Blechlawinen 06.02.2025, 15:30 Uhr

Brücken marode, Staus endlos: NRW besonders betroffen

NRW bleibt Staumeister: 271.000 km Stau 2024. Marode Brücken verschärfen das Problem. ADAC fordert schnellere Sanierung.

Stau

In Nordrhein-Westfalen sind die Staus besonders lang und besonders häufig. Die unzähligen maroden Brücken verschärfen das Problem zusätzlich.

Foto: PantherMedia / Oliver Cramm

Nordrhein-Westfalen (NRW) verzeichnet erneut die höchste Stau-Belastung in Deutschland. Nach einer aktuellen Auswertung des ADAC summierten sich die Staukilometer im Jahr 2024 auf insgesamt 271.000 Kilometer. Das entspricht einem Anstieg von 6 % gegenüber dem Vorjahr. Noch drastischer ist der Anstieg der Staubelastung, die um 14 % zunahm.

Die Hauptursachen: eine hohe Baustellendichte, marode Brücken und ein steigendes Verkehrsaufkommen. „Über Jahrzehnte wurde zu wenig in die Verkehrsinfrastruktur investiert. Das fällt uns jetzt auf die Füße. Der Sanierungsbedarf auf den Fernstraßen ist gewaltig“, betont Roman Suthold, Verkehrsexperte des ADAC Nordrhein. Besonders betroffen ist der Brückenbau, der sich laut Prognosen mindestens bis 2035 hinziehen wird.

Hohe Staudichte auf NRW-Autobahnen

Obwohl NRW nur 17 % der deutschen Autobahnkilometer stellt, entfallen 31,5 % der gesamten Staukilometer auf das Bundesland. Grund dafür ist unter anderem die hohe Baustellenanzahl. „Bauzeit bleibt Stauzeit“, erklärt Suthold. Viele Pendlerinnen und Pendler fahren von einer Baustelle direkt in die nächste.

Die am stärksten betroffenen Strecken sind die A1 mit 40.195 Kilometern Stau und die A3, auf der sich Staus insgesamt 18.723 Stunden lang hielten. Der kritische Abschnitt zwischen Dortmund und Kamp-Lintfort auf der A42 war ebenfalls stark belastet. Zwar gab es vor der Corona-Pandemie 2019 noch mehr Staus, doch das Verkehrsaufkommen ist inzwischen wieder auf hohem Niveau.

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Marode Brücken als zusätzlicher Risikofaktor

Besonders problematisch ist der Zustand der Autobahnbrücken. Der ADAC warnt, dass ohne schnelle Sanierungsmaßnahmen weitere Sperrungen drohen. Bundesweit müssen über 4.000 Autobahnbrücken ersetzt werden, viele davon in NRW. Der Ersatzbau großer Brücken wie der A1 bei Leverkusen oder der A45 bei Lüdenscheid hat weitreichende Folgen. Der Umleitungsverkehr belastet Ausweichstrecken und führt dort zu beschleunigtem Verschleiß.

Ein besonders drastisches Beispiel ist die Talbrücke Rahmede. Deren Ausfall sorgte 2024 für rund 5000 Staumeldungen mit fast 4000 Staustunden. In Lüdenscheid hat sich das Lkw-Aufkommen verzehnfacht. „Ein 40-Tonner belastet eine Brücke so sehr wie 60.000 Autos“, erklärt Suthold. Die meisten Brücken stammen aus den 1960er- und 1970er-Jahren und sind nicht auf die heutige Verkehrsbelastung ausgelegt.

Wirtschaft warnt vor Folgen für den Standort NRW

Die Industrie- und Handelskammer NRW (IHK) zeigt sich besorgt über die zunehmenden Staus. „Staus sind Bremsklötze für den Wirtschaftsmotor“, heißt es in einer Stellungnahme. Der schlechte Zustand vieler Straßen gefährde die Attraktivität des Wirtschaftsstandorts. Jede dritte Staustunde in Deutschland entfällt auf NRW, was auf mangelnde Baustellenkoordination und zu lange Planungsverfahren zurückzuführen sei. „Das Straßennetz ist am Anschlag“, warnt Ocke Hamann, Verkehrsexperte der IHK.

ADAC fordert schnellere Bauverfahren

Um das Problem zu lösen, fordert der ADAC eine Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie höhere Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur. Brückenbau dürfe nicht als Kunstprojekt verstanden werden, sondern müsse pragmatisch und effizient erfolgen. Ein Hoffnungsschimmer: Immer mehr Brücken entstehen in modularer Bauweise, wodurch Bauzeiten verkürzt werden könnten.

Die Wirtschaft und der ADAC fordern unisono mehr Tempo: Die Zeit für Planungsverfahren müsse halbiert, das Baustellenmanagement verbessert und die Bauzeiten reduziert werden. Ohne diese Maßnahmen droht NRW auch in den kommenden Jahren Spitzenreiter bei Staus zu bleiben. (mit dpa)

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Redakteur beim VDI Verlag. Nach dem Studium absolvierte er eine Ausbildung zum Online-Redakteur, es folgten ein Volontariat und jeweils 10 Jahre als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop. Seit September 2022 schreibt er für ingenieur.de.

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