ADAC-Untersuchung 23.07.2025, 12:59 Uhr

E-Auto an Autobahnen laden kann sehr teuer sein

Wer sein E-Auto während einer Urlaubsfahrt an der Autobahn laden möchte, kann unter Umständen richtig zur Kasse gebeten werden. Bis zu 62 % mehr verlangen einige Ladestromanbieter von Kunden ohne Vertragsbindung.

Ladestrom tanken an Autobahnen kann laut ADAC richtig ins Geld gehen. Foto: ADAC/Jochen Wieler

Ladestrom tanken an Autobahnen kann laut ADAC richtig ins Geld gehen.

Foto: ADAC/Jochen Wieler

Die meisten Autofahrer wissen es – Tanken an Autobahn-Tankstellen kann richtig teuer sein. Die Anbieter verlangen einen saftigen Aufpreis gegenüber Tankstellen, die abseits der Autobahn vielleicht nur wenige hundert Meter entfernt sind. Anfang Juli 2025 hat der ADAC Stichproben genommen, die im Grunde genommen jedem Autofahrer und jeder Autofahrerin dazu anraten, zum Tanken von der Autobahn abzufahren. Denn die Preisdifferenz bei Super E10 lag im Erhebungszeitraum bei bis zu 57 ct, bei Diesel bei bis zu 54 ct gegenüber Tankstellen, die abseits der Autobahn lagen. Die Umfrage ergab auch: Über 80 % der Autofahrenden verlassen zum Tanken die Autobahn.

62 % teurer als mit Vertragsbindung

Das könnten Fahrende von E-Autos theoretisch auch machen, doch hier sieht die Sache etwas anders aus. Das Stichwort hierzu lautet: Vertragsbindung. Während Ladekunden, die bei einem bestimmten Ladeinfrastrukturbetreiber einen Vertrag haben, für 52 pro kWh laden können, müssen Kunden ohne Vertragsbindung für denselben Strom 84 pro kWh zahlen. 62 % teurer als mit Vertragsbindung.

Zum Vergleich: Der derzeit durchschnittliche Preis pro kWh Stunde der Stromanbieter liegt bei etwa 35 ct. Hier werden Kunden und Kundinnen laut ADAC mutmaßlich abgezockt, was dem Hochlauf der Elektromobilität bestimmt nicht förderlich sei. Preistreiber sind hier vor allem EWE GO mit einem Aufpreis von 62 % und EnBW mit einem Aufpreis von 47 % – weil ohne Vertragsbindung. Ionity ist mit einem Preiszuschlag von 7 % noch vergleichsweise human, während etwa Allego und Fastnet gar keinen Unterschiedsbetrag berechnen.

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E-Laden an Autobahnen ist oft intransparent

Die ADAC Untersuchung an Autobahnen zeigt: Laden ist oft intransparent, nicht benutzerfreundlich und ohne Vertragsbindung teuer. So kann das für das Laden an Autobahnen eklatante Preisunterschiede bedeuten: Ad-hoc-Laden ohne Vertragsbindung ist beim gleichen Anbieter bis zu 62 % teurer als in einer vertragsbasierten Variante ohne Grundgebühr.

So mussten Kunden bei EWE Go fürs Ad-hoc-Laden 84 ct/kWh bezahlen, bei vertragsbasiertem Laden aber nur 52 ct. Den höchsten Preis fürs Ad-hoc-Laden rief EnBW mit 87 ct/kWh auf und 59 ct fürs Laden mit einem Vertrag. Am günstigsten fuhren Kunden mit Citywatt und EAM, die jeweils 64 ct/kWh für das Ad-hoc-Laden verlangten. Hier zeigt sich, dass Ad-hoc-Laden nicht automatisch teurer sein muss.

Vertragsbindung

Eine Art „Vertragsbindung“ bei Kraftstoffanbietern bedeutet oft nur eine Einsparung von 2 ct pro getanktem Liter. Die Einsparung bei Ladestrom ist oft deutlich höher – aber auf sehr viel höherem Niveau.

Foto: Peter Kellerhoff

E-Fahrer werden in Verträge gedrängt

Die hohen Preise für das Ad-hoc-Laden an Autobahnen führen dazu, dass E-Autofahrer in Verträge gedrängt werden. Nach Ansicht des ADAC ist das ein untragbarer Zustand: Ein niederschwelliger Zugang und ein unkompliziertes Laden mit der Debit- oder Kreditkarte ist für den Hochlauf der Elektromobilität entscheidend.

Als ein weiteres Ärgernis für Verbraucher identifiziert der ADAC auch die sogenannte Vorautorisierungsgebühr von bis zu 150 €, die einzelne Betreiber beim Ad-hoc-Laden vor dem eigentlichen Ladevorgang erheben. Die Freigabe bzw. Rückerstattung des Differenzbetrages kann je nach Bank oft mehrere Tage dauern.

Intransparenz von Ladekosten

Der ADAC kritisiert darüber hinaus die teilweise noch vorhandene Intransparenz von Ladekosten, die sich auch an Autobahnen zeigte. Ladeanbieter sind verpflichtet, Preise klar, verständlich und in Echtzeit an der Ladesäule sowie digital anzugeben. Laut einer aktuellen ADAC-Umfrage sehen das auch die Verbraucher so: 96 % der Befragten geben an, dass Ladepreise, wie beim Tanken, vorab klar angezeigt werden sollen.

Über die Hälfte hält die derzeitige Preisgestaltung an der Ladesäule für nicht ausreichend transparent. Vertragsbasierte Tarife mit und ohne Grundgebühr sind in ihrer Ausgestaltung teilweise schwer vergleichbar. Manche Gebühren sind in Euro ausgewiesen, manche Preisvorteile nur als Rabatt in Prozent. Die Stichprobe des ADAC entlang der Autobahnen zeigt, dass Tarife mit Grundgebühr die Kosten für die einzelne Kilowattstunde Strom im Vergleich zum Ad-hoc-Laden zwar verringern, aber diese Tarifpakete in Größe und Kosten stark variieren. Verbraucher sollten daher sorgfältig prüfen, welche Tarifstrukturen zu ihrem regelmäßigen Bedarf passen und ob sich eine monatliche Grundgebühr für sie lohnt.

E-Laden sollte ähnlich transparent sein wie Kraftstofftanken

Vor dem Hintergrund der Erkenntnisse fordert der ADAC eine regelmäßige Marktüberwachung und mehr Wettbewerb auf dem Lademarkt. Aus Sicht des ADAC muss eine Markttransparenzstelle für Ad-hoc-Ladepreise beim Bundeskartellamt eingeführt werden. Diese hat sich am Kraftstoffmarkt bewährt und sollte im Sinne der Verbraucher vom Bundeskartellamt auch beim Ladestrom eingerichtet werden.

Um der Elektromobilität in der Breite zum Durchbruch zu verhelfen, sollte Laden ähnlich einfach, diskriminierungsfrei und bedienungsfreundlich sein wie Tanken. Krasse Preisdifferenzen zwischen Ad-hoc-Laden und vertragsbasiertem Laden passen nicht dazu.

Ein Beitrag von:

  • Peter Kellerhoff

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Automobil, Nutzfahrzeuge, Schiff, Bahn, Verkehr, Mobilität, E-Mobilität, Software, Cloud, Internet, KI

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