Automarkt 2025: Die Gewinner und die Verlierer
Das globale Marktwachstum der untersuchten Automobilkonzerne liegt 2025 bei +2,6 %, wobei sich die Schere zwischen Gewinnern und Verlierern deutlich öffnet.
Starker Auftritt von BYD: Alle chinesischen Automobilhersteller legten bei den Marktanteilen zu. Etablierte Hersteller verlieren hingegen.
Foto: Peter Kellerhoff
Die globale Marktpositionierung von Automobilherstellern entwickelt sich im Zeitalter hoher Volatilität zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor mit hohem Verwundbarkeitsrisiko. Die vom Center of Automotive Management (CAM) erstellte Marktpositionierungsmatrix analysiert 32 Automobilkonzerne in den wichtigsten Märkten – China, USA, Europa, Japan, Brasilien und Indien – anhand zentraler Kennzahlen zu Marktanteil, Absatzwachstum und Marktabhängigkeit. Die Ergebnisse sprechen eine deutliche Sprache.
Inhaltsverzeichnis
Wachstumstreiber: Chinesische OEMs
Besonders chinesische Hersteller von Komponenten oder Produkten (Original Equipment Manufacturers – OEMs) treiben das weltweite Wachstum an. Xpeng (+126 %), NIO (+47 %), Geely (+23 %) und SAIC (+22 %) verzeichnen die höchsten Zuwächse. Auch BYD wächst um 6,5 % auf 4,55 Mio. Fahrzeuge und steigert seinen Weltmarktanteil von 0,5 % (2019) auf 5,3 % (2025). Geely erhöht im gleichen Zeitraum von 2,5 % auf 4,8 %. Damit belegen chinesische OEMs im globalen Ranking bereits die Plätze 6 und 8. Sie forcieren den Ausbau internationaler Märkte, um ihre starke Abhängigkeit vom hochkompetitiven chinesischen Heimatmarkt zu verringern.
Der Wandel in China ist zentral: Der Anteil chinesischer Hersteller am dortigen Markt steigt von 37,8 % (2019) auf 65,3 % (2025). Gleichzeitig verlieren deutsche Hersteller deutlich – ihr Anteil fällt von 25 % auf 15,4 %. Auch japanische Hersteller (von 21,9 % auf 12,2 %) und der Hyundai-Konzern (von 4,8 % auf 0,9 %) verlieren massiv. Damit markiert China das Epizentrum der globalen Verschiebungen im Automobilsektor.
Verlierer: Etablierte Hersteller im Rückwärtsgang
Viele traditionelle Hersteller verzeichnen seit Jahren rückläufige Absätze. Mercedes-Benz (-9,2 %), Honda (-7,6 %), Nissan (-4,4 %), Ford (-1,7 %) und Stellantis (-1,2 %) verlieren spürbar an Boden. So schrumpft Fords Weltmarktanteil von 6,5 % (2019) auf 5,1 % (2025), Hondas Anteil von 6,5 % auf 4,1 %, Nissans von 6,3 % auf 3,7 % und Stellantis von 9,0 % (2020) auf 6,4 % (2025). Auch die Premiummarken Mercedes und Audi zeigen deutliche Rückgänge.
Tesla ist ebenfalls betroffen: Der E-Autobauer verzeichnet 2025 ein Minus von 8,6 %, der Weltmarktanteil sinkt von 2,2 % (2023) auf 1,9 % (2025).
Stabile Platzhirsche: Toyota und Volkswagen
Toyota bleibt mit 11,2 Mio. Fahrzeugen (+4,8 %) und einem Weltmarktanteil von 13 % weltweiter Spitzenreiter – leicht über dem Niveau von 2019 (12,8 %). Volkswagen erreicht 8,98 Mio. Einheiten (+3,3 %) und 10,4 % Marktanteil. Gegenüber 2019 (12,9 %) konnte der Rückgang erstmals gestoppt werden.
Die Abhängigkeit vom chinesischen Markt ist jedoch gerade für Volkswagen erheblich: 2019 entfielen noch 40 % der globalen Verkäufe (4,2 Mio. Fahrzeuge) auf China. 2025 sind es nur noch 28,9 % bzw. 2,59 Mio. Fahrzeuge – mit spürbaren Auswirkungen auf die Gewinne. Ähnliche Verwundbarkeit zeigen Nissan und Honda (Abhängigkeit nun bei 20,4 % bzw. 18,4 %).
