1,2 Millionen E-Motoren jährlich 02.10.2025, 17:30 Uhr

Posco wagt Europa-Schritt: E-Motoren aus Polen für Hyundai & Kia

Effizienz, Nähe zum Markt und wachsende Kapazitäten: Der koreanische Stahlkonzern Posco nimmt im polnischen Brzeg ein neues Werk in Betrieb. Künftig kommen also die Motorkerne für Elektroautos der Marken Hyundai und Kia aus Europa.

Blick auf die Motorkerne, die das Unternehmen Posco herstellt.

Posco erweitert seine Produktion und startet mit einer neuen Fabrik in Europa.

Foto: Posco

Das südkoreanische Unternehmen Posco ist als Stahlriese bekannt. Das Unternehmen gibt an, es innerhalb von drei Jahrzehnten nach der Gründung 1968 nahezu ohne Kapital, Technik und Erfahrung, in die Welt der Top-Stahlproduzenten weltweit geschafft zu haben. Im Jahr 2000 wurde aus dem Staatsunternehmen dann ein privates, dass direkt im Anschluss die Expansion ins Ausland forcierte. Die Stahlprodukte, die Posco herstellt, sind sowohl in der Automobilindustrie als auch im Schiffbau sowie in Haushaltsgeräten zu finden. Nachdem sich das Unternehmen lange auf den Raum Asien fokussierte, wagt es nun den Schritt in Richtung Europa.

Neue Fabrik in Polen

Im polnischen Brzeg hat das Unternehmen eine neue Fabrik gebaut. Dort entstehen künftig Motorkerne für Elektrofahrzeuge, die zunächst als Prototypen produziert und ab Dezember schon in Serie gefertigt werden sollen. Der Standort gilt als bedeutender Schritt, nachdem Posco bislang fast ausschließlich aus Südkorea heraus beliefert hatte.

Bereits bei der Grundsteinlegung im Sommer 2024 eröffnete das Unternehmen, dass die nun entstehenden Bauteile für die europäischen Standorte von Hyundai und Kia vorgesehen sind. Kia setzt das neue Bauteil beim EV4 in der Kompaktklasse ein, den das Unternehmen im slowakischen Zilina baut. Hyundai wiederum verortet die Fertigung seines Schwestermodells Ioniq 3 im türkischen Izmit. Beide Fahrzeuge basieren auf der 400-Volt-Version der E-GMP-Plattform.

Neues Werk für E-Motoren in Polen – Schritt zur Regionalisierung

Bisher liefen Produktion und Belieferung der E-GMP-Fahrzeuge in Europa über die südkoreanischen Werke des Konzerns, der dort über etablierte Zulieferketten verfügt. Mit dem neuen Werk in Polen plant Posco, die Versorgung aus der Nachbarschaft sicherzustellen und E-Motor-Kerne direkt in Europa zu produzieren. Das hat einige Vorteile: Unter anderem entfällt so der Import aus Asien, was auch rein zeitlich betrachtet einen Gewinn bedeutet, gleichzeitig können auch die Montageschritte innerhalb der europäischen Produktionsstätten beschleunigt werden.

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Geliefert werden die Komponenten an Hyundai Mobis, einen klassischen Zuliefererbetrieb. Dieses Tochterunternehmen des koreanischen Autokonzerns montiert die gelieferten Teile weiter zu kompletten Antriebseinheiten. Der neue Produktionsstandort bündelt somit sämtliche wichtigen Schritte integriert im europäischen Raum und markiert für Posco einen Wendepunkt, da das bisherige Asien-zentrierte Modell klar erweitert wird.

Von der Stahlproduktion zur Elektromobilität

Der Ursprungskonzern selbst ist fest in der Stahlproduktion verwurzelt, hat jedoch längst damit begonnen, seine Aktivitäten stärker auf Elektromobilität auszurichten. Ein wichtiger Teil davon sind neben den Motoren auch weitere Komponenten wie Kathodenmaterialien und deren Ausgangsstoffe. Für den europäischen Markt soll die Produktion in Brzeg laut dem Fachportal „Business Korea“ „als strategische Basis für den europäischen Markt für Elektrofahrzeuge“ dienen.

Damit unterstreicht Posco, dass der Standort nicht allein als Zulieferer für Hyundai und Kia dient, sondern von zentraler Bedeutung für künftige Entwicklungen sein soll. Ob jedoch der Konzern in Zukunft auch externe Abnehmer außerhalb der Hyundai Motor Group ins Auge fasst, ist bislang nicht klar, da dazu keine Details veröffentlicht wurden.

Mehr als eine Million E-Motoren im Jahr

Ist die Serienfertigung vollständig gestartet, will Posco in Brzeg jährlich bis zu 1,2 Millionen Motorkerne herstellen. Die Vereinbarungen mit Hyundai und Kia liegen bei insgesamt 1,03 Millionen Einheiten, die über die Vertragsdauer verteilt werden. Genauer: Kia erhält für sein Werk in Zilina 480.000 Antriebseinheiten mit Kernen aus Polen, Hyundai im türkischen Izmit wiederum 550.000 Stück.

Damit wird der überwiegende Teil der geplanten Kapazität bereits gebunden. Dennoch ließe sich daraus ableiten, dass theoretisch noch ein Restvolumen für andere Kunden verfügbar sein könnte, sollte Posco sich für eine breitere Abnehmerstruktur öffnen. Hier dürften zukünftige Marktentwicklungen maßgeblich bestimmen, ob weitere Hersteller von der neuen Produktionsstätte profitieren können.

Zusätzlich zum Standort in Polen baut der Konzern damit sein weltweites Netz an Fertigungsstätten für Motorkerne deutlich aus. In Pohang, Südkorea, beläuft sich die Kapazität auf maximal 2,5 Millionen Einheiten jährlich. In Mexiko liegt der Wert bei bis zu 3,5 Millionen, während in Indien immerhin rund 300.000 Kerne pro Jahr entstehen können. Mit den nun hinzukommenden 1,2 Millionen Stück aus Brzeg erreicht das globale Produktionsnetz insgesamt eine Summe von 7,5 Millionen. Ein solcher Umfang schafft nicht nur Flexibilität, sondern auch Sicherheit für Abnehmer, die auf große Stückzahlen und stabile Lieferketten angewiesen sind.

Ein Beitrag von:

  • Nina Draese

    Nina Draese hat unter anderem für die dpa gearbeitet, die Presseabteilung von BMW, für die Autozeitung und den MAV-Verlag. Sie ist selbstständige Journalistin und gehört zum Team von Content Qualitäten. Ihre Themen: Automobil, Energie, Klima, KI, Technik, Umwelt.

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