Wasserverbrauch senken 19.01.2023, 12:10 Uhr

Virtuelles Wasser: So groß ist unser Fußabdruck wirklich

In Deutschland verbraucht jede Person täglich rund 7.200 Liter Wasser, wobei lediglich 130 Liter aufs Kochen, Putzen, Waschen und Trinken entfallen. Außerdem verwenden wir nur zu 14 Prozent unser eigenes Wasser, während 86 Prozent aus dem Ausland stammen. Der Anteil an diesem virtuellen Wasser steigt seit vielen Jahren und hat sich seit 1930 mehr als versechsfacht. Zahlen, die zeigen, wo wir wirklich ansetzen müssen, wenn es ums Wassersparen geht.

Wasserfußabdruck

Der Wasserfußabdruck in Industrieländern wie Deutschland ist riesig.

Foto: Panthermedia.net / anyaberkut

Immer mehr Menschen konsumieren immer mehr, das führt zu Wasserknappheit in immer größeren Teilen unserer Welt. Dabei wird es dringend als Trinkwasser benötigt. Viel von dem kostbaren Lebenselixier steckt jedoch in den Produkten und Lebensmitteln, die wir jeden Tag verbrauchen oder nutzen. Dieses virtuelle Wasser ist für uns nahezu unsichtbar, hinterlässt dennoch einen riesigen Fußabdruck. Oder wussten Sie, dass in einem Hamburger etwa 2.400 Liter oder in einem Kilo Weizen 1.300 Liter Wasser stecken? Und das ist nur die Spitze des Eisbergs. Erfahren Sie in diesem Beitrag mehr über das Problem von virtuellem Wasserverbrauch und wie er sich reduzieren lässt.

Was ist das? Eine Definition von virtuellem Wasser

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Der Begriff des „virtuellen Wassers“ wurde Mitte der 1990er-Jahre vom englischen Geographen John Anthony Allan geprägt. Es wird damit jene Wassermenge bezeichnet, die für die Herstellung eines Produktes angefallen ist. So müssen zum Beispiel Pflanzen bewässert werden, damit sie wachsen. Anschließend essen wir sie eventuell selbst oder sie werden an Tiere verfüttert, die irgendwann einmal auf unserem Teller landen. Mit jedem Schritt steigt der Wasserverbrauch.

Ähnlich funktioniert es bei Kleidung. Für T-Shirts oder Jeans aus Baumwolle muss erst einmal die Pflanze gewässert werden. Bei der Produktion der Klamotten fällt dann nochmals Wasser an. Das alles summiert sich zu einer größeren Summe an virtuellem Wasser. Für die Herstellung eines T-Shirts „verbrauchen“ wir rund 2.000 Liter Wasser, für die Herstellung einer Jeans sind es sogar rund 6.000 Liter. Wir haben das  Wort „verbrauchen“ in Anführungszeichen gesetzt, weil das mit dem Wasserverbrauch nicht ganz korrekt ist. Vielmehr befindet sich das Wasser auf der Erde in einem ständigen Kreislauf aus Niederschlag und Verdunstung. Es wird lediglich genutzt und gelangt danach in den Kreislauf zurück.

Das virtuelle Wasser wird mitunter auch als latentes Wasser bezeichnet. Meist wird es nur zu einem geringen Teil im Produkt selbst gespeichert. Es lassen sich drei Arten von virtuellem Wasser unterscheiden:

  • Grünes virtuelles Wasser: Wasser aus Niederschlag sowie natürliche Bodenfeuchte.
  • Blaues virtuelles Wasser: Dieses Wasser entstammt einer künstlichen Bewässerung – zum Beispiel aus Seen, Flüssen oder dem Grundwasser.
  • Graues virtuelles Wasser: Durch Düngemittel, Pestizide oder Industrieabfälle beeinträchtigtes Wasser, das sich nur bedingt wiederverwenden lässt.

Was ist das Problem mit virtuellem Wasser?

Bevor wir zu den Problemen mit virtuellem Wasser kommen, zunächst einige Worte über die nutzbaren Süßwasserreserven auf der Erde. Diese ist zwar zu rund zwei Dritteln mit Wasser bedeckt, doch Salzwasser können wir nach wie vor nur bedingt nutzen. Rund 97,5 des weltweiten Wasservorkommens ist salzhaltig, und von den 2,5 Prozent Süßwasser ist das meiste als Eis in den Gletschern der Arktis und Antarktis oder in zu großen Tiefen im Grundwasser gespeichert. So sind uns nur etwa 0,3 Prozent des gesamten Wasservorkommens als Süßwasser in Seen, Flüssen, Talsperren oder niedrigem Grundwasser frei zugänglich.

