1,7 Millionen Farben 18.04.2016, 15:15 Uhr

Airbus will mit Speziallicht Passagieren den Jetlag ersparen

Der gemeine Jetlag nach Langstreckenflügen wird sich künftig in Grenzen halten. Airbus-Ingenieure wollen mit Lichttechnik dafür sorgen, dass die Passagiere besser schlafen und sich leichter auf die Zeit am Zielort einstellen können. Wie das geht? Mit 16,7 Millionen Farben.

Foto: Airbus

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Romantisch sind sie nicht, die Sonnenauf- und Sonnenuntergänge, die Airbus den Passagieren auf Langstreckenflügen präsentiert. Aber hilfreich sind sie. Denn sie sollen die körperlichen Beschwerden mildern, die man gemeinhin Jetlag nennt.

Und wie macht Airbus das? Während der Flieger durch die Zeitzonen düst, übernehmen LEDs die Aufgabe, dem Körper einen „normalen“ Tagesablauf zu suggerieren und auf die Zeit am Zielort vorzubereiten. Dazu gehört auch die Simulation natürlicher Sonnenauf- und Sonnenuntergänge in den Kabinen.

16,7 Millionen Farbtöne erzeugen das Licht jeder Tageszeit

Die Airlines können im Airbus künftig zwischen 16,7 Millionen verschiedenen Farbtönen wählen und mit ihnen bestimmte Stimmungen wie Morgen- und Abendlicht erzeugen. „Wir stellen den Kunden ein Basisszenario zur Verfügung, das ausgebaut werden kann“, sagt der für Marketing zuständige Senior Vice President, François Caudron.

LEDs simulieren unterschiedliche Tages- und Nachtzeiten.

LEDs simulieren unterschiedliche Tages- und Nachtzeiten.

Quelle: Airbus

Hinter dem Beleuchtungskonzept steht die Theorie, dass ein Sonnenuntergang dem Körper signalisiert, dass der natürliche Tag zu Ende geht, woraufhin er Stoffe ausschüttet, die müde machen. Damit der Passagier auch unterwegs zum rechten Zeitpunkt in den Schlaf findet, wird in dem neu erarbeiteten Airbus-Kabinenkonzept dann auch zur Schlafenszeit der Kabinendruck verringert. Damit einher geht eine höhere Luftfeuchtigkeit und Luftfiltration.

Neues Lichtkonzept wird im A350 und A330neo eingesetzt

Das neue Airbus-Kabinenkonzept soll im A350 und dem 2017 auf den Markt kommenden A330neo Passagieren helfen, mit der Zeitverschiebung nach Langstreckenflügen besser klar zu kommen. Gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus, Kopfschmerzen und Schwindel – diese Jetlag-Erscheinungen sollen durch das eingesetzte LED-Licht abgemildert werden.

Airbus kommt in seinen neuen Fliegern mit einem neuen Kabinenkonzept, das auch den Jetlag mindern soll. 

Airbus kommt in seinen neuen Fliegern mit einem neuen Kabinenkonzept, das auch den Jetlag mindern soll.

Quelle: Airbus

Airbus denkt zudem darüber nach, neben der modernen LED-Beleuchtung beim Bau neuer Flieger vielleicht sogar auf echte Fenster zu verzichten. Stattdessen will Airbus Virtual-Reality-Ausblicke anbieten. Die werden dann auf riesigen Displays auf den Kabineninnenwänden erzeugt.

Die Akzeptanz bei Reisenden fragt Airbus bereits seit fünf Jahren ab. Bei Kindern ist sie hoch, weiß das Unternehmen. Bei Erwachsenen scheiden sich offenbar die Geister. Weshalb zunächst auch denkbar ist, nur einen Teil der echten Fenster wegzulassen.

Fensterlos in die Zukunft

Allein ist Airbus mit dieser Idee keineswegs: So wurde mit der Konzeptstudie Shiwa aus Turin jüngst ein autonomes Auto ohne Fenster vorgestellt.

Der Shiwa der Turiner Design-Schmiede IED ist ein autonom fahrendes Elektroauto – ohne Fenster.

Der Shiwa der Turiner Design-Schmiede IED ist ein autonom fahrendes Elektroauto – ohne Fenster.

Quelle: IED, Shiwa

Und erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch das Kreuzfahrtschiff „Quantum of the Seas“ der Royal Caribbean. Denn das bietet seinen Gästen schon jetzt einen einzigartigen Ausblick über große Displays – auch ohne Fenster oder Balkon.

Wir sind jedenfalls gespannt, was sich Airbus noch so alles einfallen lässt, um das Fliegen komfortabler zu gestalten: Immerhin arbeiten allein in Hamburg, dem Kompetenzzentrum für Kabinen, rund 3000 Kabineningenieure.

Und eins ist schon mal klar: Lieber während des Fluges mit LED-Licht therapiert werden, als sich selbst mithilfe von Lichtblitzen vor dem Flug behandeln müssen, wie es Mediziner der Stanford University in Kalifornien vorschlagen.

 

Ein Beitrag von:

  • Martina Kefer

    Diplom-Medienpädagogin und Ausbildung zur Journalistin beim Bonner General-Anzeiger

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