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300 t Traglast, 600 Jahre alt: Größte Kogge der Welt im Öresund entdeckt

05. Januar 2026

Taucher entdeckt Svælget 2
Seit über 600 Jahren lag die Svælget 2 am Grund des Öresund, nun haben Taucher sie eher zufällig entdeckt. Foto: Vikingeskibsmuseet
Archäologen entdecken im Öresund die weltgrößte Kogge von 1410. Mit 300 t Traglast zeigt der Fund die Logistik-Revolution des Mittelalters.
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Meeresarchäologinnen und Meeresarchäologen haben im Öresund das bislang größte Exemplar einer mittelalterlichen Kogge entdeckt. Das Schiff mit dem Namen „Svælget 2“ stammt aus dem Jahr 1410 und markiert einen Wendepunkt in der maritimen Logistik. Mit einer Ladekapazität von 300 t ermöglichte dieser Schiffstyp erstmals den effizienten Transport von Massengütern. Der Fund liefert zudem erstmals archäologische Beweise für charakteristische Konstruktionsmerkmale wie die Bug- und Heckkastelle.

Inhaltsverzeichnis

Meilenstein der Meeresarchäologie

Seit über 600 Jahren lag ein massives Zeugnis mittelalterlicher Ingenieurskunst verborgen im Schlamm vor der Küste Kopenhagens. Nun haben Forschende des Wikingerschiffsmuseums in Dänemark einen Fund öffentlich gemacht, der die bisherigen Vorstellungen über den Schiffsbau des 15. Jahrhunderts konkretisiert. Es handelt sich um die „Svælget 2“, das weltweit größte bisher entdeckte Schiff vom Typ Kogge.

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Die Entdeckung geschah eher zufällig. Während Voruntersuchungen des Meeresbodens für den neuen Kopenhagener Stadtteil Lynetteholm stießen Tauchteams in der Øresund-Meerenge auf die Überreste. Was zunächst wie ein gewöhnliches Wrack aussah, entpuppte sich nach der Entfernung von Sedimenten als eine technische Sensation. Über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren und in insgesamt 289 Tauchgängen legten die Fachleute das Wrack in 13 m Tiefe frei.

Massive Dimensionen für den Massenmarkt

Die Abmessungen der „Svælget 2“ übertreffen alle bisherigen Funde dieser Gattung. Das Schiff ist etwa 28 m lang, 9 m breit und 6 mr hoch. Archäologinnen und Archäologen schätzen die Ladekapazität auf rund 300 Tonnen. Zum Vergleich: Bisherige Funde erreichten oft nur einen Bruchteil dieser Tonnage.

Otto Uldum, Meeresarchäologe und Leiter der Ausgrabungen, ordnet die Bedeutung ein: „Der Fund ist ein Meilenstein für die Meeresarchäologie. Es ist die größte uns bekannte Kogge und bietet uns eine einzigartige Gelegenheit, sowohl den Bau als auch das Leben an Bord der größten Handelsschiffe des Mittelalters zu verstehen.“

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Wirtschaftliche Notwendigkeit

Diese Größe ist das Ergebnis wirtschaftlicher Notwendigkeit. Im 15. Jahrhundert wandelte sich der Fernhandel in Nordeuropa. Anstatt nur teure Luxusgüter wie Seide oder Gewürze zu transportieren, rückten Alltagsgüter in den Fokus. Salz, Holz, Ziegelsteine und Grundnahrungsmittel erforderten viel Stauraum, um den Transport rentabel zu gestalten. Die Kogge fungierte als eine Art Lastkraftwagen der Meere.

„Ein Schiff mit einer so großen Ladekapazität ist Teil eines strukturierten Systems, in dem die Kaufleute wussten, dass es einen Markt für die von ihnen transportierten Waren gab. Svælget 2 ist ein greifbares Beispiel dafür, wie sich der Handel im Mittelalter entwickelte“, erklärt Otto Uldum. Das Design der Kogge erlaubte es, diese enormen Lasten mit einer vergleichsweise kleinen Besatzung zu bewegen, was die Betriebskosten drastisch senkte.

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Ein logistisches Puzzle aus Eichenholz

Interessante Einblicke bietet die Analyse der verwendeten Materialien. Mittels Dendrochronologie, also der Untersuchung von Jahrringmustern im Holz, bestimmten die Forschenden das Baujahr auf circa 1410. Dabei kam eine komplexe mittelalterliche Lieferkette ans Licht. Die Planken bestehen aus Eichenholz aus Pommern, dem heutigen Polen. Die Spanten – also die stützenden Rippen des Rumpfes – stammen hingegen aus den Niederlanden.

