1200 Meter hoch 06.08.2014, 10:46 Uhr

Riesige Eisberge frästen tiefe Spuren in den Meeresboden

Riesige Eisberge waren vor mehreren Hunderttausend Jahren so groß, dass sie bis heute sichtbare Spuren im Meeresboden hinterlassen haben. Die Eisberge schrammten so hart über den Boden, dass sie 15 Meter tiefe Spuren hinterließen. Die haben jetzt Meeresforscher aus Bremerhaven entdeckt.

Treibender Eisberg in der Antarktis: Heutzutage treiben die größten Eisberge in antarktischen Gewässern und reichen bis in eine Wassertiefe von maximal 700 Meter. Damit sind sie inklusive des aus dem Wasser ragenden Eises rund 800 Meter groß und damit deutlich kleiner als die riesigen Eisberge, die 15 Meter tiefe Kratzspuren auf dem Hovgaard Rücken in der Framstraße hinterlassen haben. 

Treibender Eisberg in der Antarktis: Heutzutage treiben die größten Eisberge in antarktischen Gewässern und reichen bis in eine Wassertiefe von maximal 700 Meter. Damit sind sie inklusive des aus dem Wasser ragenden Eises rund 800 Meter groß und damit deutlich kleiner als die riesigen Eisberge, die 15 Meter tiefe Kratzspuren auf dem Hovgaard Rücken in der Framstraße hinterlassen haben. 

Foto: Alfred-Wegener-Institut/Frank Rödel

Vier Kilometer lang und 15 Meter tief im Meeresboden sind die gewaltigen Kratzspuren, die Eisberge vor ein paar Hunderttausend Jahren zwischen Grönland und Spitzbergen in den Meeresboden gefräst haben. Die Rillen sind sogar auf einer topographische Karte des Meeresbodens aus dem Jahr 1990 zu finden. Die Daten hatte damals das deutsche Forschungsschiff Polarstern für eine Kartierung der Framstraße gesammelt. Seinerzeit erkannten die Forscher aber noch nicht, was vor ihren Augen lag.

Riesige Eisberge hinterließen 15 Meter tiefe Spuren im Meeresboden

Erst jetzt, mit neuen Auswertemethoden, gingen Wissenschaftlern des Alfred-Wegener-Institutes (AWI) in Bremerhaven, die Augen auf. „Als wir uns die Daten aufs Neue detailliert angeschaut haben, sind uns die Furchen aufgefallen. Im Hinblick auf die Tiefe war uns dann schnell klar, dass wir da etwas Interessantes gefunden hatten“, schildert der beteiligte Meeresforscher Jan Erik Arndt. Sie identifizierten gigantische Eisberge als Urheber der tiefen Spuren im Meeresboden.

Blauer Eisberg: Die unterschiedliche Dichte seines Eises verleiht diesem antarktischen Eisberg seine blaue Wirkung.

Blauer Eisberg: Die unterschiedliche Dichte seines Eises verleiht diesem antarktischen Eisberg seine blaue Wirkung.

Foto: Alfred-Wegener-Institut/J. Wassmuth

Jan Erik Arndt, einer der beteiligten Forscher, ist sicher, dass die Spuren während einer Eiszeit entstanden sein müssen. Da lag der Meeresspiegel 120 Meter unter dem heutigen Niveau. Die Eisberge ragten demnach 1080 Meter tief ins Wasser. Da Eisberge zu etwa einem Zehntel aus dem Salzwasser ragen, hatten sie eine Gesamthöhe von 1200 Metern.

Gegen diese 1,2 Kilometer hohen Eiskolosse wirken selbst die heute größten Eisberge der Erde wie Zwerge. Die allergrößten erreichen Höhen von knapp 800 Meter – also 400 Meter weniger als ihre großen Vorfahren. Sie finden sich allerdings nicht in der Arktis, sondern in der Nähe des Südpols.

