicle-to-Grid (V2G). Hier kann Strom aus dem Fahrzeug bei Bedarf auch wieder in das öffentliche Stromnetz zurückgespeist werden.

Welche Vorteile bieten ein Heimenergiemanagementsystem und eine bidirektionale Wallbox?

Nutzerinnen und Nutzer profitieren mehrfach von dieser Kombination. Der Solarwatt Manager verbindet nicht nur Wallbox, Solaranlage und Elektroauto miteinander. Auch Batteriespeicher, Wärmepumpe und weitere Verbraucher lassen sich integrieren. Das System stimmt alle Komponenten intelligent aufeinander ab und steuert die Energieflüsse automatisch.

Darüber hinaus kann ein HEMS Energieflüsse vorausschauend optimieren und dabei sogar das individuelle Nutzungsverhalten berücksichtigen. Ein Heimenergiemanagementsystem besteht in der Regel aus einer zentralen Steuereinheit, intelligenten Messsystemen, Energiezählern, Sensoren und den notwendigen Kommunikationsschnittstellen.

Ein Beispiel: Die Solaranlage produziert an einem sonnigen Tag deutlich mehr Strom, als im Haus benötigt wird. Statt den Überschuss unmittelbar ins öffentliche Stromnetz einzuspeisen, leitet das HEMS ihn in die Fahrzeugbatterie und nutzt das Auto als zusätzlichen Speicher. Wird am Abend mehr Energie benötigt, kann der Strom wieder aus dem Fahrzeug entnommen werden.

Der Vorteil wird besonders deutlich, wenn man die Speicherkapazitäten betrachtet. Stationäre Batteriespeicher in Einfamilienhäusern verfügen häufig über Kapazitäten zwischen 5 und 15 kWh. Moderne Elektroautos erreichen dagegen oft 60 bis 100 kWh oder mehr. Das Fahrzeug kann somit ein Vielfaches der Energie eines klassischen Heimspeichers aufnehmen.

Darüber hinaus lassen sich dynamische Stromtarife in das System integrieren. Das Elektroauto wird dann beispielsweise bevorzugt zu Zeiten geladen, in denen Strom besonders günstig verfügbar ist.

Die Idee hinter dem Konzept: Möglichst viel des selbst erzeugten Solarstroms im eigenen Haushalt zu nutzen, den Eigenverbrauch zu erhöhen, die Energiekosten zu senken und die Abhängigkeit vom Strommarkt zu reduzieren.

Wie funktioniert die aktive Integration des E-Autos in ein HEMS?

Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, ein Batteriespeicher im Keller, eine Wärmepumpe neben dem Haus und ein Elektroauto in der Garage – dieses Szenario ist in vielen Haushalten längst Realität. Damit stellt sich die Frage, wie sich all diese Komponenten sinnvoll miteinander vernetzen lassen.

Ein Heimenergiemanagementsystem bietet dafür die passende Lösung. Es macht aus einzelnen Geräten ein koordiniertes Gesamtsystem. Das HEMS arbeitet mit Prioritäten, Prognosen und Echtzeitdaten. Es berücksichtigt unter anderem den aktuellen Stromverbrauch, die verfügbare Solarenergie, Ladeziele des Fahrzeugs sowie mögliche Zeitfenster mit günstigen Strompreisen.

Dadurch wird Energie nicht einfach verbraucht, sondern gezielt verteilt und optimal genutzt.

Das Elektroauto wird über die bidirektionale Wallbox in das HEMS integriert. Anders als bei einer herkömmlichen Wallbox fließt der Strom dabei nicht nur in Richtung Fahrzeug. Die bidirektionale Wallbox ermöglicht den Energieaustausch in beide Richtungen. Das Elektroauto wird dadurch zu einem flexiblen Bestandteil des gesamten Energiesystems.

Voraussetzungen für die Installation einer bidirektionalen Wallbox

Damit eine bidirektionale Wallbox installiert werden kann, muss die elektrische Anlage des Hauses bestimmte Anforderungen erfüllen. Dazu gehören eine ausreichend dimensionierte Hausanschlussleistung, moderne Schutz- und Schalttechnik sowie die Möglichkeit zur Einbindung intelligenter Steuerungssysteme.

Vor der Installation sollte die bestehende Elektrik daher von einer qualifizierten Elektrofachkraft geprüft werden.