Die Fachleute gehen davon aus, dass die Schiffsbauer das schwere Eichenholz für die Außenhülle importierten, während sie die Spanten direkt vor Ort auf der Werft zuschnitten. Das Schiff entstand höchstwahrscheinlich in den Niederlanden, die damals als technologisches Zentrum für den Bau solch großformatiger Frachtschiffe galten. „Das sagt uns, dass Holzexporte von Pommern in die Niederlande gingen und dass das Schiff in den Niederlanden gebaut wurde, wo das Know-how für den Bau dieser sehr großen Koggen vorhanden war“, so Uldum.

Erstmaliger Beweis für die „Koggenburgen“

Ein besonderes Augenmerk der Ingenieurinnen und Ingenieure gilt der Konstruktion der Decks. Mittelalterliche Illustrationen zeigen Koggen oft mit markanten, turmartigen Aufbauten an Bug und Heck, den sogenannten Kastellen oder Burgen. In der Archäologie fehlte dafür bisher der physische Beweis, da bei Wracks meist nur der stabilere Schiffsboden erhalten bleibt. Bei der „Svælget 2“ ist das anders.

Dank der konservierenden Wirkung von Sand und Schlamm blieb die Steuerbordseite vom Kiel bis zum oberen Rand intakt. Die Forschenden fanden umfangreiches Material eines hölzernen Heckkastells. Dieses überdachte Deck bot der Besatzung Schutz vor der Witterung. Im Vergleich zu den offenen Decks der Wikingerzeit stellt dies einen deutlichen Fortschritt in der maritimen Architektur dar. „

Wir haben zahlreiche Zeichnungen von Kastellen, aber sie wurden nie gefunden, da in der Regel nur der Schiffsboden erhalten bleibt. Dieses Mal haben wir den archäologischen Beweis“, bestätigt Otto Uldum. Die Menge des gefundenen Materials übersteigt bisherige Funde um das Zwanzigfache.

Technik, die den Alltag erleichterte

Ein weiteres technisches Detail überraschte das Team: die Kombüse. Die Forschenden legten eine aus Ziegeln gemauerte Kochstelle frei. Es ist das früheste Beispiel einer solchen Anlage in dänischen Gewässern. Bestehend aus etwa 200 Ziegeln und 15 Fliesen, erlaubte diese Konstruktion das Kochen über offenem Feuer auf einem Holzschiff – ein kalkuliertes Risiko für mehr Autarkie auf hoher See.

„Wir haben noch nie zuvor eine gemauerte Kombüse in einem mittelalterlichen Schiffsfund aus dänischen Gewässern gesehen. Das zeugt von bemerkenswertem Komfort und Organisation an Bord.

Jetzt konnten die Seeleute warme Mahlzeiten ähnlich wie an Land genießen, anstatt der getrockneten und kalten Speisen, die zuvor das Leben auf See dominierten“, sagt der Grabungsleiter. In der Nähe der Kochstelle fanden sich Bronzetöpfe, Keramikschalen und hunderte Holzstäbchen, die vermutlich für die Zubereitung von Stockfisch dienten.

Technische Daten: Die Kogge „Svælget 2“ im Profil

In der maritimen Archäologie gilt dieser Fund als Referenzobjekt für den spätmittelalterlichen Schiffsbau. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Fakten zum Wrack zusammen:

Merkmal Details
Schiffstyp Kogge (Einmastiges Frachtschiff)
Datierung um 1410 (Dendrochronologisch bestimmt)
Länge ca. 28 Meter
Breite ca. 9 Meter
Höhe ca. 6 Meter
Ladekapazität ca. 300 Tonnen
Material (Rumpf) Pommersches Eichenholz (Planken)
Material (Skelett) Niederländisches Holz (Spanten)
Bauort Vermutlich Niederlande
Fundort Öresund, Dänemark (13 Meter Tiefe)
Besonderheiten Gemauerte Kombüse aus ca. 200 Ziegeln, hölzernes Heckkastell, erhaltene Takelageteile

Rätsel um die letzte Fracht

Trotz der Größe des Schiffs fehlt von der eigentlichen Ladung jede Spur. Die Forschenden fanden lediglich persönliche Gegenstände der Besatzung wie Schuhe, Kämme und Rosenkranzperlen sowie Ausrüstungsteile der Takelage. „Wir haben keine Spuren der Ladung gefunden. Unter den vielen Funden gibt es nichts, was nicht als persönliche Gegenstände oder Schiffsausrüstung erklärt werden könnte“, berichtet Otto Uldum.

Dafür gibt es eine logische Erklärung: Da der Laderaum einer Kogge oft nicht fest abgedeckt war, trieben leichtere Güter wie Holz, Stoffballen oder Fässer beim Untergang vermutlich davon. Das Fehlen von Ballaststeinen deutet jedoch darauf hin, dass das Schiff zum Zeitpunkt des Unglücks voll beladen war. Die Ladung selbst fungierte in diesem Fall als Ballast. Hinweise auf eine kriegerische Auseinandersetzung gibt es nicht: „Es gibt keine Hinweise auf Krieg oder Konflikte in diesem Schiff. Überhaupt keine“, betont Uldum.

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