Autoreifen: Von Sommer bis Winter, Hauptsache sicher
Fein abgestimmte Materialmischungen bieten Haftung, Komfort und Effizienz. Autoreifen sind heute hochkomplexe Sicherheitsprodukte. Wer die Unterschiede der Reifentypen kennt und beim Kauf genau hinschaut, fährt sicherer, schont seine Reifen und entlastet die Umwelt.
Von Holzrädern zu Hightech-Gummimischungen: Autoreifen verbinden Sicherheit, Komfort und Effizienz auf jeder Straße.
Foto: Smarterpix/mrwed54
Inhaltsverzeichnis
- Material für Reifen: vom Vollgummi zu synthetischen Mischungen
- Mehr Komfort und spezielle Anforderungen
- Hochleistungstechnologie moderner Reifen
- Reifentypen im Überblick: Sommerreifen
- Mehr Sicherheit mit Winterreifen
- Eine Kompromisslösung: Ganzjahresreifen
- Spezialreifen für besondere Einsätze
- Wie lange sollten Sie einen Reifen fahren?
- Woran erkennen Sie den Zustand Ihrer Autoreifen?
- Welche Umweltbelastungen entstehen durch Autoreifen?
- Reifenschonend fahren – gut für Umwelt und Geldbeutel
- Tipps für den Reifenkauf
Angefangen hat die Geschichte des Rades mit Holz. Erst im 19. Jahrhundert bekamen Fahrzeuge Gummireifen. 1844 gab es dann die erste Patentanmeldung von Charles Goodyear in den USA, Es handelte sich um Gummi, das durch Vulkanisation von Naturkautschuk entstand. 1888 versuchte es der Schotte Dr. John Boyd Dunlop mit einer luftgefüllten Variante. In der Hoffnung, dadurch die Geräusche zu reduzieren.
In Frankreich tüftelten zur gleichen Zeit die Brüder André und Edouard Michelin ebenfalls an einem luftgefüllten Reifen. 1904 erregte Continental mit dem ersten profilierten Autoreifen für Aufmerksamkeit. Die Namen der damaligen Reifen-Pioniere sind bis in die Gegenwart bekannt. Schließlich gehören Dunlop, Continentale, Goodyear und Michelin bis heute zu den führenden Reifenherstellern weltweit.
Material für Reifen: vom Vollgummi zu synthetischen Mischungen
Die Geschichte der Autoreifen begann also mit Vollgummi-Reifen aus Naturkautschuk, die hart, wenig komfortabel und verschleißanfällig waren. Mit der Vulkanisation und später der Zugabe von Ruß wurden Reifen haltbarer und bekamen ihre typische schwarze Farbe. Zudem verbesserten sich auch die Haftfestigkeit auf der Fahrbahn und der Abriebwiderstand.
Seit Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts dominieren synthetische Kautschuke wie Styrol-Butadien-Kautschuk, die sich gezielt für Temperaturbereich, Haftung und Abrieb anpassen lassen.
Mehr Komfort und spezielle Anforderungen
Frühe Autoreifen waren Diagonalreifen mit Schlauch, die begrenzte Geschwindigkeiten und Laufleistungen erlaubten. Mit der Einführung des schlauchlosen Reifens und des Radialreifens stiegen Fahrstabilität, Komfort und Lebensdauer deutlich – beim Radialreifen ist die innere Tragschicht (Karkasse) im 90-Grad-Winkel zur Laufrichtung angeordnet.
In den vergangenen Jahrzehnten prägten Silica-Mischungen, optimierte Profile und Hochgeschwindigkeitsreifen die Entwicklung, sodass moderne Reifen gleichzeitig griffig, leise und relativ effizient sind.
Hochleistungstechnologie moderner Reifen
Heute werden Autoreifen aus mehreren Gummilagen, Textilkord und Stahleinlagen aufgebaut, die jeweils eine spezielle Funktion von Pannensicherheit bis Lenkpräzision erfüllen. Die Gummimischung wird für definierte Temperaturfenster entwickelt, um bei Nässe, Hitze oder Kälte möglichst viel Grip zu liefern und dabei den Abrieb zu begrenzen.
