Automobil 08.09.2025, 13:00 Uhr

Student baut VW T2 zum Solar-Elektro-Camper um

Ein 20-jähriger Student der HS Osnabrück hat einen alten VW T2 zu einem Solar-Elektro-Bus umgebaut. Und begab sich auf große Tour.

Der VW Bus T2 wurde von einem Studenten der Hochschule Osnabrück eigenhändig zu eine E-Fahrzeug umgebaut. Danach begab er sich auf eine Reise durch Europa. Foto: Max Heermann-Többenotke

Der VW Bus T2 wurde von einem Studenten der Hochschule Osnabrück eigenhändig zu eine E-Fahrzeug umgebaut. Danach begab er sich auf eine Reise durch Europa.

Foto: Max Heermann-Többenotke

In vier Monaten baute Max Heermann-Többenotke den alten VW Bulli zu einem solarbetriebenen E-Camper um. Der 20-Jährige studiert im 3. Semester Maschinenbau an der Hochschule Osnabrück. Gebastelt hat er aber schon als Kind, berichtet er im Interview. „Erst mit Lego und Fischertechnik, dann baute ich mir irgendwann das erste E-Bike.“

Oldtimer-Trecker waren ursprünglich sein Hobby

Vor einigen Jahren erstand Max einen 70 Jahre alten Traktor von Porsche. Das Fahrzeug, das einen Motorschaden hatte, bekam er für nur 1400 €. Allerdings merkte er schnell, dass es für diese schöne Rarität keine Ersatzteile mehr gibt, und eine Motorrevision wäre zu teuer gewesen. In Kleinanzeigen fand Max gebrauchte Hochvolttechnik eines Mini Cooper. Die Idee war geboren: Warum nicht aus dem Oldtimer-Trecker einen Elektro-Trecker machen? Das Projekt gelang, der Oldtimer mit E-Antrieb konnte dann sogar einen 5,7-t-Anhänger ziehen. Max war auf den Geschmack gekommen.

Inzwischen hat er weitere alte Autos mit Elektromotor ausgestattet, unter anderem zwei VW Käfer und zwei Bullis. Sein neuestes, ganz spezielles Projekt war das Umrüsten eines eines alten VW T2 zum Solar-Van. Der stammt ursprünglich aus Kalifornien. „Ich hab mich sofort in die Optik des T2 verliebt, weil die Rostoptik so im Kontrast zu der innovativen Antriebsart steht“,sagt er.

Reichweite nach der Elektrorevision: 500 km

Nach 15 Jahren Standzeit überholte Max vorerst das Fahrwerk und das Bremssystem. Dann ging es mit dem Umbau los. Die Komponenten, fast immer gebraucht, kauft er sich im Internet zusammen, also etwa den Spannungswandler, der die Funktion der Lichtmaschine übernimmt, die Motorsteuerung oder den Motor. „Besonders bei Elektronik ist der Wertverfall groß“, sagt Max. „Gebrauchtes gibt es manchmal für ein Drittel des Neupreises – und vor allem aus Insolvenzmasse bekommt man oft neuwertige Technik für schmales Geld.“

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Der Akku seines T2 hat 144 V Nennspannung. Darüber hinaus gehe er nie, sagt er, weil es sonst zu gefährlich werde. „Nicht nur für mich, sondern auch für eventuelle Nachbesitzer.“ Normale Elektroautos haben 400 V bis 800 V, und ab da wird es dann lebensgefährlich. Die Batterie hat 92 kWh und das System eine Peakleistung von 70 kW, was etwa 110 PS entspricht. Die Dauerleistung liegt bei 44 kW. Damit beträgt die Reichweite ungefähr 500 km. Man kann das Auto an jeder öffentlichen Ladesäule laden, realisierbar sind Ladeleistungen von 2 kW AC/70 kW DC. Das Solarsystem auf dem Dach, das man ausklappen kann, bringt bis zu 30 kWh, was pro (sonnigen) Tag etwa einer zusätzlichen Reichweite von rund 100 km bis 120 km entspricht. Ein interner 6-kW-Wechselrichter liefert Strom für das Wageninnere – für Kaffeemaschine, Kühlschrank und Heißluftfritteuse und so weiter.

Zwei Wochen nach Kroatien mit Solar-Camper

Über eine App lässt sich der Ladevorgang jeder einzelnen Akku-­Zelle aus der Ferne in Echtzeit überwachen, ebenso die Temperatur. Das funktioniert dank des Battery-Management-Systems aus den Niederlanden. Der VW-Bus ist über das Handy auch diebstahlgesichert, weil die Relais über eine Software geschaltet werden können.

Als Erstes war Max mit seinem umgebauten Solar-Camper auf Testfahrt: Zwei Wochen nach Kroatien mitsamt Wohnanhänger. Anfang August kam er wieder und berichtet: „Ein wenig Risiko war ja schon im Spiel. Denn die einzige längere Fahrt vorher war die zum TÜV. Aber es hat auf den 3000 km alles bestens funktioniert!“ In den Bergen machte sich die Rekuperation bezahlt: Der VW-Bus führt bergab bis zu 40 kW zurück in den Akku.

Dem jungen Bastler ist bewusst, dass der Markt der elektrobetriebenen Wohnmobile ein riesiges Potenzial bietet. Einerseits haben Wohnmobile und kleine Camper-Vans seit der Coronazeit einen großen Boom erlebt; andererseits nimmt die Beliebtheit der Elektromobilität rasant an Fahrt auf. „Besonders beim Campen ist es praktisch, in einer einsamen Gegend auf Solarpaneele zurückgreifen zu können, wenn es mal nicht so viele Ladesäulen gibt“, sagt Max und fügt hinzu: „Und eine Markise braucht man ja ohnehin.“

Auch Kosten sind entscheidend

Für Max sind aber auch die Kosten entscheidend: „Wir hatten erst letztes Jahr eine 6000 km lange Europareise mit einem Diesel-Wohnmobil gemacht. Da kamen Spritkosten von 1500 € zusammen. Sonnenenergie hingegen ist kostenlos, und die Kosten für die Solarpaneele sind schnell wieder reingeholt. Und man denke an den Wegfall der Kfz-Steuer sowie an die Rekuperation. Es gibt keinen Bremsverschleiß, keine überhitzen Bremsen am Berghang, keine Wartung.“

Für die Umsetzung seines Prototyps erhielt Max Unterstützung vom Rise, dem StartupLab der Hochschule. Zugute kam ihm auch sein Elternhaus, sagt Max. Seine Familie wohnt auf einem alten Bauernhof, und der bietet Max Platz. Im ehemaligen Kuhstall kann er seine Träume verwirklichen, wenn auch noch ohne Hebebühne. Was die größte Herausforderung war? „Die Komplexität des gesamten Systems“, sagt Max. „Alle einzelnen Teile, die Solaranlage, die Batterie, den Motor, zusammenzubringen.“

Ein Beitrag von:

  • Jörn Schumacher

    hat Linguistik, Informationswissenschaft und Philosophie an der Universität Düsseldorf studiert. Er war 16 Jahre als festangestellter Redakteur tätig, seit 2021 arbeitet er als freier Journalist. Er ist verheiratet und wohnt im Münsterland.

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