Das Forschungsschiff Polarstern hatte 1990 mit seinem Fächersonarsystem die Oberfläche des Meeresbodens vor Grönland erfasst. Die riesigen Kratzspuren der Eisberge wurden erst jetzt entdeckt.

Das Forschungsschiff Polarstern hatte 1990 mit seinem Fächersonarsystem die Oberfläche des Meeresbodens vor Grönland erfasst. Die riesigen Kratzspuren der Eisberge wurden erst jetzt entdeckt.

Foto: Alfred-Wegener-Institut

Geburtsort könnte die Nordküste Russlands sein

„Um solche Rieseneisberge zu produzieren, war der Eisschildrand im Arktischen Ozean somit stellenweise mindestens 1200 Meter dick“, so Arndt. Ein Rätsel ist noch die Geburtsstätte der Riesen-Eisberge, welche die Kratzer am Hovgaard Rücken hinterlassen haben. Der Hovgaard Rücken ist ein Plateau in der arktischen Tiefsee, gut 400 Kilometer vor Grönlands Ostküste. Arndt und seine Kollegen vermuten, dass sie vor der Nordküste Russlands aus einem gigantischen Eispanzer herausgebrochen und auf die Reise Richtung Südwesten gegangen sind.

Ein Eisberg ragt nur zu einem Zehntel aus dem Wasser. 90 Prozent seines Volumens befinden sich unterhalb der Wasseroberfläche.

Ein Eisberg ragt nur zu einem Zehntel aus dem Wasser. 90 Prozent seines Volumens befinden sich unterhalb der Wasseroberfläche.

Foto: Alfred-Wegener-Institut/Frank Rödel

Sie könnten die Hauptquelle für Süßwasser gewesen sein, das den Salzgehalt des Atlantiks reduziert hat, vermuten die Bremerhavener Meereswissenschaftler. In der Folge gab es eine Störung des Golfstroms, was wiederum zu einer massiven Abkühlung Europas führte.

Mehr noch: Da die Strömung im Atlantik ein wichtiger Motor für den Antrieb des weltumspannenden Zirkulationssystems ist, waren die Auswirkungen global spürbar. „Dass Eisberge in dieser Größenordnung aus der Arktis getrieben sind, spricht eindeutig dafür, dass diese Transportart eine gravierendere Rolle für die Süßwasserzufuhr hatten, als bisher angenommen“, so Arndt.

Bathymetrische Darstellung der Kratzspuren auf dem Hovgaard Rücken: Diese Karten geben einen Überblick, wo die fünf Eisbergkratzer gefunden worden. Abbildung (a) zeigt eine bathymetrische Karte der Framstraße, basierend auf der International Bathymetric Chart of the Arctic Ocean (IBCAO) 3.0 [Jakobsson et al., 2012]. Abbildung (b) ist ein Blick auf den Hovgaard Rücken, dargestellt mithilfe der bathymetrischen Daten, die während der Polarstern-Expedition ARK-VII/3a gesammelt wurden. Die Eisbergkratzer werden hier durch die schwarz-gestrichelten Linien angedeutet. Abbildung (c) zeigt den Hovgaard Rücken und die Kratzer in dreidimensionaler Darstellung.

Bathymetrische Darstellung der Kratzspuren auf dem Hovgaard Rücken: Diese Karten geben einen Überblick, wo die fünf Eisbergkratzer gefunden worden. Abbildung (a) zeigt eine bathymetrische Karte der Framstraße, basierend auf der International Bathymetric Chart of the Arctic Ocean (IBCAO) 3.0 [Jakobsson et al., 2012]. Abbildung (b) ist ein Blick auf den Hovgaard Rücken, dargestellt mithilfe der bathymetrischen Daten, die während der Polarstern-Expedition ARK-VII/3a gesammelt wurden. Die Eisbergkratzer werden hier durch die schwarz-gestrichelten Linien angedeutet. Abbildung (c) zeigt den Hovgaard Rücken und die Kratzer in dreidimensionaler Darstellung.

Foto: Alfred-Wegener-Institut

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