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Trotz günstigerem Öl: Warum der große Tankrabatt ausbleibt

08. Januar 2026

Eine Person tankt ihr Auto an einer Dieselzapfsäule.
Warum sinkende Rohölpreise 2025 nur begrenzt an der Zapfsäule ankamen und was das über den Kraftstoffmarkt sagt.
Foto: panthermedia.net / Alexis84
Wer 2025 regelmäßig tankte, dürfte den Eindruck gehabt haben, dass Entlastungen an der Zapfsäule eher die Ausnahme blieben. Das verwundert, denn der Rohölpreis lag im Jahresverlauf deutlich unter dem Niveau von 2024. Der aktuelle Jahresrückblick der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe vom Bundeskartellamt bestätigt nun, dass dieser Preisvorteil nur teilweise bei den Verbrauchern angekommen ist.
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– Super E5 lag im Durchschnitt bei 1,74 € pro Liter, Diesel bei 1,61 €/l

– Benzin im Jahresdurchschnitt 6 Cent/l günstiger, Diesel 4 Cent/l günstiger als noch 2024

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– Rohölpreis im Schnitt rund 8 Cent/l niedriger als 2024

– 22 Preisänderungen pro Tag und Tankstelle im Durchschnitt

– Autobahntankstellen bis zu 48 Cent/l teurer als Straßentankstellen

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Im Durchschnitt kostete ein Liter Rohöl 2025 rund 38 Cent und damit etwa acht Cent weniger als im Vorjahr. Benzin und Diesel wurden zwar ebenfalls günstiger, allerdings im geringeren Umfang. Super E5 lag über das Jahr hinweg bei knapp 1,74 €/l, Diesel bei 1,61 €/l. Das entspricht einem Rückgang von 6 Cent/l bei Benzin und 4 Cent/l bei Diesel gegenüber 2024.

Inhaltsverzeichnis

Wenn die Kosten sinken, zögert die Zapfsäule

Das Bundeskartellamt verweist in seinem Bericht auf die wiederholte Verzögerung bei der Weitergabe gesunkener Ölpreise an die Tankstellen. Preiserhöhungen wurden immer sehr schnell umgesetzt, Preissenkungen dagegen nur schrittweise und mit zeitlichem Abstand.

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Ein markantes Beispiel lieferte das Frühjahr 2025. Ende März und Anfang April sanken die Rohölpreise spürbar. Nach Angaben des Bundeskartellamts gingen die Kosten in dieser Phase um mehr als 10 Cent/l  zurück. Das Amt stellt jedoch fest, dass sinkende Beschaffungskosten zwar grundsätzlich weitergegeben wurden, allerdings weder vollständig noch zeitnah. In der Folge sanken die Preise für Benzin und Diesel nur um knappe 5 Cent/l und dies mit deutlicher Verzögerung.

Dieses Muster ist in der Ökonomie jedoch gut bekannt und wird als Rockets-and-Feathers-Effekt beschrieben. Steigende Kosten schlagen sich wie Raketen unmittelbar in höheren Preisen nieder, sinkende Kosten führen dagegen nur langsam zu Entlastungen.

Diesel reagiert besonders sensibel

Besonders beim Diesel sei es 2025 immer wieder zu Phasen gekommen, in denen die Tankstellenpreise nicht mehr eng dem Rohölpreis folgten. Das hat strukturelle Ursachen. Rund 30 % des in Deutschland verbrauchten Diesels wird direkt importiert, bei Benzin sind es nur etwa 10 %. Diesel reagiert daher empfindlicher auf geopolitische Ereignisse, Sanktionen oder logistische Probleme.

Im November 2025 zeigte sich die Anfälligkeit besonders eindeutig. Während der Rohölpreis mit etwa 35 Cent/l vergleichsweise niedrig blieb, stiegen die Dieselpreise fast auf das Jahreshoch von 1,70 €/l .

Nach Angaben des Marktdienstleisters Argus stiegen die Preise für Gasöl, das Vorprodukt von Diesel und Heizöl, in dem Zeitraum deutlich an. Gleichzeitig kam es zu Transportengpässen, weil Schiffe infolge von US-Sanktionen nicht entladen werden konnten und somit für andere Transporte fehlten. Auch eingeschränkte Raffineriekapazitäten durch Wartungsarbeiten trugen dazu bei, dass Dieselpreise zum Jahresende weiter anstiegen

Das Tankjahr in der Übersicht

Der Blick auf das Gesamtjahr 2025 zeigt, warum sich sinkende Rohölpreise nicht gleichmäßig an der Zapfsäule widerspiegelten. Mehrere geopolitische und wirtschaftliche Ereignisse sorgten im Jahresverlauf für starke Schwankungen, auf die der Kraftstoffmarkt sehr unterschiedlich reagierte.