Digitale Entwicklung, Simulationen und aufwendige Tests ermöglichen Profile, die Aquaplaning verringern und Bremswege verkürzen, ohne den Kraftstoffverbrauch unnötig zu erhöhen.
Reifentypen im Überblick: Sommerreifen
Sommerreifen sind für Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt gemacht. Sie bestehen aus einer eher harte Gummimischung. Ihre breiten Profilrillen und relativ geringe Profiltiefe ermöglichen dem Wasser, schnell abzufließen. Zugleich haftet der Reifen auf der Fahrbahn besser.
An warmen Tagen zeichnen sich Sommerreifen durch präzises Lenkverhalten, kurze Bremswege, geringen Verschleiß und oft auch durch einen geringeren Kraftstoffverbrauch im Vergleich zu anderen Reifentypen aus.
Mehr Sicherheit mit Winterreifen
Winterreifen bestehen aus einer weicheren Gummimischung. Der Vorteil: Sie bleiben auch bei niedrigen Temperaturen elastisch. Ihr Profil besitzt viele Lamellen, also feine Einschnitte, die auf Schnee und Eis zusätzliche Griffkanten bilden und so Traktion und Bremsleistung verbessern.
Winterreifen sind für Temperaturen unter etwa sieben Grad Celsius und für winterliche Straßen mit Schnee, Matsch und Eis gedacht und bieten dort deutlich mehr Sicherheit als Sommer- oder Ganzjahresreifen.
Eine Kompromisslösung: Ganzjahresreifen
Ganzjahresreifen kombinieren Elemente von Sommer- und Winterreifen, sowohl bei der Gummimischung als auch beim Profil. Ihre Mischung ist härter als bei Winterreifen, aber weicher als bei Sommerreifen. Das Profil weist sowohl Lamellen für Wintergrip als auch breite Rillen für die Wasserverdrängung auf.
Wer hauptsächlich in der Stadt fährt und in Gegenden mit mäßigem Klima wohnt, findet im Ganzjahresreifen eine komfortable Lösung. Für extreme Hitze- oder Schneebedingungen in ländlichen und bergigen Regionen sind sie eher nicht geeignet.
Spezialreifen für besondere Einsätze
Neben den klassischen Pkw-Reifen gibt es zahlreiche Spezialreifen. Dazu gehören unter anderem Runflat-Reifen, Hochgeschwindigkeitsreifen oder Offroad-Reifen. Runflat-Reifen stehen vor allem für ihre Notlaufeigenschaft. Sie verfügen über verstärkte Seitenwände, die bei Druckverlust das Weiterfahren über eine begrenzte Strecke erlauben. Das erhöht einerseits Komfort und Sicherheit, bedeutet aber andererseits häufig ein höheres Gewicht und steiferes Fahrverhalten.
Offroad- und Allterrain-Reifen haben besonders robuste Karkassen und grobstollige Profile für unbefestigte Wege; sie bieten im Gelände Vorteile, rollen auf der Straße jedoch meist lauter und weniger effizient. Darüber hinaus werden bei Offroad-Reifen vor allem weiche Gummimischungen verwendet, was zugleich für eine schnellere Abnutzung sorgt.
Wie lange sollten Sie einen Reifen fahren?
Die Haltbarkeit eines Reifens ist in Deutschland per Gesetz vor allem durch die Mindestprofiltiefe festgelegt. Sie darf 1,6 Millimeter (mm) nicht unterschreiten. Allerdings hat das Alter des Reifens Einfluss auf seine Eigenschaften. Denn unter anderem Feuchtigkeit, Temperaturextreme und UV-Licht tragen zum Alterungsprozess eines Reifen bei. Die Folge: Elastizität und die Haftfähigkeit verringern sich. Das betrifft sowohl Reifen, die häufig gefahren als auch solche, die weniger genutzt werden.
Beim Kauf sollten Sie also auch auf das Alter achten. Fachleute empfehlen, einen Reifen zu kaufen, der nicht älter als zwei Jahre ist. Allerdings dürfen Hersteller durchaus ältere Reifen anbieten, denn eine rechtliche Grundlage zum Alter von Reifen gibt es nicht.
