Elektromobilität 18.06.2013, 14:15 Uhr

Die Angst des E-Autofahrers vor der leeren Batterie

Die zögerliche Marktdurchdringung von Elektroautos hat zweifellos auch eine psychologische Ursache: die Urangst des Fahrers, mit leerer Batterie unterwegs liegen zu bleiben.

Ob Stadt oder Land: Per Tastendruck kann der Fahrer das Konzeptfahrzeug "Simplify your Drive" für Elektrofahrzeuge auf seine Bedürfnisse einstellen.

Ob Stadt oder Land: Per Tastendruck kann der Fahrer das Konzeptfahrzeug "Simplify your Drive" für Elektrofahrzeuge auf seine Bedürfnisse einstellen.

Foto: Continental

Diese Phobie kennt jeder, der schon mal in einer fremden Stadt mit bedenklich gegen null wandernder Tankanzeige verzweifelt nach einer Tankstelle spähte: liegen zu bleiben, womöglich bei Nacht und Regen in einem Tunnel oder auf einer Brücke. Hinzu kommt noch mangelndes Vertrauen in die zuweilen optimistische Anzeige der restlichen Reichweite, wie sie inzwischen in vielen Fahrzeugen Standard ist.

Um den Adrenalinspiegel von Elektroauto-Nutzern auf Normalmaß zu senken, hat der Zulieferer Continental sein Konzeptfahrzeug „Simplify your Drive“ entwickelt. Mit leicht verständlicher Bedienung und intelligenter Vernetzung von Navigationsdaten und Bordelektronik soll es als erfolgreiches Rezept gegen Reichweitenangst in E-Autos wirken.

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Mit „Simplify your Drive“ nach vorne blicken

„Bisher üblich ist die Ermittlung der restlichen Reichweite über den durchschnittlichen Stromverbrauch der letzten zurückgelegten Kilometer“, erläutert Ralf Lenninger, Leiter der Strategie- und Entwicklungsabteilung bei Continental. „In unserem Konzeptfahrzeug drehen wir den Spieß einfach um und lassen das Fahrzeug nach vorne blicken. Damit lässt sich die Reichweite wesentlich genauer bestimmen als bisher.“

Für die vorausschauende Reichweitenberechnung bezieht das System topografische Daten aus der Navigation im sogenannten eHorizon (elektronischer Horizont schon heute in Lkw und Pkw verfügbar) und zusätzlichen Energieverbrauch im Bordnetz mit ein. So „weiß“ die Elektronik beispielsweise, ob Heizung oder Klimaanlage in Betrieb ist und ob die Fahrtroute durch die Innenstadt, über Landstraßen oder Autobahn, bergauf oder bergab, verläuft.

Beim Start stellt der Fahrer einfach per Tastendruck auf dem Touchscreen in der Mittelkonsole ein entsprechendes Fahrprofil ein. Wählt er zum Beispiel „Reise-Profil“ für eine längere Strecke, fordert ihn das Fahrzeug unmittelbar zur Zieleingabe auf. Anschließend errechnet das System, ob das Ziel mit der vorhandenen Batterieladung erreicht werden kann und setzt Prioritäten bei Zusatzverbrauchern im Hinblick auf eine optimierte Reichweite. Wird das „Fun-Profil“ gewählt, sucht das Fahrzeug direkt nach Ladestationen entlang der gewählten Route.

Energiefresser im Blick

Kommt das Fahrzeug in einen Bereich, von dem aus das Erreichen der Heimatadresse knapp wird, zeigt es dem Fahrer mehrere Alternativen an: Rückfahrt antreten, zusätzliche Energieverbraucher abschalten oder die nächstgelegene Ladesäule anfahren. Sowohl auf dem Touchscreen in der Mittelkonsole als auch auf einer Anzeige im Kombiinstrument werden Informationen über Fahrprofil, Navigation, Infotainment oder Klimasteuerung angezeigt.

Wird die Batterie des „Simplify your Drive“-Fahrzeugs aufgeladen, kann der Fahrer mit dem Telematiksystem AutoLinQ den Ladevorgang jederzeit online überwachen oder sich eine SMS oder E-Mail schicken lassen, wenn der gewünschte Ladezustand erreicht ist. Diese Funktion kann künftig auch direkt mit der Reichweitenberechnung verknüpft werden: Das Fahrzeug meldet, sobald die Batterieladung für die geplante Strecke ausreicht.

Künftig könnten neuartige, in der Reifenlauffläche montierte Reifendrucksensoren den Reifendruck, die Reifentemperatur und die exakte Fahrzeugbeladung errechnen und zusätzlich den Rollwiderstand der Reifen in die Kalkulation einfließen lassen. Zukunftsvision ist derzeit noch die Wahl einer je nach aktueller Verkehrssituation aktuell optimierten Fahrtroute.

 

Ein Beitrag von:

  • Hans W. Mayer

    Hans W. Mayer ist Fachjournalist für Automobilthemen. Er u.a. für die FAZ und verschiedene andere Tageszeitungen und Magazine über Fahrzeugbau und Verkehrsthemen.

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