Wie bereits geschrieben, befindet sich Wasser in einem Kreislauf und wird nicht weniger. Was sich aber durchaus verringern kann, ist die Menge nutzbaren Wassers. Und diese ist weltweit betrachtet bereits am Maximum. In vielen Regionen werden die Wasservorräte bereits stärker genutzt, als dauerhaft verträglich ist. Oft ist es das virtuelle Wasser, das für Probleme sorgt. In wasserarmen (meist ärmeren) Ländern werden Pflanzen kultiviert, Kleidung hergestellt, die den Wohlstand der reichen Industrienationen sichern. Es kommt also nicht den Bewohnern des Landes zugute, wo das Wasser entnommen wird.

Nach Berechnungen der Vereinten Nationen hat sich der weltweite Wasserverbrauch zwischen 1930 und 2000 versechsfacht. Er ist seitdem weiter gestiegen und wird nach Prognosen noch weiter steigen. Seit den 1980er-Jahren ist er jährlich um ein Prozent gestiegen. Dieser Trend wird sich Schätzungen zufolge bis zum Jahr 2050 fortsetzen. Dabei leben bereits heute drei Milliarden Menschen in Ländern mit Wassermangel, bei etwa vier Milliarden Menschen gibt es mindestens einen Monat pro Jahr Wasserknappheit. Das geht aus dem Weltwasserbericht der Vereinten Nationen hervor.

Der weltweite Wasserfußabdruck

Die Berechnung des Wasserfußabdrucks ist recht komplex, es gibt zudem verschiedene Ansätze, die zu jeweils anderen Ergebnissen kommen. Generell geht es jedoch darum, das verbrauchte Wasser den Ländern zuzurechnen, die den Nutzen haben. Wenn in Asien T-Shirts oder Jeans für den europäischen Markt oder die USA produziert werden, erhöht sich der virtuelle Wasserverbrauch dieser Länder und nicht in Bangladesch, Indien, China oder wo auch immer produziert wird.

Die Non-Profit-Organisation Water Footprint Network berechnet den Wasserfußabdruck, in dem das virtuelle Wasser und das vor Ort verbrauchte Wasser addiert werden. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass die USA den höchsten Fußabdruck mit jährlich rund 2800 Kubikmetern pro Kopf hinterlässt. Das entspricht etwa 7.800 Litern pro Person. Weiterhin soll er in China bei knapp 1.100 Kubikmetern pro Kopf (täglich 2.900 Litern) und in Deutschland bei 1.500 Kubikmetern pro Jahr oder 4.000 Litern pro Tag liegen.

Der Wasserfußabdruck in Deutschland

Wie geschrieben, soll der Wasserfußabdruck in Deutschland nach der Berechnung des Water Footprints Networks bei 4.000 Litern pro Tag und Person liegen. Das Umweltbundesamt (UBA) kommt noch zu höheren Zahlen. Es hat die Technische Universität Berlin beauftragt, die Wassernutzung Deutschlands im In- und Ausland zu betrachten. Im April 2022 wurde die Studie veröffentlicht. Demnach beträgt der konsuminduzierte Wasserverbrauch bei täglich bei rund 7.200 Litern pro Kopf oder für ganz Deutschland bei 219 Milliarden Kubikmetern pro Jahr.

Eine gewaltige Menge, wenn man bedenkt, dass jede Person in Deutschland täglich rund 130 Liter Wasser zum Trinken, Waschen, Putzen oder Kochen verwendet. Wollen wir Wasser sparen, sollten wir demnach zunächst unser Konsumverhalten unter die Lupe nehmen, bevor wir beim Duschen oder Händewaschen ein paar Liter einsparen. Übrigens stammen von den 7.200 Litern Wasser, die wir täglich nutzen, lediglich 14 Prozent aus Deutschland selbst, 86 Prozent hingegen aus dem Ausland. Und das oft aus Ländern, die unter größerer Wasserarmut als wir selbst leiden.