Im März bis April kam es zunächst zu einem deutlichen Rückgang der Rohölpreise. Ausschlaggebend waren unter anderem eine schwächere Konjunkturerwartung, Unsicherheiten infolge der US-Zollpolitik sowie ein gegenüber dem Euro schwächerer US-Dollar. Zusätzlich dämpfte die Ankündigung der OPEC+, weitere Fördermengen auf den Markt zu bringen, die Preise. In der Folge sanken die Dieselpreise auf etwa 1,55 €/l und die Benzinpreise auf rund 1,68 €/l.

Im Juni kehrte sich die Entwicklung schlagartig um. Die politische Eskalation im Nahen Osten ließ die Rohölpreise sprunghaft ansteigen, unter anderem aus Sorge vor einer möglichen Blockade wichtiger Versorgungswege. Der Diesel stieg an auf knapp 1,65 €/l, Benzin stieg auf ungefähr 1,72 €/l. Ende Juni gingen die Rohölpreise jedoch wieder spürbar zurück. An den Tankstellen zeigte sich in dieser Phase erneut das typische Muster des Rockets-and-Feathers Effekts. Während die Kostensteigerungen rasch weitergegeben wurden, reagierten die Preise auf die anschließenden Rückgänge deutlich zurückhaltender.

Zum Jahresende verschärfte sich die Lage nochmals. Wie zuvor bereits beschrieben, zeigte der November eine auffällige Entkopplung beim Diesel gegenüber der Rohölpreise. Das Bundeskartellamt verweist auf geopolitische Faktoren und Importabhängigkeiten, die diese Entwicklung begünstigten.

Hier ist Tanken am billigsten

Wie viel Autofahrer für ihren Kraftstoff bezahlen, hängt nicht nur von der Uhrzeit ab, sondern stärker denn je vom Standort. Der Jahresrückblick zeigt deutliche regionale Preisunterschiede, die sich nicht alleine mit dem Rohölpreis erklären lassen. Entscheidend sind hier vielmehr lokale Strukturen und die jeweilige Infrastruktur.

Besonders günstig war Benzin der Sorte E5 demnach im Raum Berlin und im Berliner Umland. Ebenfalls unterdurchschnittliche Preise verzeichnete das Bundeskartellamt in Teilen Baden-Württembergs, vor allem in Nordbaden und im Raum Karlsruhe sowie in Teilen Nordrhein-Westfalens, insbesondere in Ostwestfalen-Lippe. Deutlich teurer war E5 dagegen in Sachsen, in Teilen Niedersachsens und Sachsen-Anhalts sowie in Südostbayern. Wichtig zu erwähnen ist aber: Auch in teuren Regionen lassen sich einzelne günstige Tankstellen finden und umgekehrt.

Zusätzlich verschärft wird die Situation durch die hohe Preisdynamik. Im Jahr 2025 erfasste die Markttransparenzstelle rund 335 Mio. Preisänderungen für Benzin und Diesel. Im Durchschnitt änderten Tankstellen ihre Preise 22-mal pro Tag. Besonders in Ballungsräumen reagieren Anbieter in schneller Folge aufeinander, was zu kurzfristigen Preisspitzen führen kann.

Autobahntankstellen fast 50 Cent teurer

Das Autobahntankstellen besonders teuer sind, ist nichts neues. Die Preisaufschläge erreichten 2025 jedoch einen neuen Hochstand. Super E5 kostete an Autobahnen im Jahresdurchschnitt 2,18 €/l, Diesel 2,03 €/l.

Gegenüber Tankstellen abseits der Autobahn entsprach das einem Aufschlag von durchschnittlich 45 Cent/l bei Benzin und 44 Cent/l bei Diesel. In der zweiten Hälfte des vierten Quartals lagen die Aufschläge zeitweise sogar bei rund 48 Cent/l.

Billiger, aber nicht billig genug

Auf den ersten Blick waren Benzin und Diesel günstiger als im Vorjahr. Der Rückgang fiel jedoch deutlich geringer aus als der Preisfall beim Rohöl. Genau hier liegt die zentrale Aussage des Berichts des Bundeskartellamts. Die Preise an der Zapfsäule sind gesunken, aber weniger stark, als sie es eigentlich hätten tun sollen.

Zusätzlich ist für Autofahrer nicht der Jahresdurchschnitt entscheidend, sondern der Preis zum Zeitpunkt des Tankens. Durch die extrem hohe Zahl  täglicher Preisänderungen wurde der Eindruck von dauerhaft hohen Preisen weiter verstärkt, denn häufige und schnell auftretende Preisspitzen prägen die Wahrnehmung mehr als langsame und moderate Preisrückgänge.



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