E-Familienauto: Wer bietet im Winter die größte Reichweite?
Der ADAC hat in diesem Winter die Familienautos getestet. Unter den vollelektrischen Fahrzeugen stach vor allem ein Audi hervor. Nach wie vor stellen winterliche Verhältnisse die Elektro-Autos vor Herausforderungen, wenn es um deren Langstreckentauglichkeit geht.
Ein teures E-Auto bietet nicht unbedingt die größte Reichweite – wie der aktuelle ADAC-Test belegt.
Foto: smarterPix / welcomia
Wie gut kommen vollelektrische Familienautos mit niedrigen Temperaturen und langen Autobahnetappen zurecht? Diese Frage hat sich der ADAC gestellt und 14 Modelle daraufhin genauestens geprüft. Klarer Testsieger: der Audi A6 Avant e-tron performance. Im Fokus des Tests standen reale Reichweite, Verbrauch und Ladegeschwindigkeit bei 0 Grad Celsius.
Die Ergebnisse kamen durch eine simulierte Winterfahrt von München nach Berlin mit realistischen Steigungen, Gefällen und Verkehrsbedingungen zustande. 582 Kilometer galt es für die Familienautos zu bewältigen. Die Ergebnisse belegen, dass weiterhin deutliche Unterschiede bei Effizienz und Ladegeschwindigkeit bestehen.
Bei der Reichweite im Winter hat der E-Audi die Nase vorn
Mit der Gesamtnote 1,9 setzt sich der Audi A6 Avant e-tron performance an die Spitze des Feldes und ist für den ADAC damit klarer Testsieger. Nach 3 Stunden und 49 Minuten Fahrtstrecke kommt der Kombi im Wintertest auf 441 Kilometer und verbraucht im Schnitt nur 23,2 kWh je 100 Kilometer. Für die komplette Distanz von 582 Kilometern braucht das Fahrzeug einen Ladestopp, lädt dank 800-Volt-System jedoch in 20 Minuten Energie für 300 zusätzliche Kilometer nach und erreicht damit Bestwerte bei nachgeladener Reichweite.
Dauer der Ladestopps können entscheidend sein
Hinter dem Audi platziert sich das Tesla Model Y mit der Note 2,5, das trotz Allradantrieb und SUV-Karosserie mit 22,2 kWh/100 km den niedrigsten Verbrauch im Testfeld erzielt. Dahinter folgen als weitere Familien-E-Autos der Volkswagen ID 7 Tourer Pro mit der Note 2,7 sowie der Smart #5 Premium mit der Note 2,9, die beide leicht höhere Verbrauchswerte aufweisen.
Für die simulierte Autobahnfahrt von München nach Berlin benötigen die meisten getesteten Familien-E-Autos zwei Ladestopps, um sicher ans Ziel zu gelangen. Lediglich der Audi A6 Avant e-tron performance und der Smart #5 schaffen die 582 Kilometer mit nur einem Halt, der etwa 20 Minuten dauert. Bei etlichen anderen Modellen kann der zweite Stopp auch kürzer ausfallen, die Strecke bis Berlin schaffen die Fahrzeuge dann ebenfalls spielend. Insgesamt bescheinigt der ADAC den aktuellen Fahrzeugen eine wachsende Langstrecken- und Wintertauglichkeit, verweist aber weiter auf große Spannen bei der Reichweite im Winter und der Nachladegeschwindigkeit.
E-Autos im Winter: die Bordspannung macht den Unterschied
Die durchaus unterschiedlichen Reichweiten und Ladegeschwindigkeiten hängen vor allem mit einem technischen Unterschied zusammen: Immer mehr Modelle setzen in der Bordspannung auf 800-Volt-Systeme, die Ladeleistungen von über 200 kW ermöglichen und so besonders schnelle Stopps erlauben. Andere Fahrzeuge nutzen weiterhin 400-Volt-Architekturen und liegen bei der maximalen Ladeleistung spürbar darunter.
Diesen Nachteil können die Fahrzeuge jedoch teilweise durch einen geringeren Verbrauch kompensieren, wie etwa Tesla und Volkswagen demonstrieren. Für Nutzerinnen und Nutzer bedeutet dies, dass bei einem E-Auto die Reichweite im Winter stets in Verbindung mit der verfügbaren Ladeleistung betrachtet werden sollte.
Teure E-Autos sind nicht unbedingt reichweitenstärker
Im Jahr zuvor hatte der ADAC ebenfalls verschiedene E-Autos einem Reichweitentest unterzogen. Im diesjährigen Vergleich der Familien-Elektroautos zeigt sich im Ergebnis ein interessanter Unterschied: Die teuersten Modelle erzielen nicht automatisch die größte Reichweite.
Zwar bewegt sich der Audi A6 Avant e-tron performance mit 77.250 Euro im höheren Preisbereich, doch die nächstplatzierten Fahrzeuge von Tesla, Volkswagen und Smart liegen mit 50.900 bis 54.905 Euro deutlich darunter und überzeugen so mit einem besseren Verhältnis von Anschaffungskosten zu Leistung. Die Ergebnisse machen deutlich, dass die Reichweite eines E-Autos heute nicht mehr allein eine Frage des Budgets ist.
Diese E-Autos zeigten besonders schlechte Winter-Werte
Besonders kostspielige Fahrzeuge haben bei dem Test durchaus enttäuschende Ergebnisse geliefert: Der Volvo EX90 Twin Motor AWD ist mit 91.700 Euro der teuerste Testwagen, erreicht wegen eines hohen Verbrauchs von 31,6 kWh auf 100 Kilometern jedoch lediglich 360 Kilometer Reichweite und landet damit nur auf dem vorletzten Rang. Noch schlechter präsentiert sich der BYD Sealion 7 Excellence AWD, der trotz 91,3 kWh großer Batterie mit 293 Kilometern als einziges Modell unter der 300-Kilometer-Marke bleibt und mehr als 35 kWh/100 km benötigt, was deutlichen Optimierungsbedarf bei winterlichen Bedingungen offenlegt.
Im Winter gemessene Werte weichen deutlich ab
Wie schon im früheren Test weichen die Praxiswerte im Winter deutlich von den WLTP-Angaben ab, auf die viele Kundinnen und Kunden beim Autokauf achten. Die Normreichweiten werden bei rund 23 Grad Celsius und moderatem Fahrprofil ermittelt, während der aktuelle ADAC-Winter-Langstreckentest bei etwa 0 Grad und konstantem Autobahntempo gefahren wurde. Dadurch ergeben sich durchschnittlich 57 Prozent höhere Verbrauchswerte gegenüber den WLTP-Werten.
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