Auch das Fahrzeug selbst muss für bidirektionales Laden ausgelegt sein. Nicht jedes Elektroauto unterstützt diese Funktion. Erforderlich sind eine geeignete Batterietechnologie, ein entsprechendes Batteriemanagementsystem sowie die notwendige Kommunikations- und Steuerungstechnik. Im Fall des gemeinsamen Angebots von BMW und Solarwatt sind Fahrzeuge der Neuen Klasse vorgesehen. Zusätzlich wird die bidirektional ausgelegte BMW Wallbox Professional benötigt.

Wichtig ist außerdem: Bidirektionales Laden befindet sich in Deutschland und Europa derzeit noch in der Markteinführung. Die technischen Grundlagen sind weitgehend vorhanden, die Zahl kompatibler Fahrzeuge und Wallboxen wird jedoch erst in den kommenden Jahren deutlich steigen.

Wie steuere ich das HEMS und die bidirektionale Wallbox?

Sowohl das HEMS als auch die Wallbox lassen sich per App steuern. Zusätzlich bieten die Fahrzeughersteller eigene Anwendungen an.

Nutzerinnen und Nutzer können entweder dem System die Steuerung überlassen oder individuelle Vorgaben festlegen. So lässt sich beispielsweise bestimmen, dass das Fahrzeug morgens um 8 Uhr mit einem Ladezustand von 80 % bereitstehen soll. Das HEMS berücksichtigt diese Vorgaben automatisch und optimiert gleichzeitig die Energieflüsse im Haus.

Auf diese Weise wird das Elektroauto bevorzugt behandelt, ohne dass die Vorteile des Gesamtsystems verloren gehen.

Wichtig zu wissen:

Auch das Fahrzeug muss technisch für bidirektionales Laden ausgelegt sein. Voraussetzung sind eine geeignete Batterie, ein entsprechendes Batteriemanagementsystem sowie die notwendige Kommunikations- und Steuerungstechnik.

Geregelt wird die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladeeinrichtung über die internationale Norm ISO 15118-20. Sie schafft die Grundlage dafür, dass Fahrzeug, Wallbox und Energiemanagementsystem Informationen austauschen und Lade- beziehungsweise Entladevorgänge automatisch koordinieren können.

Wie wirkt sich bidirektionales Laden auf die Batterie aus?

Eine häufig gestellte Frage betrifft die Lebensdauer der Fahrzeugbatterie. Grundsätzlich führen zusätzliche Lade- und Entladevorgänge zu einer stärkeren Nutzung des Speichers.

Moderne Batteriemanagementsysteme überwachen jedoch kontinuierlich den Ladezustand und begrenzen die Belastung der Batterie. Zudem wird beim bidirektionalen Laden meist nur ein definierter Teil der verfügbaren Speicherkapazität genutzt.

Fachleute gehen daher davon aus, dass sich die zusätzliche Beanspruchung bei sachgemäßer Nutzung in einem überschaubaren Rahmen bewegt. Gleichzeitig steht dem potenziellen Verschleiß ein zusätzlicher Nutzen gegenüber, da die Fahrzeugbatterie aktiv in das Energiesystem des Hauses eingebunden wird.

Wer profitiert von einem Heimenergiemanagementsystem und dem bidirektionalen Laden?

Die Kombination aus Heimenergiemanagementsystem und bidirektionaler Wallbox bietet Vorteile für verschiedene Akteure.

Private Haushalte können einen größeren Teil ihres selbst erzeugten Solarstroms direkt nutzen. Das senkt die Stromkosten und erhöht den Eigenverbrauch. Gleichzeitig übernimmt das HEMS viele Steuerungsaufgaben automatisch und reduziert den Aufwand für die Nutzerinnen und Nutzer.

Elektroautos erhalten eine zusätzliche Funktion. Da Fahrzeuge häufig viele Stunden ungenutzt stehen, können sie in dieser Zeit als Energiespeicher dienen und überschüssige Solarenergie aufnehmen oder bei Bedarf wieder bereitstellen.

Das Stromnetz profitiert ebenfalls. Je mehr Fahrzeuge intelligent eingebunden werden, desto besser lassen sich Lastspitzen ausgleichen und erneuerbare Energien integrieren. Bidirektionales Laden kann damit einen Beitrag zur Stabilisierung lokaler Stromnetze leisten und die Energiewende unterstützen.

BMW und Solarwatt zeigen mit ihrer gemeinsamen Lösung, wohin die Entwicklung geht: Das Elektroauto wird künftig nicht nur Verkehrsmittel sein, sondern zunehmend zu einem aktiven Bestandteil eines vernetzten Energiesystems werden. Damit wächst seine Bedeutung weit über die reine Mobilität hinaus.

Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat unter anderem für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

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