Trotzdem gibt es Empfehlungen dazu: Einen Sommerreifen sollten maximal acht bis zehn Jahre alt sein – danach sollten sie getauscht werden. Bei Winterreifen lassen die positiven Eigenschaften bereits ab dem sechsten Jahr nach. Hier sind acht Jahre als absolute Grenze zu betrachten.
Woran erkennen Sie den Zustand Ihrer Autoreifen?
Sie sollten regelmäßig prüfen, ob ungleichmäßiger Abrieb, Beulen, Risse oder sichtbare Schäden an der Flanke auftreten, da diese die Tragfähigkeit des Reifens einschränken. Ein schief abgefahrenes Profil weist oft auf falschen Luftdruck oder eine verstellte Achsgeometrie hin und verkürzt die Lebensdauer deutlich. Auch die sogenannte DOT-Kennzeichnung an der Reifenflanke hilft, das Herstellungsdatum zu bestimmen und damit das Alter Ihrer Reifen einschätzen – die letzten zwei Ziffern zeigen das Produktionsjahr an.
Übrigens: Wer grundsätzlich mit passendem Luftdruck fährt, erhöht die Haltbarkeit der Reifen.
Welche Umweltbelastungen entstehen durch Autoreifen?
Die Herstellung von Autoreifen benötigt Energie, Rohstoffe wie Natur- und Synthesekautschuk, Ruß oder Silica sowie Stahl und Textilfasern. Dabei entstehen Treibhausgasemissionen und andere Umweltbelastungen, die Unternehmen zunehmend durch effizientere Prozesse, Recycling von Produktionsabfällen und nachhaltigere Rohstoffquellen verringern wollen. Moderne Bewertungssysteme beziehen inzwischen auch Reifengewicht, Haltbarkeit und Produktionsmethoden in die Umweltbewertung eines Reifens ein.
Auch beim Fahren entstehen Emissionen – nicht nur durch Abgase. Feiner Abrieb löst sich vom Reifen und gelangt als Partikel in Luft, Böden und Gewässer. Zahlreiche Reifenhersteller setzen deshalb bereits auf den Einsatz von Naturkautschuk sowie auf recycelte Materialien.
Reifenschonend fahren – gut für Umwelt und Geldbeutel
Jede Fahrerin und jeder Fahrer kann selbst in bestimmtem Umfang Einfluss nehmen auf die Emissionen bei der Autofahrt: Wer reifenschonend fährt, senkt nicht nur den Abrieb, sondern verringert meist auch den Kraftstoffverbrauch und schont damit Geldbeutel und Klima.
Reifen mit geringem Rollwiderstand, die in Tests gut abschneiden, können diesen Effekt zusätzlich verstärken, ohne die Sicherheit zu beeinträchtigen. Gleichzeitig erhöht eine ruhige Fahrweise den Fahrkomfort für Fahrerinnen und Fahrer sowie Mitfahrende und reduziert Lärm und Stress im Alltag.
Tipps für den Reifenkauf
Beim Reifenkauf sollten Sie daher nicht nur auf den Preis, sondern auf eine ausgewogene Kombination aus Sicherheit, Haltbarkeit, Effizienz und Umweltwirkung achten. Das europäische Reifenlabel gibt Ihnen Hinweise zu Nasshaftung, Rollwiderstand und Geräusch. Prüfen Sie vor dem Kauf, ob Größe, Tragfähigkeitsindex und Geschwindigkeitsindex zu Ihrem Fahrzeug und Ihrem Fahrprofil passen, damit der Reifen im Alltag sicher funktioniert.
Fachredaktionen sowie Institutionen und unabhängige Prüflabore testen regelmäßig Autoreifen unter realitätsnahen Bedingungen. Sie werten Bremsweg, Verschleiß, Geräuschentwicklung, Haftung bei Nässe, Verbrauch und Effizienz aus. Solche Testergebnisse sind in der Regel eine gute Hilfestellung.
Ein Beitrag von: