Kein Benzin, kein Lärm: Ukrainische Drohne testet Wasserstoff im Krieg
Erstmals testet die Ukraine eine Aufklärungsdrohne mit Wasserstoffantrieb im Kriegseinsatz. Leiser, kühler – aber technisch anspruchsvoll.
Start in den Einsatz: Die Aufklärungsdrohne Raybird hebt mit wasserstoffelektrischem Antrieb ab. Der neue Antrieb senkt Wärme- und Geräuschsignatur und wird unter realen Gefechtsbedingungen erprobt.
Foto: Skyeton
Die Ukraine nutzt den Krieg nicht nur zur Verteidigung, sondern auch als technisches Testfeld. Erstmals erprobt der ukrainische Drohnenhersteller Skyeton ein unbemanntes Luftfahrzeug mit wasserstoffelektrischem Antrieb unter realen Einsatzbedingungen. Eine Hybridvariante der Aufklärungsdrohne Raybird fliegt seit Dezember 2025 operative Missionen bei einer Einheit der ukrainischen Streitkräfte. Ziel der Tests ist es, Technik und Logistik eines neuartigen Antriebskonzepts unter Gefechtsbedingungen zu bewerten.
Inhaltsverzeichnis
Kein Umbau, sondern ein neues Flugzeug
Der Schritt zum Wasserstoffantrieb ließ sich nicht mit einer einfachen Umrüstung erledigen. Tanks, Brennstoffzelle und Elektromotor stellen andere Anforderungen an Struktur, Schwerpunkt und Kühlung als ein klassischer Verbrennungsmotor. Skyeton entwickelte deshalb eine neue Flugzeugzelle. Das Ergebnis ist kein modifizierter Raybird, sondern ein eigenständiges Konzept, das dennoch in derselben Gewichtsklasse bleibt wie die bekannte Version mit Kolbenmotor.
Der Ansatz folgt einem klaren Prinzip: möglichst wenige bewegliche Teile, elektrische Energie direkt an Bord erzeugt und ein Antriebssystem, das wartungsärmer ist als ein Verbrenner. Der Wasserstoff wird in austauschbaren Drucktanks mitgeführt. Eine Brennstoffzelle wandelt ihn in Strom um, der den Elektromotor speist. Ergänzt wird das System sehr wahrscheinlich durch eine kleine Pufferbatterie, um Lastspitzen abzufangen und den Betrieb zu stabilisieren.
Reichweite bleibt die harte Kennzahl
Für militärische Aufklärung zählt am Ende die Zeit in der Luft. Die konventionelle Raybird-Version erreicht laut Hersteller über 28 Stunden Flugzeit. Die wasserstoffelektrische Variante liegt derzeit bei rund zwölf Stunden. Das ist weniger, aber keineswegs unbrauchbar. Viele Aufklärungsmissionen bewegen sich im Bereich von acht bis zwölf Stunden.
Skyeton arbeitet daran, die Dauer auf etwa 20 Stunden zu steigern. Das ist ambitioniert, aber technisch nicht unrealistisch. Höhere Tankdrücke, effizientere Brennstoffzellenstacks und optimierte Flugprofile könnten diesen Schritt ermöglichen.

Rückkehr per Fallschirm: Die Aufklärungsdrohne Raybird sinkt nach einer Mission kontrolliert zu Boden.
Foto: Skyeton
Weniger Hitze, weniger Lärm – aber nicht unsichtbar
Ein zentraler Vorteil des neuen Antriebs liegt in der Signatur. Elektromotoren und Brennstoffzellen erzeugen deutlich weniger Abwärme als Verbrennungsmotoren. Von einer „verschwindenden“ Wärmesignatur kann zwar keine Rede sein – auch eine Brennstoffzelle produziert Wärme –, doch im Vergleich ist das Infrarotprofil klar reduziert. Für Aufklärungsdrohnen ist das relevant, da moderne Luftabwehrsysteme und bodengebundene Sensoren stark auf IR-Erkennung setzen.
Auch akustisch bietet der Elektroantrieb Vorteile. Der Hybrid-Raybird fliegt leiser und kann in größeren Höhen operieren. Beides erhöht die Überlebensfähigkeit im Einsatzgebiet. Bewaffnet ist das System nicht. Es trägt Radar-, optische und weitere Sensoren für die taktische Langstreckenaufklärung.
Technik unter Extrembedingungen
Der Einsatz in der Ukraine gilt als Härtetest. Skyeton gibt an, dass sowohl die konventionelle als auch die wasserstoffelektrische Variante in einem Temperaturbereich von −35 °C bis +55 °C einsatzfähig sind. Gerade für den Wasserstoffbetrieb ist das anspruchsvoll. Dichtungen, Leitungen und Drucksysteme reagieren empfindlich auf Kälte. Hinzu kommt die bekannte Problematik der Wasserstoffdurchlässigkeit.
Nach Herstellerangaben wurden Materialien, Verbindungen und das Druckmanagement gezielt optimiert, um Verluste zu minimieren und die Handhabung für das Bodenpersonal praktikabel zu halten. Der Kriegseinsatz dient hier weniger der Demonstration als der nüchternen Erprobung.
Logistik als Teil des Konzepts
Wasserstoff gilt im militärischen Kontext oft als logistisches Risiko. Skyeton begegnet dem mit zwei Optionen. Entweder erhalten Einheiten vorgefüllte Tanks, die wie Kartuschen getauscht werden. Alternativ stellt der Hersteller eine kompakte mobile Einheit bereit, die vor Ort Wasserstoff erzeugen kann.
Beides ist kein Selbstläufer. Mobile Elektrolyse benötigt Energie, und der Betrieb nahe der Front ist anspruchsvoll. Dennoch zeigt der Ansatz, dass der Antrieb nicht isoliert betrachtet wird. Logistik ist Teil des Systems – und Teil des Tests.
Technische Eckdaten
Die wasserstoffelektrische Raybird-Variante fliegt mit rund 110 km/h Reisegeschwindigkeit. Das maximale Startgewicht liegt bei etwa 23 kg. Die Spannweite beträgt 4,m, die Nutzlast rund 10 kg. Damit bleibt die Plattform klar im Segment taktischer Langstreckenaufklärung.
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