Fliegen mit Wasserstoff 22.03.2025, 08:52 Uhr

Brennstoffzellen-Jet von Beyond Aero auf dem Weg zur Serienreife

Beyond Aero stellt ein überarbeitetes Konzept seines Wasserstoffjets vor – mit Fokus auf Sicherheit, Effizienz und Zertifizierungsreife.

Beyond Aero

Das BYA-1 genannte Modell ist laut Beyond Aero das erste elektrische Leichtflugzeug, das für den Antrieb mit einer Brennstoffzelle konzipiert wurde.

Foto: Beyond Aero

Beyond Aero, ein Unternehmen mit Sitz in Toulouse, hat eine überarbeitete Version seines wasserstoffelektrischen Leichtjets vorgestellt. Ziel ist es, den Jet zur Zertifizierung und anschließenden Marktreife zu führen. Das neue Konzept bringt technische Verbesserungen mit sich, die von Branchenexpertinnen und -experten bewertet und positiv bestätigt wurden. Der überarbeitete BYA-1 setzt stärker auf Sicherheit, Effizienz und Wartungsfreundlichkeit – alles entscheidende Faktoren für einen erfolgreichen Einsatz in der Geschäftsluftfahrt.

Fokus auf Sicherheit und Redundanz

Seit der ersten Präsentation auf der Pariser Luftfahrtmesse in Le Bourget im Juni 2023 wurde der Jet umfassend überarbeitet. Besonders auffällig ist das neue Brennstoffzellensystem. Es funktioniert komplett ohne Batterie und basiert auf einer modularen Architektur.

Zwei Elektromotoren werden über getrennte Triebwerkskanäle angetrieben. Diese doppelte Auslegung erhöht die Ausfallsicherheit, sorgt für mehr Skalierbarkeit und erfüllt gleichzeitig die Sicherheitsanforderungen der Luftfahrtbranche. Der Brennstoffzellenstapel leistet jetzt bis zu 2,4 Megawatt.

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Sicherheit durch neues Tankdesign

Ein zentraler Punkt bei der Umgestaltung war die Platzierung der Wasserstofftanks. Die Entwickler*innen entschieden sich dafür, die 700-bar-Drucktanks oberhalb der Tragflächen zu integrieren.

Diese Position verbessert die Crashsicherheit und vermeidet Hochdruckleitungen innerhalb der Druckkabine – ein Risiko, das in herkömmlichen Designs oft übersehen wird. Damit erfüllt das Flugzeug wichtige Anforderungen an die Luft- und Raumfahrtsicherheit.

Effizienter Antrieb durch optimiertes Wärmemanagement

Ein weiterer technischer Fortschritt betrifft  laut Hersteller die elektrischen Impeller, also die Antriebseinheiten des Jets. Sie wurden mit einem verbesserten Wärmemanagement ausgestattet, das auch unter extremen Bedingungen eine stabile Leistung ermöglicht.

Gesteuert wird der Antrieb durch eine digitale Triebwerksregelung (FADEC), die eine präzise Steuerung in allen Flugphasen erlaubt. Die gesamte Antriebseinheit wird im Rahmen eines sogenannten TC-Triebwerks zertifiziert, was eine Voraussetzung für die spätere Zulassung darstellt.

Geringere Betriebskosten durch einfachen Aufbau

Die elektrische Architektur des Jets bringt laut Hersteller nicht nur mehr Sicherheit, sondern auch finanzielle Vorteile. Der Verzicht auf eine Hochtemperaturturbine und die Reduzierung der beweglichen Teile um 90 % verringern den Wartungsaufwand deutlich. Ein modulares Triebwerkswechselsystem erlaubt den schnellen Austausch einzelner Komponenten. Insgesamt rechnet Beyond Aero mit bis zu 55 % niedrigeren Betriebskosten im Vergleich zu konventionellen Geschäftsflugzeugen.

Auch beim Treibstoff kann Wasserstoff  wahrscheinlich punkten. Prognosen zufolge wird er bereits 2025 um 65 % günstiger sein als synthetischer Flugkraftstoff (Power-to-Liquid-SAF). Im Vergleich zu herkömmlichem Kerosin (Jet A-1) wird für das Jahr 2030 ein Preisvorteil von 17 % erwartet.

Rückhalt durch die Industrie

Um die technische Machbarkeit zu überprüfen und die Zertifizierung zu beschleunigen, hat Beyond Aero einen hochkarätigen Beirat einberufen. Dieser besteht aus erfahrenen Führungskräften und Fachleuten aus der Luft- und Raumfahrt. Dazu zählen unter anderem:

  • Stéphane Mayer, früher CEO bei ATR und Daher
  • Bernard Attali, ehemaliger Vorsitzender von Air France
  • Dominique Roland, Ex-Leiter der Allgemeinen Luftfahrt bei der EASA

Die Experten bestätigen das Potenzial des Jets und bescheinigen ihm Reife für die nächste Phase. Dominique Roland erklärt: „Ein Flugzeug, das sich als wunderschönes Produkt erwiesen hat, bei dem Sicherheit und Zertifizierung im Mittelpunkt stehen.“

Leistungsdaten für den Geschäftsflugmarkt

Der Jet BYA-1 ist für den Transport von sechs Passagieren ausgelegt und schafft Reichweiten von bis zu 800 Seemeilen (etwa 1.500 km) inklusive Sicherheitsreserven. Damit kann das Flugzeug über 80 % der üblichen Strecken im europäischen Geschäftsreiseverkehr abdecken.

Die Startrollstrecke beträgt lediglich 620 Meter, der Anflugwinkel liegt bei 5,5 Grad – das macht den Jet auch für Flughäfen mit kurzen Landebahnen oder besonderen Anforderungen attraktiv, etwa London City.

Komfort für Passagiere

Neben der Technik stand auch der Komfort im Fokus der Überarbeitung. Die elliptischen Fenster des Jets sind 27 % größer als in vergleichbaren Maschinen. Das sorgt für mehr Tageslicht und bessere Sicht.

Ein weiterer Vorteil: Der Lärmpegel in der Kabine wurde durch den leisen Elektroantrieb und zusätzliche Schalldämmung um 15 dB(A) reduziert. Für Fluggäste bedeutet das ein deutlich ruhigeres Reiseerlebnis.

Zertifizierung: enge Zusammenarbeit mit der EASA

Beyond Aero befindet sich aktuell in engem Austausch mit der europäischen Luftfahrtbehörde EASA. Gemeinsam werden Wege erarbeitet, um wasserstoffbetriebene Flugzeuge rechtlich abzusichern. Da bestehende Vorschriften (CS-23) solche Antriebskonzepte bisher nicht abdecken, definiert das Unternehmen zusammen mit der Behörde spezielle Zulassungsbedingungen.

Walter Filho, Leiter der Zertifizierungsabteilung bei Beyond Aero, sagt: „Beyond Aero schafft einen Präzedenzfall für die wasserstoffelektrische Zertifizierung.“

Wer steckt hinter Beyond Aero?

Beyond Aero wurde 2020 gegründet und hat Standorte in Toulouse, Paris und Los Angeles. Das Unternehmen beschäftigt über 70 Ingenieur*innen und möchte sein Team weiter ausbauen. Es hat über 44 Millionen US-Dollar an Investitionen eingesammelt und kürzlich den ersten bemannten Flug eines wasserstoffelektrischen Flugzeugs in Frankreich durchgeführt.

Derzeit liegen Absichtserklärungen für über 100 Jets vor – mit einem Gesamtvolumen von rund 914 Millionen US-Dollar.

 

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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