Demgegenüber blieb Toyota widerstandsfähiger: Die chinesische Marktrelevanz sank nur geringfügig von 15 % auf 14,1 %. Auch Hyundai passte seine Marktstruktur an – der Einbruch in China (auf 2,8 %) wurde teilweise durch eine Stärkung in den USA (Marktrelevanz +7 % auf 25 %) kompensiert.
Deutsche Automobilhersteller mit gravierenden Rückgängen in China
Für deutsche Hersteller wie Volkswagen, Mercedes-Benz und Audi ist der Rückgang in China gravierend. Ihr kombinierter Marktanteil sank zwischen 2019 und 2025 um fast zehn Prozentpunkte. Parallel bleibt Europa mit rund 40 % der Gesamtverkäufe ihre wichtigste Region – was allerdings erneut eine gewisse Verwundbarkeit gegenüber konjunkturellen Schwächen des Heimatmarktes schafft.
Dennoch zeigt sich, dass Volkswagen mit einer vorsichtigen Stabilisierung seines globalen Marktanteils 2025 erste Anpassungserfolge erzielt. Gleichwohl ist die Erosion der Position in China mittelfristig ein strukturelles Risiko.
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Indien entwickelt sich zum Wachstumsmotor
China bleibt der mit Abstand wichtigste Einzelmarkt mit 23,7 Mio. Einheiten (+3,7 %), allerdings bei zunehmender Wettbewerbsintensität und Preisverfall. Neben Xpeng, NIO und Xiaomi verdrängen neue Technologiekonzerne etablierte Hersteller. Geely überholt in China erstmals Volkswagen mit einem Absatz von 2,6 Mio. Einheiten (+46,9 %).
Die übrigen Kernmärkte USA (+2,3 %), Europa (+2,4 %), Japan (+3,3 %) und Brasilien (+2,6 %) zeigen eine moderate Erholung, bleiben aber unter Potenzial – vor allem durch den hohen Investitionsbedarf der Elektrifizierung.
Indien dagegen erweist sich als echter Wachstumsmotor: Der Pkw-Absatz steigt von 3 Mio. (2019) auf 4,49 Mio. (2025), was einem Anstieg um 50 % und einem Weltmarktanteil von 5,2 % entspricht. Haupttreiber ist der wachsende Wohlstand der Mittelschicht, die erstmals in größerem Stil Fahrzeuge nachfragt. Indien gewinnt dadurch an strategischer Bedeutung als Produktions- und Absatzstandort – sowohl für Volumen- als auch für Premiumhersteller. Suzuki profitiert hier besonders stark mit einer indischen Marktrelevanz von 54,1 %.
Der Schlüssel zum Erfolg: Nicht auf einen Markt fokussieren
Die CAM-Studie zeigt, dass Hersteller mit ausbalancierter globaler Marktstruktur langfristig die größten Erfolgschancen besitzen. Studienleiter Stefan Bratzel fasst zusammen: „Insgesamt zeigt sich, dass in Zeiten hoher Volatilität Automobilhersteller mit einer ausbalancierten globalen Marktpositionierung mittel- und langfristig resilienter und damit auch erfolgreicher sind. Insbesondere in Krisen zeigen sich die Folgen einer unausgeglichenen Marktpositionierung.“
Toyota dient hier als Musterbeispiel: Es verteilt seine Verkäufe relativ gleichmäßig mit 22,5 % in den USA, 15,2 % in Japan, 14,1 % in China und 8,3 % in Europa.
Auch Hyundai gilt nach seiner Restrukturierung als ausgewogen aufgestellt. Damit untermauert die Studie, dass Diversifikation der Schlüssel zur Resilienz bleibt. Wer wie Toyota oder zunehmend Hyundai auf eine geografisch und technologisch balancierte Aufstellung setzt, wird Schwankungen besser standhalten – während einseitig positionierte Hersteller, insbesondere jene mit übermäßiger Abhängigkeit von China, zunehmend unter Druck geraten.
Stefan Bratzel dazu: „Hersteller können bei hoher Wachstumsdynamik eines einzelnen Markts kurzfristig profitieren, gehen dabei aber hohe Risiken ein, wenn der dominante Absatzmarkt in Turbulenzen gerät. Langfristig erfolgreich werden solche Hersteller sein, die eine ausgeglichene Marktstruktur aufweisen und schnell auf Veränderungen reagieren können.“
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