Luxus unter Segeln 23.06.2025, 11:30 Uhr

Orient Express Corinthian: Größte Segelyacht der Welt gibt Gas

Die neue Orient Express Corinthian segelt ab 2026 emissionsarm durch Mittelmeer und Karibik – als größte Segelyacht der Welt.

größtes Segelyacht der Welt

Hier ist die größte Segelyacht der Welt gerade vom Stapel gelaufen.

Foto: Accor SA / Yves Marchand & Romain Meffre – Réal. tech Nicolas Pougnand

In Frankreich ist die größte Segelyacht der Welt vom Stapel gelaufen. Die „Orient Express Corinthian“ soll ab Mitte 2026 luxuriöse Reisen durch das Mittelmeer, die Adria und die Karibik ermöglichen. Neben einem Hybridantrieb aus Wind und Flüssigerdgas setzt das Schiff auf KI-Technologie, um Umwelt und Meereslebewesen zu schützen. Das Projekt ist ein Gemeinschaftswerk des Traditionsunternehmens Orient Express und der Hotelgruppe Accor.

Luxus auf 220 Metern

In der Werft Chantiers de l’Atlantique im französischen Saint-Nazaire ist im Juni 2025 ein Schiff vom Stapel gelaufen, das neue Maßstäbe in der maritimen Technik und im Luxussegment setzen soll. Die „Orient Express Corinthian“ ist laut Angaben der Werft das größte Segelyacht-Kreuzfahrtschiff der Welt. Mit einer Länge von 220 Metern und einer Bruttoraumzahl von 26.200 Tonnen bietet das Schiff Platz für 110 Passagiere – untergebracht in 54 luxuriösen Suiten.

Die Yacht ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen der legendären Zugmarke Orient Express und dem Hotelkonzern Accor. Ihre erste Fahrt ist für Juni 2026 geplant. Sie beginnt in Marseille und führt durch das Mittelmeer, die Adria und über den Atlantik in die Karibik.

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Großsegler mit Hybridantrieb

Die „Orient Express Corinthian“ wurde mit einem Antriebssystem ausgestattet, das auf Windkraft setzt – eine seltene Ausnahme im Kreuzfahrtmarkt. Das sogenannte „SolidSail“-System besteht aus drei Balestron-Masten. Diese tragen jeweils starre Segel mit einer Fläche von insgesamt rund 1500 m² pro Mast. Die Masten sind neig- und schwenkbar, was die Segelfläche optimal auf den Wind ausrichten kann.

Falls kein ausreichender Wind vorhanden ist, übernimmt ein hybrides Antriebssystem mit Flüssigerdgas (LNG) den Vortrieb. Damit ist ein nahezu emissionsfreier Betrieb unter optimalen Bedingungen möglich – eine technische Besonderheit für ein Schiff dieser Größe.

Digitale Helfer an Bord

Nicht nur beim Antrieb geht das Projekt neue Wege. Auch beim Thema Sicherheit und Umweltschutz kommen digitale Technologien zum Einsatz. Ein KI-gestütztes Erkennungssystem soll treibende Objekte und Meereslebewesen erkennen, bevor es zu Kollisionen kommt. Damit reagiert der Betreiber auf wachsende Kritik an den Folgen der Kreuzfahrtindustrie für marine Ökosysteme.

Zudem verfügt die Segelyacht über ein dynamisches Positionierungssystem. Dieses ermöglicht es dem Schiff, an Ort und Stelle zu bleiben, ohne den Anker zu werfen – was empfindliche Meeresböden vor Schäden schützt.

Ebenfalls an Bord: eine chemikalienfreie Ballastwasserbehandlung. Die sogenannte BIO-SEA-Technologie der französischen BIO-UV Group reinigt das Ballastwasser mit UV-Licht, um die Einschleppung fremder Mikroorganismen in andere Meeresregionen zu vermeiden.

Eine Reise durch Wind und Zeit

Von Mai bis Oktober 2026 soll die „Orient Express Corinthian“ auf insgesamt 27 Routen durch das Mittelmeer und die Adria unterwegs sein. Die Fahrten dauern zwischen zwei und vierzehn Tagen. Dabei orientiert sich die Navigation bewusst an günstigen Windverhältnissen – sowohl aus ökologischen Gründen als auch, um Gästen ein authentisches Segelerlebnis zu bieten.

Im Winter wird das Schiff dann in der Karibik unterwegs sein. Dort soll es ebenfalls Routen anbieten, die stärker auf Nachhaltigkeit und Flexibilität setzen.

Orient Express Corinthian

Die Orient Express Corinthian ist ein echter Gigant unter den Yachten.

Foto: Accor SA / Bernard Biger

Design zwischen Tradition und Gegenwart

Das Innere der Yacht wurde vom Architekten Maxime d’Angeac gestaltet. Er ist auch für die Innenausstattung des neuen Orient-Express-Zugs verantwortlich. Das Ziel: eine moderne Hommage an die goldene Ära des Reisens. Elemente aus dem Jugendstil treffen auf zeitgenössisches Design. Die Suiten bieten zwischen 45 und 230 m² Platz, sind lichtdurchflutet und verfügen teils über private Terrassen.

Kulinarisch setzen die Betreiber ebenfalls auf Exzellenz. Der französische Sternekoch Yannick Alléno übernimmt die Verantwortung für alle fünf Restaurants an Bord – genau wie für die Küche im legendären Zug.

Wer baut eine solche Yacht?

Hinter dem Bau steht die traditionsreiche Werft Chantiers de l’Atlantique in Saint-Nazaire. Die Werft ist auf komplexe Passagierschiffe spezialisiert und war auch am Bau großer Kreuzfahrtschiffe beteiligt. Der erste Stahlschnitt für die „Orient Express Corinthian“ erfolgte im März 2024. Der Stapellauf – also das erste Schwimmen im Wasser – fand im Juni 2025 statt. Seitdem liegt das Schiff am Ausrüstungskai. Hier folgen der Innenausbau, die Systemintegration und letzte technische Tests.

Das Schiff wurde aus 14 Strukturblöcken zusammengesetzt – ein gängiges Verfahren im modernen Schiffbau. Dabei werden einzelne große Sektionen vorgefertigt und dann verschweißt.

Ein Schwesterschiff ist bereits geplant: Die „Orient Express Olympian“ soll ein Jahr später, im Sommer 2027, in Betrieb gehen.

Ist das überhaupt noch eine Yacht?

Mit 220 Metern Länge wird die „Orient Express Corinthian“ künftig alle bekannten Maßstäbe im Bereich der Segelyachten übertreffen. Auch wenn sie formal eher als Kreuzfahrtschiff einzustufen ist – denn sie gehört einem Konzern und wird kommerziell betrieben. Yachten im klassischen Sinn befinden sich meist im Privatbesitz, entweder von Einzelpersonen oder in einer Eigentümergruppe.

In Fachkreisen spricht man daher bei Schiffen wie der „Orient Express Corinthian“ von einem Kreuzfahrt-Segler – ähnlich wie bei der „Club Med 2“, die es auf 194 Meter bringt. Zum Vergleich: Die aktuell größte privat genutzte Segelyacht der Welt, die „A“, misst rund 142 Meter. Dahinter folgen Jeff Bezos’ „Koru“ mit 127 Metern und die „Black Pearl“ mit 106 Metern Länge. Alle anderen bekannten Segelyachten bleiben deutlich unter der 100-Meter-Marke.

 

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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