Überwachung der Kraftstoffkette 15.07.2026, 15:30 Uhr

Dieser Bosch-Test könnte für Verbrenner nach 2035 entscheidend werden

Ein Pilotprojekt in Spanien erprobt den digitalen Nachweis erneuerbarer Kraftstoffe. Beteiligt sind Bosch, BMW, Toyota und Repsol.

Auto wird betankt

Im Pilotprojekt von Bosch, BMW, Toyota und Repsol werden rund 20 Fahrzeuge mit erneuerbarem Benzin betankt. Ein digitales System soll die Tankvorgänge eindeutig den einzelnen Fahrzeugen zuordnen.

Foto: Smarterpix / HayDmitriy

Die Debatte um das Verbrenner-Aus ab 2035 läuft in der EU auf Hochtouren. Doch wie lässt sich eigentlich rechtssicher belegen, dass ein Auto tatsächlich nur sauberen Sprit im Tank hat?

Genau diese Frage soll ein neues Pilotprojekt klären. Seit Anfang Juli 2026 rollen rund 20 Fahrzeuge von BMW, Toyota und Lexus für sechs Monate durch Spanien. Ihr Treibstoff: ausschließlich erneuerbares Benzin. Der eigentliche Clou des Versuchs liegt jedoch nicht im Motor, sondern in der Cloud: Bosch erprobt hier ein digitales System, das den Nachweis für jede Tankfüllung liefern soll.

Dieses Projekt könnte die politische Debatte um die Zukunft des Verbrennungsmotors entscheidend beeinflussen. Werfen wir einen Blick auf die Details und die technischen Hürden.

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Der Ansatz: Cloud-Daten statt teurer Sensoren

Das Konsortium aus Bosch, Toyota Motor Europe, der BMW Group und dem spanischen Energiekonzern Repsol nutzt für den Versuch Fahrzeuge aus bestehenden Flotten. Das Gute vorweg: Technische Anpassungen an den Motoren oder den Tankstellen sind nicht notwendig.

Die eigentliche Innovation findet in der Datenkette statt. Anstatt einen teuren und fehleranfälligen Kraftstoffsensor direkt im Tank zu verbauen, setzt Bosch auf Software: den Digital Fuel Twin.

Diese cloudbasierte Plattform verknüpft verschiedene Datenströme in Echtzeit:

Datenquelle Erfasste Informationen durch den Digital Fuel Twin
Fahrzeug & Tankstelle Welches Fahrzeug wurde exakt betankt?
Transaktionsdaten Ort, Zeitpunkt und die genaue Abgabemenge der Tankfüllung.
Schnittstelle Zapfsäule Die hinterlegte Kraftstoffsorte sowie zugehörige Nachhaltigkeits- und Emissionsdaten.

Wichtig zu wissen: Der Digital Fuel Twin analysiert den Kraftstoff nicht chemisch. Er weiß also nicht durch eine Messung, welche Moleküle im Tank schwimmen. Das System gleicht lediglich digitale Datensätze ab und ordnet sie dem Fahrzeug zu.

Am Ende soll so ein auditfähiger Nachweis über den tatsächlichen Verbrauch und die Treibhausgasbilanz entstehen. Ob die EU-Behörden ein solches rein digitales Verfahren jemals für die Flottenregulierung anerkennen, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Vorher müssen kritische Fragen zu Manipulationsschutz, Datenqualität und unabhängigen Kontrollen gelöst werden.

Was passiert beispielsweise bei einer Betankung per Kanister, an einer nicht vernetzten Station oder bei der Nutzung einer falschen Tankkarte? Zu diesen Grauzonen schweigen die Projektpartner bislang.

Nexa 95: Wie grün ist das erneuerbare Benzin wirklich?

Die Testfahrzeuge tanken Nexa 95, ein erneuerbares Benzin, das Repsol seit 2025 in Tarragona produziert. Es erfüllt die europäische Norm für Superkraftstoff (Oktanzahl 95) und ist damit voll kompatibel mit bestehenden Benzinmotoren.

Doch beim Begriff „100 % erneuerbar“ ist Vorsicht geboten:

  • Keine Emissionsfreiheit: Auch Nexa 95 setzt bei der Verbrennung CO₂ frei. Zudem entstehen im Fahrbetrieb die üblichen Schadstoffe wie Stickoxide (NOx), Kohlenmonoxid und Partikel.
  • CO₂-Reduktion im Lebenszyklus: Repsol spricht von einer Netto-Treibhausgasreduktion von über 70 % im Vergleich zu fossilem Benzin (Well-to-Wheel, also von der Quelle bis zum Rad).
  • Mangelnde Transparenz: Eine detaillierte, öffentlich zugängliche Ökobilanz für den im Projekt genutzten Kraftstoff fehlt bisher. Weder der genaue Rohstoffmix noch der Energiebedarf bei der Herstellung sind bekannt.

Für eine echte Bewertung der Klimawirkung muss man genau wissen, welche Reststoffe und Abfälle verarbeitet werden und woher die dafür nötige Energie stammt.

Der Digital Fuel Twin von Bosch liefert auditfähige Nachweise über den Einsatz klimafreundlicher Kraftstoffe und die dadurch verringerten CO2-Emissionen. Die Softwarelösung kommt jetzt in einem Pilotprojekt mit BMW, Toyota und Repsol zum Einsatz. Dieses soll zeigen, dass sich erneuerbare Kraftstoffe bereits effektiv und in großem Maßstab im Verkehr einsetzen lassen. Foto: Bosch

Die Jagd nach dem VEEF-Status

Hinter dem Projekt steht ein klares politisches Ziel. Die Partner schielen auf eine neue, bisher im EU-Recht nicht existierende Fahrzeugkategorie: VEEF (Vehicles Exclusively running on Eligible Fuels). Gemeint sind Fahrzeuge, die nachweislich nur mit bestimmten erneuerbaren Kraftstoffen betrieben werden können.

Obwohl diese Kategorie bei den Diskussionen um die CO₂-Flottengrenzwerte intensiv debattiert wurde, hat sie es im Dezember 2025 nicht in den finalen Gesetzesvorschlag der EU-Kommission geschafft. Stattdessen wird über allgemeinere Anrechnungsmechanismen verhandelt. Das spanische Pilotprojekt liefert somit Daten für ein Modell, das regulatorisch noch völlig in der Luft hängt.

Was uns der Feldversuch zeigt – und was er verschweigt

Mit rund 20 Fahrzeugen lässt sich hervorragend testen, ob die digitale Zuordnung der Tankdaten im Alltag stabil läuft. Das ist ein wertvoller technischer Machbarkeitsnachweis für lückenloses Daten-Tracking.

Als wissenschaftlicher Beleg für die Massentauglichkeit von E-Fuels taugt der Versuch hingegen kaum. Dafür fehlen schlicht zu viele handfeste Daten:

  • Es gibt keine Details zu den genauen Fahrzeugmodellen und Motorvarianten.
  • Fahrprofile, Einsatzregionen und Laufleistungen werden nicht offengelegt.
  • Eine fossile Vergleichsflotte sowie flankierende Abgasmessungen fehlen im Versuchsaufbau.

Auch die Kernprobleme der E-Fuels – die begrenzte Verfügbarkeit im großen Stil, die hohen Herstellungskosten und die Frage, ob diese kostbaren Kraftstoffe nicht dringender in der Luft- oder Schifffahrt gebraucht werden – kann dieses Projekt nicht lösen.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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