Ring Garden 22.11.2016, 07:29 Uhr

Rettet dieses Riesenrad Menschen vor Wasserknappheit?

Dem Wassermangel mit einem Riesenrad begegnen. Das ist die Idee von Alexandru Predonu. Der Designer aus Bukarest hat Ring Garden entwickelt – ein rotierendes Rad, das Meerwasser in Süßwasser verwandelt und gleichzeitig Biomasse und Gemüse produziert. 

Ein Multitalent: Ring Garden produziert gleichzeitig Trinkwasser, Biomasse und Gemüse. Und das ressourcensparend.

Ein Multitalent: Ring Garden produziert gleichzeitig Trinkwasser, Biomasse und Gemüse. Und das ressourcensparend.

Foto: Alexandru Predonu

Die Anlage besteht aus zwei Hauptbestandteilen: Der im Wasser schwimmende weiße Sockel ist mit Solarzellen bestückt, die jährlich 440 MWh Strom produzieren. Mit dieser Energie lassen sich im inneren des Sockels Hochleistungspumpen betreiben, die Seewasser durch eine semipermeable Membran drücken und Salzmoleküle ausfiltern. Durch diese Entsalzung produziert die Anlage jährlich 60 Millionen l Süßwasser. 20 Millionen l gehen als Trinkwasser (nach Aufbereitung) an die Bevölkerung. 40 Millionen l nutzt die Anlage selbst. Doch wofür?

Im Riesenrad wächst Gemüse

Hier kommt der zweite Teil der Anlage ins Spiel: ein Riesenrad, das mit Solarstrom betriebene Motoren in Rotation versetzen. Innerhalb des Rades sind Ebenen eingezogen, auf denen Pflanzen wachsen. Das ist laut Predonu platzsparend. Auf einer Grundfläche von 1000 m2 produziert die Anlage Gemüse, für das im klassischen Landbau 26.000 m2 Fläche nötig wären.

Platzsparend: Auf einer Grundfläche von 1000 m2 produziert Ring Garden Gemüse, für das im klassischen Landbau 26.000 m2 Fläche nötig wären. Einen Teil des produzierten Süßwassers nutzt die Anlage für die Bewässerung, den anderen Teil stellt sie der Bevölkerung als Trinkwasser zur Verfügung. 

Platzsparend: Auf einer Grundfläche von 1000 m2 produziert Ring Garden Gemüse, für das im klassischen Landbau 26.000 m2 Fläche nötig wären. Einen Teil des produzierten Süßwassers nutzt die Anlage für die Bewässerung, den anderen Teil stellt sie der Bevölkerung als Trinkwasser zur Verfügung. 

Foto: Alexandru Predonu

Und Ring Garden spart viel Wasser bei der Bewässerung der Pflanzen. Die Anlage benötigt dafür jährlich nur 40 Mio. l Wasser. Deutlich weniger als die klassische Landwirtschaft, die für die gleiche Menge 340 Millionen Gallonen benötigt – umgerechnet über 1,2 Mrd. l. Das eingesparte Wasser reicht aus, um 2.300 Haushalte in den USA ein Jahr lang mit Frischwasser zu versorgen.

30 % höhere Ernte ohne Pestizide und Düngemittel

Hinter dem Geheimnis des Wassersparens steckt die sogenannte Aeroponik. Dabei fließt das Wasser in der Rotation von Ebene zu Ebene über die Pflanzen. „Das Aeroponik-System verbraucht bis zu 98 % weniger Wasser als konventionelle Landwirtschaft und führt zu einer durchschnittlich 30 % höheren Ernte – ohne Pestizide oder Düngemittel“, erklärt Predonu. Der Erfinder beruft sich dabei auf die Erkenntnis der US-Weltraumbehörde Nasa, demnach Pflanzen durch Aeroponik bis zu drei Mal schneller wachsen.

Doch damit nicht genug. Teil der Anlage ist auch ein Bioreaktor. Er nutzt das Solewasser, das Abfallprodukt der Entsalzung, um Algen zu produzieren. Sie dienen als Viehfutter in der Landwirtschaft.

Ring Garden existiert bislang nur auf dem Papier

Einziger Wermutstropfen: Ring Garden existiert bislang nur auf dem Papier. Predonu hat mit dem Konzept am Wettbewerb „Land Art Generator Initiative“ teilgenommen, der nachhaltige Umwelttechnologien prämiert. Ob die Anlage jemals Wirklichkeit wird, steht in den Sternen. 

Fest steht: US-Bundesstaaten wie Kalifornien sind auf Lösungen für die steigende Wasserknappheit angewiesen. Derzeit leidet der Staat unter einer der schlimmsten Dürren der jüngeren Vergangenheit. Gouverneur Jerry Brown hat die Bürger per Dekret bereits zum Wassersparen gezwungen. In San Diego ist außerdem für rund eine Milliarde $ die größte Meerwasser-Entsalzungsanlage der westlichen Hemisphäre entstanden. Das sogenannte Carlsbad Desalination Project produziert pro Tag 200 Mio. l Trinkwasser.

Ähnliche Projekte

Ebenfalls bislang nur auf dem Papier existiert das Projekt Clear Orb: Die vom südkoreanischen Architekturbüro Heerim Architects & Planers geplante und im Meer platzierte Kugel hat einen Durchmesser von 40 m. Sie könnte 2,2 Mio. Liter Trinkwasser pro Jahr erzeugen und außerdem noch rund 3,8 MWh an Elektrizität ins Netz speisen.

Clear Orb: Die Kugel soll laut Planung in eine Anlage eingebunden sein, die für Besucher zugänglich ist.

Clear Orb: Die Kugel soll laut Planung in eine Anlage eingebunden sein, die für Besucher zugänglich ist.

Foto: Heerim Architects & Planners

Und nahe Wolfsburg entsteht eine Anlage, in der Pflanzen nicht in Erde, sondern in teilgereinigtem Abwasser wachsen. Das enthält alle benötigten Nährstoffe. Außerdem reduziert sich beim Projekt HypoWave der Frischwasserverbrauch durch diese Technik auf Null.

Von Patrick Schroeder

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