Ein Forschungsschwerpunkt der Studie lag auf dem blauen Wasserfußabdruck – also der Entnahme von Wasser aus Flüssen, Seen oder dem Grundwasser. Hier dominieren vor allem Agrarprodukte wie zum Beispiel Baumwolle, Weizen, Reis, Zuckerrohr, Zuckerrüben oder Ölsamen. Regionen, die einen großen Anteil daran haben, sind zum Beispiel Pakistan, Indien, China, die Umgebung des Aral Sees, aber auch Nordafrika, Irak, Iran oder Spanien. Heißt übersetzt: Dort wachsen die Pflanzen, die uns als Nahrung dienen oder aus denen unsere Kleidung hergestellt wird.

Beispiele für virtuelles Wasser

Wie viel Wasser braucht es für die Herstellung einer Jeans oder eines T-Shirts? Wie viel Wasser stecken in einem Steak oder einem Liter Milch. Hiermit beschäftigt sich vor allem das Unesco-IHE (Institute for Water Education). Unter anderem veröffentlichte das Institut diese Verbrauchsmengen an virtuellem Wasser:

Produkt und Menge Wasserbedarf in Litern
1 kg Rindfleisch ca. 15.000
1 Jeans 6.000
1 kg Mandeln 13.000
1 T-Shirt aus Baumwolle 2.000
1 Auto 20.000 bis 300.000
1 kg Kokosnuss 2.500
1 kg Eier 4.500
1 kg Sojabohnen 1.800
1 kg Mais 900
2 g Mikrochip 32
500 DIN A4 Blätter 5.000
1 L Milch 1.000
1 kg Reis 3.000 – 5.000
1 kg Avocado 1.000 – 1.500
1 kg Kartoffeln 135
1 kg Tomaten 180
1 Computer 20.000

Es kann sein, dass Sie bei anderen Quellen andere Zahlen erhalten. Das liegt daran, dass es verschiedene Ansätze bei der Berechnung gibt. Die Größenordnungen sollten jedoch in etwa übereinstimmen. Zudem wird oft nicht danach unterschieden, ob das Wasser natürlich als Regen fällt oder künstlich gefördert wird. Als Beispiel sind hier Rindfleisch und Mandeln zu nennen, beides braucht über 10.000 Liter Wasser für die Herstellung von einem Kilogramm des jeweiligen Produkts. Allerdings lassen sich Rinder dort züchten, wo Wasser ganz natürlich als Regen fällt. Es ist also sowieso vorhanden. Mandelbäume werden hingegen häufig künstlich bewässert, um den Ertrag zu steigern. Sie wachsen jedoch bevorzugt in einem trockenen Klima.

Wie lässt sich virtuelles Wasser sparen?

Wie wir bisher gelernt haben, verbrauchen wir sehr viel mehr virtuelles Wasser für Nahrung und Konsum als für Waschen, Putzen oder Kochen. Es gibt daher in diesem Bereich ein sehr großes Einsparpotenzial. Wir können unseren Wasserfußabdruck zum Beispiel dadurch senken, dass wir beim Einkaufen ganz bewusst auf Herkunftsländer achten und uns über Produktionsabläufe informieren. Durch den Verzicht auf Fleisch lässt sich zum Beispiel jede Menge virtuelles Wasser sparen und sorgt zudem für eine gesunde, ausgewogene Ernährung.

Wichtig ist zudem, beim Kauf von Obst und Gemüse darauf zu achten, dass diese gerade aktuell Saison haben. Eine Erdbeere aus Deutschland oder eine Tomate aus den Niederlanden benötigt weniger Wasser als zum Beispiel eine aus Spanien oder Tunesien. Hinzu kommt, dass bei uns nicht eine solche Wasserknappheit herrscht wie in südlichen Ländern. Wir können es uns daher eher „leisten“, wasserintensive Pflanzen aufzuziehen.

Generell ist die Verringerung des Wasserfußabdrucks aber auch ein politisches Thema. So sollte zum Beispiel dafür gesorgt werden, dass wasserarme Länder gezielt Güter importieren, bei deren Herstellung viel Wasser benötigt wird. Umgekehrt sollten wasserreiche Länder den wasserarmen Ländern helfen, indem sie von ihnen keine Produkte importieren, die besonders viel Wasser bei der Herstellung benötigen.

Ein Beitrag von:

  • Dominik Hochwarth

    Content-Manager beim VDI Verlag. Nach einem Bauingenieurstudium und einer Weiterbildung zum Online-Redakteur, Volontariat und 20 Jahren als Webtexter für eine Internetagentur und einen Onlineshop, landete er bei ingenieur.de. Er schreibt hauptsächlich über Technik und Forschung.

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