Autotest 29.07.2011, 12:08 Uhr

Cabrio-Vergleich: VW Golf 1.4 TSI und Mini Cooper S

VW Golf Cabrio 1.4 TSI und Mini Cooper S Cabrio. VW hat wieder ein Cabrio auf Golf-Basis mit Stoffverdeck, aber ohne störenden Überschlagbügel. In der dritten Generation wirbt das Oben-ohne-Auto zusätzlich zum VW Eos um Kunden. Von den Dimensionen ähnlich ist das Mini-Cabrio neben dem vor der Ablösung stehenden BMW 1er Cabrio positioniert. Der Vergleich zeigt

Schon im Preis rangieren die beiden Zweitürer auf einem hohen Niveau: VW verlangt 27 875 € für das Golf Cabrio 1.4 TSI inklusive ausgezeichnetem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG). Ohne das DSG, also mit Sechsgangschaltung, sind es rund 2000 € weniger. Für das Mini Cabrio Cooper S müssen mit  obligatorischem Sechsganggetriebe 27 750 € bezahlt werden.

Ein Blick auf die jährlichen Unterhaltskosten beruhigt insofern, dass auch dort beide sehr eng beisammenliegen. Der Kunde kann bei den Cabrios unter mehreren Motoren wählen, im Test ist es beim Golf der 1,4 l turboaufgeladene Benzindirekteinspritzer TSI, beim Mini der 1,6-l-Turbo-Benziner aus der Kooperation mit PSA (Peugeot/Citroën). Während der 1.4 TSI von VW bereits 118 kW und 240 Nm mobilisiert, sind es beim Cooper S stramme 135 kW bei praktisch gleichem maximalen Drehmoment.

Mini Cooper S Cabrio beschleunigt und fährt schneller

Das Leistungsplus führt beim Mini zu besseren Fahrwerten, sei es beim Beschleunigen oder bei der Höchstgeschwindigkeit, aber die sind wohl für die meisten Fahrer im Alltagsverkehr vernachlässigbar. Wichtiger sind da schon die Verbrauchswerte: Golf und Mini konsumieren rund 7 l/100 km, wenn sie einigermaßen zügig bewegt werden. Wer zurückhaltend fährt, kann mit rund 6 l/100 km Superkraftstoff auskommen, mit kleinen Vorteilen für den etwas hubraumgrößeren Mini-Vierzylinder.

Beide Cabrios öffnen ihr Stoffverdeck elektrohydraulisch unterhalb 30 km/h in 9 s (Golf) und 14 s Mini – das VW-Dach schließt mit integrierter Versteifung auf dem Verdeckkasten ab, das Mini-Verdeck legt sich ohne Verkleidung auf das Heck. Dadurch verstellt es teilweise den Blick nach hinten. Das Mini-Cabrio hat aber den Vorzug, dass sein Verdeck auch wie ein Schiebedach zurückgeschoben werden kann. Im Innenraum bietet das um rund 50 cm längere Golf-Cabrio deutlich mehr Platz als der Mini Entsprechendes gilt für den Kofferraum.

Auch bei höheren Geschwindigkeiten: Geringe Luftverwirbelung beim Golf Cabrio

Im Golf-Cabrio offen unterwegs ist die Luftverwirbelung angenehm gering. Mit geschlossenen Seitenscheiben und mit dem optionalen Windschott können Komfort und Frischluftvergnügen bei höheren Geschwindigkeiten noch erhöht werden. Aber im Fond hört es, wie üblich, auf mit der Gemütlichkeit. Der Mini mit seiner steil stehenden Frontscheibe bringt zwar mehr Open-Air-Feeling, aber auch mehr Zugwind.

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Fahrwerk und Bremsen hat VW in bester Manier vom abgeklärten Golf abgeleitet. Das Wolfsburger Cabrio bügelt schlechte Fahrbahnen souverän weg, wo der Mini seinen Insassen jede gröbere Unebenheit mitteilt. Dafür ist sein quirliges Handling kaum zu übertreffen. Kurven, wo seid ihr, heißt sein Motto. Die Mini-Fans wissen, was damit gemeint ist. Das präzise Lenken und Wedeln wird begleitet von einem Sound, den viele von ihnen besonders schätzen.

Innen ist im Golf Cabrio alles praktisch ausgerichtet, auch die Armaturentafel. Beim Konkurrenten wird sie geprägt von einem überdimensionalen Tacho aber eine komplikationslose Bedienung ist Übungssache. Die gefahrenen Schönwetterstunden zeigt der Bordcomputer an. Im Golf gibt es das nicht, aber alles wirkt vertraut.

VW Golf 1.4 Cabrio TSI und Mini Cooper S Cabrio: Grundverschiedenes Konzept, ähnlicher Preis

Während sich die beiden Cabrios in vielen Eigenschaften, beispielsweise im Preissegment, ähneln, sind sie doch im Konzept grundverschieden. Mini-Kunden, oft weiblich, sehen ihr Auto wohl eher als originellen Zweisitzer, bei dem im Fond nur im Notfall ein oder zwei Erwachsene untergebracht werden müssen. Das sehr kleine Gepäckabteil erweitern sie dann problemlos durch Umklappen der Rücksitzlehnen. Im Golf Cabrio ist das anders: Seine Geräumigkeit macht ihn zum vollwertigen Viersitzer, praktisch und komfortabel für den Single oder die kleine Familie im Alltag.

Das mit dem Golf Cabrio in der Größe eher vergleichbare BMW 120i Cabrio (2,0 l Hubraum 125 kW) kostet 33 200 € und somit deutlich mehr. Das kleine BMW-Cabrio überzeugt durch eine ausgeglichene Fahrwerksabstimmung und wird in Kürze im Kleid des soeben vorgestellten 1er-Nachfolgers abgelöst werden.

 

Ein Beitrag von:

  • Ingo Reuss

    Der Autor Ingo Reuss ist Motorjournalist. Er ist seit vielen Jahren für große Tages- und Wochenzeitungen sowie Fachmagazine tätig.

  • Wolfgang Pester

    Ressortleiter Infrastruktur bei VDI nachrichten. Fachthemen: Automobile, Eisenbahn, Luft- und Raumfahrt.

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