UN-Studie zu Bodenzerstörung 16.09.2015, 13:41 Uhr

Weltweit drohen Billionen Euro Verluste und 50 Millionen Flüchtlinge

Ein jetzt veröffentlichter Bericht der Vereinten Nationen birgt enormen ökonomischen und sozialen Sprengstoff. Danach kostet der Verlust von fruchtbarem Boden jährlich viele Billionen Euro. Der Bodenverlust wird weltweit Hunger produzieren und für 50 Millionen zusätzliche Flüchtlinge sorgen, weil sie der Heimatboden nicht mehr ernähren kann.

Ein Schaf in China auf der Suche nach Gras: Der Verlust von fruchtbarem Boden ist aber auch für Menschen ein Riesenproblem. Nach einer jetzt veröffentlichten UN-Studie werden in den nächsten zehn Jahren 50 Millionen Menschen flüchten, weil ihr Heimatboden sie nicht mehr ernähren kann. <strong> </strong>

Ein Schaf in China auf der Suche nach Gras: Der Verlust von fruchtbarem Boden ist aber auch für Menschen ein Riesenproblem. Nach einer jetzt veröffentlichten UN-Studie werden in den nächsten zehn Jahren 50 Millionen Menschen flüchten, weil ihr Heimatboden sie nicht mehr ernähren kann.  

Foto: Wu Hong/dpa

Tausende gestrandete Menschen auf Bahnhöfen, Millionen Menschen in chaotischen Zeltstädten. Die Bilder von den derzeit nicht abreißenden Flüchtlingsströmen aus Syrien, Eritrea und den Balkanstaaten sind jeden Abend der Aufmacher in den Abendnachrichten. Diese Bilder machen fassungslos, sind vielleicht nur der Auftakt zu einem Drama von ungleich größerer Dimension. Ein gestern veröffentlichter Bericht der Vereinten Nationen unter dem Titel „The Value of Land“ prognostiziert in den nächsten zehn Jahren einen gigantischen Flüchtlingsstrom von weltweit 50 Millionen zusätzlichen Flüchtlingen.

Intensive Landwirtschaft und Verstädterung bereiten große Probleme

Das werden Menschen sein, die nicht vor Terror oder Krieg flüchten. Sie verlassen ihre Heimat, weil der Boden, auf dem sie leben, sie nicht mehr ernährt. Es ist die unheilvolle Kombination aus intensiver Landwirtschaft und Verstädterung, die den Boden zerstört.

Es droht ein gewaltiger Verlust in Form von verlorenen Ernteerträgen oder sauberem Wasser. Laut dem UN-Bericht beläuft sich dieser Verlust auf weltweit 5,6 bis 9,4 Billionen €. Das entspricht 10 bis 17 % des weltweiten Bruttosozialprodukts. Und das jedes Jahr.

„Wir graben uns das Wasser selber ab“

„Unsere Botschaft ist, dass sich nachhaltige Landwirtschaft wirklich lohnt“, sagt Mark Schauer von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit. Schauer ist einer der Autoren der Studie. „Herkömmliche Landwirtschaft ist für die Volkswirtschaft eine Minusrechnung. Der Boden wird degradiert und die Ökosysteme in der Umgebung eben auch. Zum Beispiel durch Überdüngung oder Überweidung. Wir graben uns selbst das Wasser ab.“

Nur 11 % der Erdoberfläche ist uneingeschränkt landwirtschaftlich nutzbar

Fruchtbarer Boden ist auf dem Planeten Erde eine extrem begrenzte Ressource. Gut 70 % der Erdoberfläche ist von Wasser überdeckt. Von den restlichen 30 % sind nur 10 % uneingeschränkt landwirtschaftlich nutzbar. Der große Rest ist zu trocken, chemisch unausgeglichen, zu feucht oder ist nicht tiefgründig genug für landwirtschaftliche Nutzung.

In Deutschland wird täglich eine Fläche von mehr als 100 Fußballfeldern überbaut.

In Deutschland wird täglich eine Fläche von mehr als 100 Fußballfeldern überbaut.

Foto: Veit Rösler/dpa

In Deutschland wird etwa die Hälfte der Landfläche landwirtschaftlich genutzt. Das ist jedoch keine statische Zahl: Jeden Tag verschwindet in Deutschland die Fläche von mehr als 100 Fußballfeldern unter Asphalt. Straßen, Häuser, Parkplätze, Supermärkte entstehen, Felder verschwinden von der Landfläche.

Ausbreitung der Städte verschlingt fruchtbaren Boden

Das Problem kann als historisch gewachsen bezeichnet werden. So liegen die Metropolen häufig in besonders fruchtbaren Gebieten, weil sich dort vor langer Zeit die ersten Pioniere angesiedelt haben. Nun breiten sich diese Städte immer weiter aus und verschlingen das fruchtbare und ökologisch besonders wertvolle Land.

Für Regen zu beten wird nicht ausreichen:

Für Regen zu beten wird nicht ausreichen: „Wir graben uns selbst das Wasser ab“, warnt Mark Schauer, Mitautor der UN-Studie. Überdüngung und Überweidung sind vom Menschen gemachte Fehler, die sich nun in der Zerstörung des Bodens rächen. 

Foto: Barbara Munker/dpa

Hinzu kommt, dass intensive Landwirtschaft den Böden schadet. Und zwar weltweit: Im westafrikanischen Land Benin zum Beispiel zeigt das der dort im großen Stil praktizierte intensive Baumwollanbau. „Das ist extrem nährstoff- und wasserintensiv, und davon profitieren nur sehr wenige Menschen, die Volkswirtschaft leidet sehr darunter“, erklärt Schauer.

Ein Viertel der Ackerflächen in Deutschland sind von Bodenerosion bedroht

In Deutschland ist ein Viertel der Ackerflächen von Bodenerosion bedroht. Gleichzeitig werden hierzulande Agrar- und Verbrauchsgüter importiert, deren Produktion mit 80 Millionen Hektar mehr als das Doppelte der hiesigen Landesfläche in Anspruch nimmt. 

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